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Veröffentlicht am 23.06.2023 07:19

Hohes Defizit: Nahverkehr in Ansbach soll neu aufgestellt werden

Der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ist für die Stadt ein Draufzahlgeschäft. Da das Defizit in diesem Bereich in die Millionen geht und keine Besserung in Sicht ist, soll das entsprechende Verkehrskonzept jetzt auf den Prüfstand. Nur dem von der Verwaltung vorgeschlagenen Weg wollen die Stadträte nicht folgen.

Die Situation in Ansbach ist für beide Seiten unbefriedigend: Hier die Fahrgäste, die über schlechte Verbindungen und Umsteigemöglichkeiten klagen sowie die mangelnde Kooperation zwischen Stadt und Landkreis im Nahverkehr monieren. Und da die Stadt, die wachsende Personal- und Energiekosten behandeln muss und Jahr für Jahr trotz leicht steigender Fahrgastzahlen ein Millionenminus auszugleichen hat.

Belief sich der Zuschuss der Stadt in den Jahren von 2015 bis 2019 auf rund 970.000 Euro pro Jahr, steigerte sich dieser Wert seitdem signifikant. In den zurückliegenden drei Jahren wurden bereits 1,65 Millionen Euro fällig, laut Wirtschaftsplan war für den Zeitraum von 2024 bis 2026 zunächst von satten 5,65 Millionen Euro auszugehen.

Aktuelles Minus bei 3,8 Millionen Euro

Inzwischen sind diese Zahlen korrigiert, das auszugleichende Minus in diesem Spektrum beläuft sich nach aktuellen Schätzungen auf 3,8 Millionen Euro. „Das ist immer noch eine nicht unerhebliche Summe“, befand Kämmerer Christian Jakobs im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss. Tenor: Es muss sich etwas an den leeren Bussen ändern, so kann das Draufzahlgeschäft jedenfalls nicht weitergehen.

Widersprechen mochte da niemand der Stadträte, allerdings ist die Vorgehensweise einer angedachten Neuausrichtung umstritten. „Das kalte Grausen“ überfiel Hannes Hüttinger (BAP) bei einem Blick auf den Vorschlag der Verwaltung: „So kann man es nicht machen. Das ist nicht das Konzept, das wir brauchen.“

Laut Beschlussvorschlag sollte der Ansbacher Nahverkehrsplan durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) dahingehend überarbeitet werden, „dass auch in den kommenden Jahren eine Kapitaleinlage in Höhe von 1,65 Millionen Euro ausreichend zur Finanzierung des ÖPNV ist“.

Das würde das finanzielle Risiko begrenzen und den ohnehin schmalen Geldbeutel einer Kommune, die in Sachen Steuereinnahmen auf Platz 22 von 24 in Bayern steht, zumindest nicht weiter essenziell belasten. Dabei geht es Hüttinger wie dem Großteil seiner Kollegen zunächst gar nicht um die nackten Zahlen. „Die 5,65 Millionen Euro interessieren mich gerade nicht“, drückte sich der dienstälteste Stadtrat drastisch aus.

Es geht ihm vielmehr um neue Ideen, wie sich die Situation des ÖPNV in Ansbach und seinen zahlreichen Außenorten verbessern lässt. „Wir können in Arbeitsgruppen diskutieren, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt“, befand Hüttinger, der Anrufsammeltaxis und Rufbusse ins Spiel brachte.

Die Grünen in Person von Meike Erbguth-Feldner bedankten sich bei Hüttinger, dessen Ansatz auch ihre Partei teilt. „Mir ist es wichtig, diese Chance nicht aus der Hand zu geben“, erklärte Erbguth-Feldner und brachte ihre Kritik auf den Punkt: „Wir sollten nicht nur einsparen und fertig.“

Gedanken aus anderen Städten aufnehmen

Vielmehr gelte es herauszufinden, warum die Öffentlichen so wenig frequentiert würden und was man etwa an den Schleifen des Busverkehrs verändern könnte. Andere Konzepte wie etwa das jüngst vorgestellte aus Murnau könnten durchaus in die Gedankenspiele der Arbeitsgruppe aufgenommen werden.

„Wir brauchen ein Verkehrskonzept für das 21. Jahrhundert und sollten uns nicht in die 60er oder 70er Jahre zurückkatapultieren“, monierte Boris-Andre Meyer (OLA), der auch einen Sachverhalt klarstellte. „Es ist irreführend, die 1,65 Millionen Euro als Zuschuss zu deklarieren.“

Schließlich wären darin auch andere Kosten enthalten: etwa die der Abwasserentsorgung oder auch das doppelt zu zahlende Managergehalt wegen der frühzeitig verpflichteten, künftigen Stadtwerke-Chefin, so Boris-Andre Meyer. Am Dienstag soll im Stadtrat eine Entscheidung über das weitere Vorgehen fallen.

Es muss sich etwas ändern beim ÖPNV – das sagen alle politisch Verantwortlichen in Ansbach. Die Verwaltung möchte die VGN in Nürnberg einschalten, die Stadträte wollen selbst Ideen entwickeln. (Archivfoto: Jim Albright)
Es muss sich etwas ändern beim ÖPNV – das sagen alle politisch Verantwortlichen in Ansbach. Die Verwaltung möchte die VGN in Nürnberg einschalten, die Stadträte wollen selbst Ideen entwickeln. (Archivfoto: Jim Albright)
Es muss sich etwas ändern beim ÖPNV – das sagen alle politisch Verantwortlichen in Ansbach. Die Verwaltung möchte die VGN in Nürnberg einschalten, die Stadträte wollen selbst Ideen entwickeln. (Archivfoto: Jim Albright)

Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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