Hitzige Diskussion bei der Biber-Exkursion in Herrieden | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.07.2023 17:01

Hitzige Diskussion bei der Biber-Exkursion in Herrieden

Nicht alle Teilnehmer beteiligen sich bei der Biberexkursion im Raum Herrieden am Streit: Die meisten hörten den Ausführungen des Biber-Experten gespannt zu. (Foto: Paul Wiese)
Nicht alle Teilnehmer beteiligen sich bei der Biberexkursion im Raum Herrieden am Streit: Die meisten hörten den Ausführungen des Biber-Experten gespannt zu. (Foto: Paul Wiese)
Nicht alle Teilnehmer beteiligen sich bei der Biberexkursion im Raum Herrieden am Streit: Die meisten hörten den Ausführungen des Biber-Experten gespannt zu. (Foto: Paul Wiese)

Dass ein kleines Tier so großes Konfliktpotenzial zu bieten hat, war selbst den Veranstaltern der Biber-Exkursion am Mittwochabend nicht klar. Der Bund Naturschutz hatte Interessierte eingeladen, sich über den Biber und seinen Beitrag zum Artenschutz zu informieren – das Ziel: Aufklärung.

Etwa 50 Menschen finden sich in einem Waldstück bei Herrieden ein, in dem auch Biber leben. Experten sind der Biberberater aus dem Landkreis Ansbach, Gerhard Engelhardt, sowie Berit Arendt vom Bibermanagement Nordbayern.

Fehlende Hilfen beklagt

Während die meisten an diesem Abend kommen, um etwas über den Biber zu lernen, wollen einige offenbar ihren Unmut deutlich machen: Fünf bis sechs Männer, darunter ein Landwirt, unterbrechen Engelhardt, der gerade begonnen hatte, über den Biber zu erzählen.

Sie beschweren sich lautstark: „Die Biber nehmen völlig überhand und dürfen nicht entnommen werden“, ruft einer in die Menge. Andere stimmen ihm zu. Biber-Expertin Arendt entgegnet: „Es gibt gar keine Überpopulation“. Die Gesetze seien im Moment eben, wie sie sind.

Die Gruppe lässt sich nicht bremsen: Die Männer beklagen fehlende Hilfen und berichten von Schäden, die ihnen durch Biber entstanden seien. Obwohl nur wenige der Anwesenden derart ihren Unmut bekunden, ist die Stimmung aufgeheizt. Arendt versucht, einen sachlichen Dialog herzustellen; das gelingt aber erst später. Zunächst bittet Christina Beckler, Geschäftsführerin des BN-Kreisverbands, zum eigentlichen Thema – den Bibern und dem Artenschutz – zurückzukehren.

Zwar setzt Engelhardt seinen Vortrag fort, doch der Gesprächsbedarf scheint so groß, dass in kleinen Grüppchen weiterdiskutiert wird. Erst als sich die ganze Gruppe weiter Richtung Biber-Revier bewegt, beruhigt sich die Lage. Engelhardt kann weiter über die Biber referieren; der überwiegende Teil der Besucher hört ihm aufmerksam zu.

Später wird klar: Das Problem aus Sicht der Betroffenen ist die Kommunikation: „Man spricht nicht mit uns“, wirft ein Landwirt, der namentlich nicht genannt werden will, Arendt vor. Sie verweist darauf, nur informieren zu wollen.

Sie sei nicht die verantwortliche Institution. Doch sie verspricht, den Fall an die Untere Naturschutzbehörde weiterzugeben. Dann könnten sich Betroffene und Verantwortliche an einen Tisch setzen, um sachlich über die Biber zu diskutieren. Darauf lässt sich der aufgebrachte Landwirt ein.

„Wir müssen uns die Hand reichen“

Er selbst sei noch gar nicht betroffen, aber: „Wir sehen, was woanders passiert“, erklärt er und stimmt Berit Arendt zu: „Es geht im Wesentlichen um die Kommunikation“.

Da sind sich am Ende der Veranstaltung alle einig: Auch wenn die Angst vor wirtschaftlichen Schäden durch den Biber groß ist, muss mehr miteinander gesprochen werden. Arendt, die als Biberexpertin in ganz Nordbayern unterwegs ist, bestätigt: „Hier läuft es mit der Kommunikation noch nicht so“. Und auch Beckler appelliert an Naturschützer und Betroffene: „Reden hilft, man muss sich beide Seiten anschauen“. Die Lösung sei nicht, dass jeder seinen eigenen Weg gehe. „Wir müssen für Verständnis werben und uns gegenseitig die Hand reichen.“

Ruhig und mit einer Gesprächs-Perspektive endet die Veranstaltung. Sie hat gezeigt, wie weit die Positionen auseinanderliegen und wie wichtig der Dialog ist. Für Beckler ist klar: „Wir stehen für weitere Gespräche immer zur Verfügung“.


Von Paul Wiese
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