Um die Menschen und Gebäude in Ansbachs Innenstadt vor einem Hochwasser zu schützen, werden entlang der Rezat umfangreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt. Während die Arbeitenden im ersten Bauabschnitt gut vorankommen, wird im Hintergrund bereits das weitere Vorgehen vorbereitet.
Das seit Oktober 2025 laufende Projekt ist wahrscheinlich die größte Infrastrukturmaßnahme in Ansbach in der jüngeren Vergangenheit. Mit den Schutzmaßnahmen werden etwa 1100 Einwohnerinnen und Einwohner und etwa 200 Gebäude auf einer Fläche von circa neun Hektar vor einem 100-jährlichen Hochwasser (HQ100) geschützt. Damit sind Ereignisse gemeint, die statistisch alle 100 Jahre auftreten. Mit eingerechnet ist ein Aufschlag von 15 Prozent, um die Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen.
Um den Schutz zu gewährleisten, werden von der Voggenmühle bis zur Residenz unter anderem rund 1015 Meter Schutzwände und vier Schöpfwerke gebaut. Im ersten Abschnitt von der Voggenmühle bis zum Kasernendamm werden ein 220 Meter langer Teil der Schutzwand und das größte der vier Pumpwerke gebaut.
Mit dem Fortschritt sind die Verantwortlichen des Ansbacher Wasserwirtschaftsamtes (WWA) nach wie vor sehr zufrieden. In dieser Woche soll zum einen die Decke des unterirdischen Pumpwerkes betoniert werden. Damit wäre schon ein großer Teil der Stahlbetonarbeiten erledigt, wie es vonseiten des WWA heißt. Zudem werden sich die Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Baustelle mit der Schutzwand beschäftigen.
Nicht sichtbar ist für Menschen, die nicht mit dem Projekt zu tun haben, was im Hintergrund passiert. Denn hier laufen schon seit Langem die Vorbereitungen für den zweiten Bauabschnitt. Aktuell arbeiten die Verantwortlichen im Wasserwirtschaftsamt mit Hochdruck an der Ausschreibung für den zweiten Teil des Großprojektes. Da es sich um eine europaweite Ausschreibung handelt, ist dieser Schritt entsprechend aufwendig.
Die ursprüngliche Hoffnung war, dass im Spätsommer mit dem zweiten Abschnitt vom Kasernendamm über den Rezatparkplatz bis zur Residenz begonnen werden kann. In diesem wird der Großteil der Hochwasserschutzmauer und weitere Schöpfwerke gebaut. Das Besondere: Die Mauer ist nicht durchgehend geschlossen. Im Bereich von bestehenden Wegen und Straßen gibt es Aussparungen. Diese werden im Ernstfall mit mobilen Elementen geschlossen.
Ist auch der zweite Abschnitt erledigt, ist damit die gesamte Hochwasserschutzmaßnahme abgeschlossen. Bereits im Jahr 2023 wurde nämlich zwischen dem Theatersteg und der Residenz eine etwa 35 Meter lange Hochwasserschutzwand eingebaut. Dieser Vorgriff war nötig, weil das Staatliche Bauamt Ansbach zu dieser Zeit den Parkplatz hinter der Residenz saniert hat.
Der angepeilte Baubeginn hat bei den Verantwortlichen der Kammerspiele einige Sorgen mit Blick auf das Ansbach Open verursacht. Das Festival findet vom 24. bis 26. Juli statt. Die Befürchtung: Wird in dieser Zeit bereits auf dem Parkplatz gebaut, steht dieser für die Besucherinnen und Besucher des Festivals nicht zur Verfügung. Diese Sorge kann das WWA beseitigen. Im Juli und August werde auf dem Rezatparkplatz noch nichts passieren, hieß es auf FLZ-Nachfrage. Frühestens im September ist mit dem Baustart zu rechnen
Die Maßnahme liegt absolut im Zeitplan. Dennoch herrscht ein gewisser Zeitdruck. Denn das Großprojekt muss bis zum Ende des Jahres 2028 abgeschlossen sein. Der Grund ist relativ einfach. Das rund 13 Millionen Euro teure Projekt wird mit Mitteln der Europäischen Union gefördert. Um das Geld auch wirklich zu bekommen, gibt es diese Frist bis Ende 2028.