Kimmichs großer Verlust und ein teures 2:2 für die Bayern | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 01.11.2026 05:47, aktualisiert am 01.11.2026 12:03

Kimmichs großer Verlust und ein teures 2:2 für die Bayern

Großes Mitgefühl: Nationalmannschaftskollege Nico Schlotterbeck umarmt Joshua Kimmich. (Foto: Tom Weller/dpa)
Großes Mitgefühl: Nationalmannschaftskollege Nico Schlotterbeck umarmt Joshua Kimmich. (Foto: Tom Weller/dpa)
Großes Mitgefühl: Nationalmannschaftskollege Nico Schlotterbeck umarmt Joshua Kimmich. (Foto: Tom Weller/dpa)

Jeder hätte verstanden, wenn Joshua Kimmich an diesem emotional aufwühlenden Clásico-Abend nicht vor die TV-Kameras und die vielen Reporter in den Stadion-Katakomben getreten wäre. Aber auch das gehörte für den Kapitän der Nationalmannschaft augenscheinlich zu dem höchst professionellen Versuch, nach dem großen Verlust seines viel zu früh gestorbenen Vaters Berthold (57) in den Fußball-Alltag zurückzufinden. 

Wobei: Alltäglich ist gerade sehr wenig, was auf die Bayern einprasselt. „Die letzten ein, zwei Wochen waren nicht einfach für uns“, gestand Kimmich. Und der 31-Jährige dachte dabei nicht nur an den Schicksalsschlag in seiner Familie. „Auch die Situation mit dem Trainer“, führte der Mittelfeldchef an. 

Saibari an Krücken, auch Gnabry und Olise verletzt

Dazu kam das dreifache Verletzungspech der Offensivstars. Ismael Saibari (Fuß) humpelte an Krücken aus der Allianz Arena. Serge Gnabry erwischte es schon wieder am Muskel. Und auch der unersetzliche Michael Olise musste beim 2:2 (1:0) gegen Borussia Dortmund zumindest angeschlagen vom Platz. 

„Da merkt man, was es heißt, ein Team zu sein. Und wenn ich in der Kabine sitze, habe ich das Gefühl, wir sind ein sehr, sehr gutes Team“, kommentierte Kimmich. Auch wenn am Samstagabend nach dem späten Ausgleich durch BVB-Joker Fabio Silva „bei uns eher trübe Stimmung in der Kabine“ herrschte, wie Konrad Laimer berichtete, der neben dem zum 2:1 erfolgreichen Abwehrkollegen Dayot Upamecano als Torschütze glänzte. 

„Momentan fühlt es sich schon heftig an, was um uns herum passiert. Es ist sehr viel, was wir gerade zu verarbeiten haben“, stöhnte Sportvorstand Max Eberl auch mit Blick auf das am Dienstagabend (21.00 Uhr/Prime Video) mit einem weiter dezimierten Kader anstehende schwere Auswärtsspiel in der Champions League bei der Kämpfertruppe von Atlético Madrid. 

Eberl: Müssen gerade sehr resilient sein

„Wir müssen gerade sehr resilient sein - und das müssen wir die nächsten Wochen weiter sein“, sagte Eberl geradezu beschwörend. Man werde aber in keinem Wettbewerb zurückstecken, versicherte der Sportvorstand.

Warum auch? „Für uns geht es weiter. Wir wollen weiter Ergebnisse liefern. Wir werden auch Spiele wieder gewinnen“, sagte Kimmich. Der Anführer beruhigte: „Wir haben Unentschieden gespielt. Wir sind nicht in der totalen Krise.“

Nein. Aber es war trotzdem ein untypischer Bayern-Abend. „Jeder hat gesehen, dass wir das Spiel 3:1, 4:1 gewinnen müssen mindestens“, meinte Kimmich. Eberl sah es ähnlich: „Wir hatten unsere beste Phase nach dem 1:1 von Dortmund“, das BVB-Torjäger Serhou Guirassy erzielte: „Danach haben wir supergut gespielt, aggressiv mit Torchancen ohne Ende. Da hätten wir den Sack zumachen müssen. In Summe aber war es eine sehr gute Leistung von uns.“

Der menschliche Kane

Es ist ja auch wirklich nicht alltäglich, dass Harry Kane einen Handelfmeter an die Latte knallt und so das 2:0 vergibt. Und später den Ball freistehend an den Pfosten nagelt. Es wäre das 3:1 gewesen. Auch Olise und der lediglich spät eingewechselte Jungstar Lennart Karl trafen nur Pfosten und Latte.

„Wir waren nicht präzise genug“, sagte Kane am Ende einer für ihn ansonsten traumhaften Ballon-d'Or-Woche. „Die Leute erwarten, dass ich immer treffe“, bemerkte der Engländer: „Aber manchmal ist so das Leben eines Stürmers. Es gibt gute und schlechte Tage - heute war ein schlechter.“

Schlotterbeck verteilt die Rollen im Titelkampf

Aber was ist passiert am 8. Bundesliga-Spieltag? Nichts Entscheidendes, was den Meisterkampf angeht. „Wir haben jetzt beide 18 Punkte, die Augenhöhe geht weiter“, befand Eberl. Das erfüllte alle beim BVB mit Stolz und Genugtuung. Ob Trainer Niko Kovac, Boss Lars Ricken oder Kapitän Nico Schlotterbeck, alle rühmten die in früheren Jahren oft bemängelte BVB-Mentalität. Trotzdem blieb Schlotterbeck (vorerst) bei der gewohnten Rollenverteilung im Titelkampf: „Die Bayern sind der Favorit, wir sind der Jäger.“ Aber der Jäger wittert Beute. 

Schlotterbeck umarmte nach dem Schlusspfiff sehr herzlich seinen Auswahlkollegen Kimmich. Er war nicht der einzige BVB-Protagonist, der das tat. In der ersten Spielhälfte kam es sogar zu einer Umarmung von Kovac mit Kimmich am Spielfeldrand. Der ehemalige Bayern-Trainer hatte Kimmich unter der Woche eine Nachricht geschrieben und kondoliert. „Das fand ich sehr besonders. Deswegen habe ich mich dafür bedankt“, klärte Kimmich die Szene auf. 

Für ihn war es keine normale Rückkehr wie sonst. „Es hilft manchmal“, sagte Kimmich zur Bedeutung des Fußballs in Zeiten der Trauer. „Die letzte Woche war schon sehr hart für meine Familie, auch für mich. Mein Vater hat mich immer begleitet, stand immer an meiner Seite. Er hat mich immer unterstützt und in Phasen an mich geglaubt, in denen ich selbst es nicht getan habe.“ 

Kimmich: Gerade auf dem Platz Gedanken an den Vater

Gerade, wenn er auf dem Platz stehe, „ist es eigentlich die Zeit, in der ich am meisten an ihn denken muss“, erzählte Kimmich. Trotzdem sei es ihm wichtig gewesen, wieder beim Team zu sein, „wieder zu versuchen, in den normalen Alltag zu kommen. Auch wenn man sich manchmal wünscht, dass die Welt ein bisschen stehenbleibt. Aber sie dreht sich leider - und zum Glück - weiter“.

© dpa-infocom, dpa:261101-930-925356/2


Von dpa
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