„Die Planungen laufen auf Hochtouren“, erklärt Michael Hauer vom Bund Naturschutz (BN). Der Amphibien-Experte koordiniert die größte Artenschutzaktion im Landkreis Ansbach. Dieses Jahr geht es bereits Ende Februar los.
Frösche, Kröten und Molche verlassen im Frühjahr ihr Winterversteck im Wald und wandern zu den Gewässern, in denen sie selbst geschlüpft sind. Am Ziel legen sie dann ihre Eier ab. Das Problem: Auf dem Weg müssen sie häufig Straßen überqueren. Gegen Autos haben die kleinen Tiere aber keine Chance. Deshalb baut der Bund Naturschutz bereits seit den 1980er-Jahren im Landkreis und in der Stadt Ansbach Zäune entlang beliebter Amphibien-Wanderrouten auf.
„Die Wetterverhältnisse sind entscheidend. Regen, milde Nächte und wenig Kältephasen sorgen dafür, dass die Tiere ihre Wanderung beginnen“, erklärt Hauer. Aufgrund des milden Wetters soll es in diesem Jahr bereits Ende Februar so weit sein.
Im gleichen Zeitraum beginnt er mit Freiwilligen damit, die Schutzzäune aufzustellen. „Das ist anstrengend. Es wäre eine große Hilfe, wenn sich Personen melden würden, die stunden- oder tageweise beim Aufbau der Zäune mithelfen könnten“, so Hauer. Die Amphibien können den Zaun nicht überwinden. „Wenn eine Erdkröte im Wald an einem Baumstamm vorbei muss, läuft sie daran entlang, weil der Baumstamm irgendwann endet“, erklärt Hauer.
Bis zum Ende kommen sie an den Zäunen nicht. Denn in den Boden sind Eimer eingegraben, in die sie fallen. Rund 200 Ehrenamtliche kontrollieren an 60 Strecken jeden Morgen und jeden Abend die Eimer und setzen die Tiere dann auf der anderen Straßenseite wieder ab. Hier kommen immer wieder neue Strecken dazu, wie heuer beispielsweise in Lölldorf, einem Gemeindeteil von Wieseth im Landkreis Ansbach. „Die Hinweise kommen aus der Bevölkerung und ich schaue mir dann vor Ort, an was sich machen lässt“, schildert Hauer. So sind mittlerweile ungefähr 18 Kilometer Krötenschutzzäune entstanden. Entlang der Zäune gilt für die Nacht eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Kilometer pro Stunde.
Michael Hauer würde sich eine ganztägige Beschränkung wünschen. Zum einen „um die Helfer zu schützen, da sie teilweise an unübersichtlichen Stellen die Straße überqueren.“ Zum anderen sorge der Sog der Fahrzeuge dafür, dass sich die Heringe an den Zäunen langsam aus dem Boden lösen. Und auch die Kröten hätten bei niedrigeren Geschwindigkeiten höhere Überlebenschancen.
Seit Jahrzehnten gehen die Amphibienbestände bayernweit zurück. Hauer sieht hierfür zwei Hauptfaktoren: „Die Tiere reagieren sensibel auf die Klimaveränderung und sind auf Feuchtigkeit angewiesen“. Zusätzlich spiele das generelle Insektensterben eine Rolle. Aktuell ist in der Region beispielsweise der Grasfrosch stark bedroht. Laut Untersuchungen des BN ist er ein Verlierer der Trockenheitsphasen und braucht die Niederschläge, um zu überleben. „Die Wanderung ist kräftezehrend. Die Tiere sind häufig nicht mehr stark genug für ihre Reise zum Geburtsgewässer.“ Deswegen freuen sich Hauer und seine Helfer über jedes gerettete Exemplar. „Viele sind seit Jahren dabei und warten, dass es wieder losgeht.“ Für Neulinge bietet er eine Online-Einweisung an, bei der er über Biologie, Lebensweise und Bedrohung der Amphibien berichtet.
Wer sich bei der Amphibiensammlung engagieren möchte, meldet sich per E-Mail bei Michael Hauer unter michael.hauer@bn-ansbach.de