Die Füße werden wieder qualmen, wenn diesen Sonntag der Scheinfelder Lindwurmlauf über die Bühne geht – zum 25. Mal. Eine dreistellige Zahl von Hobbysportlerinnen und -sportlern, jung und alt, wird sich wieder auf die Strecke machen, was auch die Herzen der Veranstalter vom Lauftreff des TSV Scheinfeld erfreut.
Einer war von Anfang an als Organisator stets dabei und ist es auch heute noch: Walter Schmitt. Der 71-Jährige aus Klosterdorf hatte 1997 zusammen mit Willi Gräf die Laufveranstaltung aus der Taufe gehoben. Den Impuls dazu gab ein Rennen in Kitzingen, an dem sich der damals noch junge TSV-Lauftreff beteiligt und viel Spaß daran gefunden hatte; anschließend dachte man sich: „So was können wir auch.“
Sie konnten. Auch wenn der Aufwand ein durchaus großer war – ohne Internet und ganz allgemein mit technisch geringeren Möglichkeiten als heute. So brauchte es etwa damals gleich eine Handvoll Computer (für jeden Lauf einen), wo heutzutage ein Laptop genügt. Auch ein Sponsor war mit der Sparkasse rasch gefunden. Gleich bei der Premiere fand der Lauf mit rund 230 Teilnehmern regen Zuspruch.
Die Atmosphäre kam nicht nur wegen der vielen Aktiven gut an. Die Sportler im Hauptlauf drehten sieben Runden durch die Altstadt, und zwar zum Altstadtfest, so dass auch immer Publikum gleichsam garantiert war. Zu den Herausforderungen für die Organisatoren gehörte aber, dass der Lindwurmlauf schon ein paarmal umorganisiert werden musste. Die Streckenführungen mussten verändert werden; die Streckenlängen wurden variiert; der Veranstaltungstermin wurde vom Altstadtfest entkoppelt.
Auch ein bisschen personellen Wandel gab es. Gräf verlagerte sein Engagement nach einiger Zeit auf die Volkstanzgruppe, und Annemarie Mader stieg als Organisatorin mit ein. Die Doppelspitze mit Schmitt erwies sich als erprobtes Prinzip. Und das soll so in der seit vorigem Jahr neuen Konstellation mit Lauftreffleiter Sebastian Rückel, der seit 2006 der Abteilung angehört, bleiben. Auch er hat Schmitt an seiner Seite.
Dabei war der Langlauf nicht Schmitts ursprüngliche Domäne. Eigentlich war er ein Fußballer. Doch als 1995 – Schmitt war da schon in den 40ern – der Lauftreff gegründet wurde, war er mit dabei. Wie viele Läufe er seitdem selbst bestritten hat, weiß er gar nicht mehr aufzuzählen. Die Halbmarathons am Rennsteig und in Bad Füssing, wo immer Anfang Februar großes Läufertreffen ist, sieht Schmitt als seine echten Highlights als Aktiver.
Der 30 Jahre jüngere Rückel bringt es auf etwa ein Dutzend Wettbewerbe im Jahr. Insbesondere aber hat er Schmitt etwas voraus: Er ist den Lindwurmlauf schon ein paar Mal mitgelaufen. Für die Helfer im Hintergrund – rund 30 sind jedes Mal im Einsatz – gilt allerdings: Wenn man alle Hände voll zu tun hat, müssen sich die Füße unterordnen. Deshalb war Walter Schmitt bislang zwar bei jedem Lindwurmlauf als einer der Macher dabei, aber noch nie als Läufer. Das wird wohl auch so bleiben. Denn Schmitt will dem Orga-Team, solange es die Gesundheit zulässt, treubleiben.
Dass es für die körperliche Fitness keine Garantie gibt, musste Schmitt vor zehn Jahren erfahren. Da erlitt er einen Schlaganfall; dass er diesen aber glimpflich überstand, liegt wohl auch am trainierten Körper, mutmaßt Schmitt. Zweimal in der Woche, mittwochs und samstags, geht es hinaus in die Flur. Da war – und ist – er beständig dabei, sofern es ihm sein Job als Busfahrer erlaubte (den er aushilfsweise auch als Rentner noch ausübt). Zudem ist Schmitt ja Übungsleiter und hat neben der allgemeinen Lizenz auch die Zusatzqualifikationen für Nordic Walking und Gesundheitssport.
Das Training, so merkt Schmitt an, sei vielen der Lauftreff-Aktiven – laut Rückel sind es um die 60 – wichtiger als Wettkämpfe. Zumal die Abteilung auch Formate gefunden hat, die die körperlichen Anstrengungen mit Geselligkeit paaren. Das trifft etwa auf den „Frühstückslauf“ zu; da wird morgens zu einer Sehenswürdigkeit im Scheinfelder Umland gelaufen, jeder steuert zum Essen (das zum Treffpunkt gefahren wird) etwas bei und legt sich dafür mächtig ins Zeug. Oder auf den Frankenberglauf. Da lassen sich die Läufer zum Frankenberg fahren, laufen die etwa 16 Kilometer zurück und treffen sich zur Brotzeit im TSV-Sportheim.
Es spricht wohl auch für den Zusammenhalt, dass in der Corona-Zeit, in der der Lindwurmlauf zweimal ausfallen musste, kaum ein Aktivenschwund stattfand, wie Rückel berichtet.
So ist dem Lauftreff, auch wenn der Jogging-Boom früherer Jahre vorbei zu sein scheint, weder um sich noch um seinen Lindwurmlauf bange. Rückel will die Veranstaltung auch weniger an irgendwelchen Teilnehmerzahlen festmachen, als an der Freude, die alle Beteiligten haben. Und die kommt für Schmitt spätestens dann auf, wenn er im Ziel die meist zwar erschöpften, aber zufriedenen Läufergesichter sieht.
Wer teilnehmen möchte: Für den 25. Scheinfelder Sparkassen-Lindwurmlauf ist diesen Samstag um 12 Uhr Meldeschluss auf der Internetseite www.tsvscheinfeld.de beziehungsweise per E-Mail an lauftreff@tsvscheinfeld.de (unter Angabe des Vor- und Zunamens, Geschlecht, Jahrgang, Verein und Wettbewerbsklasse); Nachmeldungen sind aber noch am Sonntag vor Ort bis eine Stunde vor den jeweiligen Starts in den verschiedenen Klassen möglich.