Kölner Dom kostet ab Mittwoch Eintritt - doch nicht für alle | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.06.2026 06:01

Kölner Dom kostet ab Mittwoch Eintritt - doch nicht für alle

Die Tage mit kostenlosem Zugang zum Kölner Dom sind für Touristen gezählt. (Archivbild) (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
Die Tage mit kostenlosem Zugang zum Kölner Dom sind für Touristen gezählt. (Archivbild) (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
Die Tage mit kostenlosem Zugang zum Kölner Dom sind für Touristen gezählt. (Archivbild) (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Ab Mittwoch ist es so weit: Erstmals kostet der Kölner Dom Eintritt. 12 Euro werden fällig, wenn man den Innenraum des Kölner Wahrzeichens besichtigen möchte - zumindest an den meisten Tagen und für die meisten Leute, denn es gibt auch Ausnahmen, wie das Domkapitel mitteilt. Welche Regelungen gelten ab Juli genau?

Wie wird der Eintritt genau geregelt?

Grundsätzlich liegt der Eintrittspreis für den Dom ab dem 1. Juli bei 12 Euro. Es gibt allerdings auch einige Ausnahmen. So soll das Weltkulturerbe mit über 600 Jahren Bauzeit jährlich an bestimmten Tagen kostenfrei für alle sein: vom 6. Januar (Fest der Heiligen Drei Könige) bis zum darauffolgenden Sonntag, am 1. Mai (Tag der Arbeit) und am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) sowie zur Dreikönigswallfahrt Ende September.

Ausgenommen von den neuen Ticketpreisen sind Kinder bis 13 Jahre und Menschen mit Schwerbehinderung. Zudem soll der Dom für Gottesdienstbesucher, Betende sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins über den Nordeingang demnach kostenfrei bleiben, während am Westeingang Eintritt kassiert wird. „Der kostenfrei zugängliche Gebetsbereich ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Besuchskonzeptes. Der Kölner Dom bleibt auch künftig ein Gotteshaus, das Menschen für ihr Gebet und zur persönlichen Einkehr offensteht“, betont Markus Frädrich vom zuständigen Domkapitel.

Doch wie werden zum Beispiel touristische Besucher und Kölner, die beten wollen, unterschieden? „Unsere Aufsichtskräfte werden am Nordportal keine „Gesinnungsprüfung” vornehmen: Jeder ist willkommen. Zugleich werden wir darauf achten, dass sich Besucherinnen und Besucher in diesem Bereich so respektvoll verhalten, wie es die Würde eines Gebets- und der Andachtsortes gebietet.“

Ob es nicht ausgenutzt werden kann, dass es keine Prüfung gibt? „Ja, die Gefahr besteht“, sagte Dompropst Guido Assmann. Ihm zufolge machen Touristen etwa 99 Prozent der Dom-Besucher aus.

Ermäßigungen (halber Preis) gelten für Schüler und deren Begleitpersonen, Studierende, Auszubildende sowie Menschen mit Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen. Die Tickets können online sowie an einem Ticketschalter am Roncalliplatz 2 erworben werden.

Erwarten die Verantwortlichen einen chaotischen Start?

„Von Chaos gehen wir nicht aus, aber von einer Phase der Neuorientierung“, so Frädrich. „Wir gehen davon aus, dass sich die neuen Abläufe zunächst einspielen müssen - sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch für die Besucherinnen und Besucher. Wie bei jeder größeren Umstellung werden wir nach dem Start Erfahrungen sammeln und einzelne Abläufe gegebenenfalls nachjustieren.“

Man bereite sich bereits seit einigen Monaten auf diesen „großen organisatorischen Schritt“ vor, seit dem 15.6. gebe es ein Online-Ticketportal, das bereits genutzt werde. Zudem werden Mitarbeitende geschult und die Besucherführung angepasst.

Werden die Besucherzahlen fallen?

Dennoch bleibt abzuwarten, wie drastisch sich die neuen Eintrittsregelungen auf die Besucherzahlen auswirken. Das Domkapitel geht davon aus, „dass die neue Regelung den Alltag im Dom spürbar beruhigen wird“, so Assmann. „Die Besichtigungsgebühr kann dazu beitragen, den Dom wieder stärker als Gotteshaus und sakralen Raum erfahrbar zu machen. Ich bin zuversichtlich, dass wir in einigen Jahren erkennen werden, dass sowohl der langfristige Erhalt der Kathedrale als auch ihre spirituelle Prägung von diesem Schritt profitiert haben.“

Wie war es am Dom bisher? Und warum nun die Änderung?

Bislang war der große Innenraum des Doms stets kostenlos zugänglich, Eintritt wurde aber bereits für die Schatzkammer oder auch den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt (acht Euro). Das Domkapitel teilte vor einigen Monaten aber mit, dass seit 2019 sechs Jahre in Folge Minus gemacht worden sei. Über viele Jahre habe man das noch mit Rücklagen auffangen können, aber: „Wir sind in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind“, erklärte Domrendant Clemens van de Ven.

Wie kommen die eingeführten Ticketpreise an?

Die Einführung der Eintrittsgebühr hatte in Köln eine heftige Debatte ausgelöst. Befürworter verweisen darauf, dass andere Kathedralen wie die Sagrada Família in der spanischen Metropole Barcelona (26 Euro) oder die Londoner St. Paul's-Kathedrale (31 Euro) ebenfalls Eintritt kosten. Und auch in Deutschland gibt es Kirchen, die Eintritt nehmen: Für eine Besichtigung des Berliner Doms zahlt man 15 Euro, für die Sebaldus Kirche in Nürnberg 5 Euro. 

Es gibt allerdings auch prominente Gegenbeispiele. Der Besuch von Notre-Dame in Paris ist kostenlos, obwohl die Kathedrale nach dem verheerenden Feuer von 2019 für Hunderte Millionen Euro restauriert werden musste. Ebenso ist der Besuch des Petersdoms in Rom kostenlos. Gegner der neuen Gebühr in Köln befürchten, dass der Dom seine Funktion als für alle zugängliches Herz der Stadt einbüßen wird, wenn der Besuch nicht mehr kostenfrei ist.

© dpa-infocom, dpa:260629-930-301228/1


Von dpa
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