Seine private Reise in den Nahen Osten startete Ende Januar und war im Vorfeld lange geplant. Kurz nach Beginn des Iran-Kriegs befand sich FLZ-Redakteur Wolfgang Grebenhof aus Wieseth im Landkreis Ansbach gerade im Oman. Ohne es beantragt zu haben, stand er auf der Liste für einen Rückholflug nach Deutschland.
Der 4. März im Oman neigte sich dem Ende zu, Wolfgang Grebenhof und die Mitglieder seiner Reisegruppe hatten sich bereits auf die Übernachtung in einem Beduinen-Lager in der Wüste vorbereitet. Unerwartet klingelte das Handy des 58-Jährigen. Eine Computerstimme teilte ihm mit, dass er auf der Passagierliste für den Flug von Maskat im Oman nach Frankfurt in Deutschland steht. „Wenn Ihnen der Weg sicher erscheint, begeben Sie sich heute bis spätestens 21 Uhr zum Flughafen”, stand in einer Mail, die das Auswärtige Amt parallel zum automatisierten Anruf verschickt hatte.
Der Weg erschien dem FLZ-Redakteur auf Reisen zwar sicher und er hätte den Flug auch noch erwischen können. Einen Anlass, zum Flughafen nach Maskat zu düsen, sah er trotzdem nicht. „Ich hatte mich nicht beim Auswärtigen Amt gemeldet”, sagt er. Drei Monate lang ist er mit seiner siebenköpfigen Reisegruppe in eigenen Autos und auf eigene Faust im Nahen Osten unterwegs. Los ging die Tour Ende Januar von der Türkei aus. „Als wir die Reise geplant hatten, wusste natürlich niemand, dass der Krieg ausbricht”, sagt der 58-Jährige.
Zur Halbzeit passierte es dann – die USA und Israel griffen den Iran an. Dieser reagiert seit Kriegsausbruch mit Gegenangriffen auf Israel und auf die Golfstaaten, in denen das US-Militär Stützpunkte unterhält. Und in denen auch Wolfgang Grebenhof mit seiner Gruppe unterwegs ist. Der reguläre Flugverkehr von und nach Dubai, Abu Dhabi, Doha und Maskat wurde eingestellt. Gleichzeitig versuchten Urlauberinnen und Urlauber, darunter auch viele Deutsche, das Land zu verlassen.
Nicht so Wolfgang Grebenhof: „Der Oman ist der sicherste Spot, den man sich im Moment aussuchen kann”, lautete die Einschätzung des Wiesethers am 5. März. Das Land betone seine Neutralität, er und sein Team bemerkten nichts von Kriegshandlungen. Dass Raketen bei Hafenstädten abgefangen wurden, habe er gelesen. Um Gefahren zu meiden, haben die Nahost-Reisenden ihre Route angepasst. „Wir werden größere Städte meiden.”
Ansonsten will die Gruppe ihren Urlaub fortsetzen. Das Leben, das Grebenhof während seiner Reise beobachtet, verläuft weitestgehend normal. „Wenn wir die Medien nicht hätten, wüssten wir nicht, dass Krieg ist”, meint er. Und: „Wir sind mit unseren eigenen Autos da. Es wäre doof, sie jetzt in der Wüste stehen zu lassen.”
Wie es geschehen konnte, dass der 58-Jährige unfreiwillig auf der Evakulierungsliste gelandet ist, erklärt das Auswärtige Amt auf Nachfrage der FLZ: Vor Antritt seiner Reise hat sich Wolfgang Grebenhof auf der Krisenvorsorgeliste „Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland”, kurz ELEFAND, eingetragen. Hier hat er auch angegeben, dass er Herz-Kreislauf-Medikamente nimmt.
Zunächst nimmt das Auswärtige Amt Deutsche bei den Rückholflügen aus dem Nahen Osten mit, die darum gebeten haben. Wird das Flugzeug nicht voll, scannen sie die ELEFAND-Listen nach Schlagwörtern. Solche Schlagwörter sind beispielsweise „schwanger“ oder „Medikamente”. Im letzteren Fall wurde dem Auswärtigen Amt bei Wolfgang Grebenhof ein Treffer angezeigt. Aufgrund seiner Angabe ist der 58-Jährige aus Sicht der Regierung Teil einer „vulnerablen Gruppe”. „Für diese haben wir die Fürsorgepflicht”, erklärt die Sprecherin. Deshalb sei Grebenhof auch aufgefordert worden, den Rückflug anzutreten.
Der Wiesether möchte allerdings nicht umsorgt werden. „Ich habe genug Medikamente dabei”, sagt er. Bis Ende März soll seine Reise dauern, heimfliegen möchte er aus der Türkei, das ist bereits seit Monaten geplant. Und der Luftraum dort ist offen.
Aktuell hält er sich in Katar auf. Es gab mehrfach Alarm, in der Hauptstadt Doha hat er Detonationen gehört, schreibt er an die FLZ-Redaktion. Doch bislang wurden die Angriffe überall auf seiner Reise von der Luftabwehr abgefangen. Er hat auch mit Einheimischen gesprochen: „Die Bewohnerinnen und Bewohner scheinen die Alarme ebenso gelassen zu nehmen wie wir. Sie heißen uns willkommen und versichern uns: hier seid ihr sicher.”