Im Landkreis Ansbach geht die Kriminalität zurück – aber nicht in allen Bereichen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 15.04.2026 16:56

Im Landkreis Ansbach geht die Kriminalität zurück – aber nicht in allen Bereichen

Der Leiter der Polizeiinspektion Ansbach, Dieter Hegwein (links), die Leiterin der Ansbacher Kriminalpolizei, Cora Miguletz (Mitte), und Landrat Dr. Jürgen Ludwig (rechts) stellten die Kriminalstatistik 2025 für den Landkreis Ansbach vor.  (Foto: Thomas Schaller)
Der Leiter der Polizeiinspektion Ansbach, Dieter Hegwein (links), die Leiterin der Ansbacher Kriminalpolizei, Cora Miguletz (Mitte), und Landrat Dr. Jürgen Ludwig (rechts) stellten die Kriminalstatistik 2025 für den Landkreis Ansbach vor. (Foto: Thomas Schaller)
Der Leiter der Polizeiinspektion Ansbach, Dieter Hegwein (links), die Leiterin der Ansbacher Kriminalpolizei, Cora Miguletz (Mitte), und Landrat Dr. Jürgen Ludwig (rechts) stellten die Kriminalstatistik 2025 für den Landkreis Ansbach vor. (Foto: Thomas Schaller)

Die Kriminalität im Landkreis Ansbach ist 2025 insgesamt weiter zurückgegangen. Allerdings gilt das nicht für alle Bereiche, erläuterte Cora Miguletz, die Leiterin der Kriminalpolizei Ansbach, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik im Landratsamt.

4853 Straftaten wurden im vergangenen Jahr erfasst, das sind 89 weniger als 2024. Die Aufklärungsquote lag nahezu unverändert bei 67,3 Prozent. Damit liegt diese Quote zwar unter dem bayerischen Durchschnitt (68,1 Prozent), aber über der in ganz Mittelfranken (66,6 Prozent).

Auf dem Land ist es sicherer als in der Stadt

Gemessen wird die Kriminalitätsbelastung durch die Häufigkeitszahl (HZ), die die Straftaten pro 100.000 Einwohner angibt. Auch diese Zahl ist leicht auf 2558 gesunken. Damit liegt der Landkreis Ansbach auf dem Niveau der meisten Flächenlandkreise in Mittelfranken. „Auf dem Land lebt es sich sicherer als in der Stadt”, meinte Kriminaldirektorin Miguletz, denn in Nürnberg beträgt die HZ 7028, in der Stadt Ansbach 6043.

Von den 2730 ermittelten Tatverdächtigen sind 2150 Männer und 580 Frauen. Minderjährige und Heranwachsende sind bei den Verdächtigen laut Miguletz fast nicht überrepräsentiert. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg auf 34,4 Prozent. Der Ausländeranteil im Landkreis Ansbach ist hingegen von 10,9 auf 10,5 Prozent gefallen. Nicht alle Verdächtigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind Zuwanderer, betonte Miguletz.

206 Sexualdelikte verzeichnet

Ein Blick in die Details der Statistik zeigt, dass es 1292 Opfer von Straftaten gab, davon entfiel die große Masse auf Roheitsdelikte (1070) und Gewalt (215). Nicht nur bei den Tätern, sondern auch bei den Opfern sind die Männer in der Überzahl. Anders sieht es bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus, wo 76 weiblichen Opfern nur elf männliche gegenüberstehen. Solche Taten finden häufig im persönlichen Umfeld statt, erläuterte die Kriminaldirektorin. Außerdem gebe es ein großes Dunkelfeld.

„Durchbrechen Sie die Gewaltspirale, gehen Sie zur Polizei, zeigen Sie die Peiniger an”, appellierte daher Dieter Hegwein, Leiter der Polizeiinspektion Ansbach, an Menschen, die mit sexueller Gewalt konfrontiert sind. 206 Sexualdelikte wurden 2025 verzeichnet, 31 weniger als im Jahr zuvor.

Drei versuchte Morde

2025 kam es im Landkreis Ansbach zu drei versuchten Morden und in sechs Fällen wurde wegen Totschlags ermittelt. Besonderes Aufsehen erregte der Mordversuch an einem Geschäftsmann in Heilsbronn. Der 13-jährige Ukrainer, der an einer Bushaltestelle in Schnelldorf einen Mitschüler mit Messerstichen mutmaßlich töten wollte, hat nach den Worten von Miguletz in der Zwischenzeit mit seiner Mutter Deutschland verlassen. Schusswaffen wurden 2025 bei keiner einzigen Tat verwendet, Messer hingegen bei fünf Straftaten gegen das Leben.

Es gab außerdem 36 Wohnungseinbrüche und -versuche. Diese Zahl steigt in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Wegen der Folgen für die betroffenen Menschen legt die Polizei auf dieses Themenfeld besonderes Gewicht. Nur knapp die Hälfte der Einbrüche wird aufgeklärt. Während Diebstähle aus Kraftfahrzeugen zunehmen, wurden weniger Laden- und Taschendiebstähle angezeigt.

Rückgang bei den Rauschgiftdelikten

Wachstum verzeichnet die Statistik bei den Betrügereien. Gerade im Internet und bei Telefonanrufen ist der Tatort oft im Ausland oder unbekannt. Dann werden die Taten nicht in der Statistik für den Landkreis Ansbach erfasst. Cybercrime im Internet kann in der Statistik nicht aussagekräftig dargestellt werden, weil viele dieser Taten den Bereichen mit höheren Strafandrohungen, also zum Beispiel Erpressung, zugeordnet werden.

Zurückgegangen sind die Rauschgiftdelikte, was die Kriminaldirektorin in erster Linie auf die Einführung des Cannabis-Gesetzes zurückführt.

Politisch motivierte Kriminalität nimmt zu

Die politisch motivierte Kriminalität von Rechts- und Linksradikalen nahm zu, was Miguletz vor allem auf die Bundestagswahl zurückführt. Religiöse Ideologie spielte hingegen keine Rolle. In sieben Fällen ging es um ausländische Ideologien.

Herausragende Fälle waren im vergangenen Jahr die Festnahme eines Brandstifters, der gestand, Feuer in Lagerhallen in Rothenburg gelegt zu haben, und die Tierschutzverstöße in einem Geflügelschlachthof in Wassertrüdingen. Dazu kamen die Sprengung eines Geldautomaten in Colmberg und die Festnahme eines aus Österreich stammenden reisenden Sexualstraftäters.

Es gebe eine Diskrepanz zwischen der Angst, Opfer einer Straftat zu werden, und der tatsächlichen Entwicklung, beklagte Dieter Hegwein. „Im Landkreis Ansbach lässt es sich sicher leben”, müsse deshalb die zentrale Botschaft sein.

Sicherheit ist auch Sache der Gemeinschaft

Landrat Dr. Jürgen Ludwig sagte, Staat und Polizei könnten nicht allein für Sicherheit sorgen, dies sei auch Sache der Gemeinschaft. Er unterstrich die Bedeutung der Prävention und – wie auch Miguletz und Hegwein – der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie beispielsweise dem Weißen Ring.

Informationen zur Vorbeugung von Straftaten und Hilfsangebote für Betroffene gibt es im Internet unter polizei-beratung.de


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
north