KunstKlang Feuchtwangen: Plausch mit Stars | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.12.2024 20:00

KunstKlang Feuchtwangen: Plausch mit Stars

Sprachen über Geschlechterrollen und Stereotype auf und hinter der Opernbühne (von links): Christoph Böhmke, Brigitte Fassbaender, Axel Ranisch und Christiane Karg. (Foto: Elke Walter)
Sprachen über Geschlechterrollen und Stereotype auf und hinter der Opernbühne (von links): Christoph Böhmke, Brigitte Fassbaender, Axel Ranisch und Christiane Karg. (Foto: Elke Walter)
Sprachen über Geschlechterrollen und Stereotype auf und hinter der Opernbühne (von links): Christoph Böhmke, Brigitte Fassbaender, Axel Ranisch und Christiane Karg. (Foto: Elke Walter)

Ein neues, ein vielversprechendes Format hatte am vergangenen Sonntag in der Konzertreihe Kunstklang Feuchtwangen Premiere: eine Gesprächsrunde, die Themen der Zeit aus musikalischer Perspektive beleuchtete. Mit Brigitte Fassbaender, Christiane Karg und Axel Ranisch war sie illuster besetzt.

Das Thema war groß, so groß, dass es für drei Abende gereicht hätte. „Über Geschlechterrollen und Stereotypen auf und hinter der Bühne“ sollte es gehen. Daraus hätte ein identitätspolitisches Seminar werden können. Es wurde dann aber keine trockene Theoriestunde, sondern eine angeregte Plauderei, die tiefe Seitenblicke in den Theaterbetrieb erlaubte.

Der Bogen spannte sich von Hosenrollen über Frauen in Männerdomänen bis hin zu Macht und Machtmissbrauch in Theatern. Brigitte Fassbaender kennt all diese Themen aus eigener Erfahrung als Sängerin, Regisseurin und Intendantin sehr gut. Als Theatermacherin war sie seinerzeit eine der ersten. Frauen in Leitungspositionen, so ihre Erfahrung, gehen anders, verantwortungsvoller mit Macht um als Männer. Die Atmosphäre an Häusern, „wo das Matriarchat herrschte“, sei besonders gut gewesen.

Der Reiz der Hosenrollen

Was denn den Reiz einer Hosenrolle ausmache, fragte Christoph Böhmke, der Moderator der Runde. Hosenrolle, das muss man heutzutage vielleicht erklären, ist ein Begriff, der aus der Zeit gefallen ist, zumindest in Ländern, in denen Frauen Hosen tragen dürfen und wollen. Mindestens bis in die 1960er-Jahre allerdings konnte er Allgemeingültigkeit beanspruchen. Bis dahin war es auch im Westen gesellschaftlicher Konsens, dass Frauen Röcke tragen – und Männer Hosen. Hosenrollen sind daher Rollen, in denen Frauen Männer spielen.

Brigitte Fassbaender fand die schauspielerische Herausforderung bei solchen Rollen erfrischend und ging auf den ästhetischen Reiz ein, der ihrer Einschätzung nach für Richard Strauss vor allem im „Rosenkavalier“ entscheidend war. Strauss führt dort drei Frauenstimmen zusammen, wobei eine eben einem jungen Mann, dem Octavian gehört. Brigitte Fassbaender, ein Star in ihrem Fach, war weltweit auf diese Hosenrolle abonniert.

Der Film- und Opernregisseur Axel Ranisch, der im Kulturkino tags zuvor seinen Film „Orphea in Love“ vorgestellt hatte, wies auf einen anderen Aspekt von Hosenrollen hin. Er sprach von der „Faszination, dass etwas nicht stimmt in der Zuordnung der Geschlechter.“ Als junger schwuler Mann sei dies vor allem in seiner Pubertät etwas gewesen, womit er sich identifizieren konnte.

Christiane Karg skizzierte das Stereotyp, das ihre Stimmlage mit sich bringt: „Als Sopranistin in meinem Fach ist man immer Prinzessin.“ Immer rosa und nett, das ist nicht ihr Fall. Und so hat sie sich auch gegen alle anfängliche Skepsis dafür entschieden, die Nixe Rusalka in Berlin so zu spielen, wie sie der Regisseur Kornél Mundruczó wollte: als kafkaeskes Wesen mit Glatze, Tattoos und eingezwängt in einen dreieinhalb Meter langen Aalschwanz. „Eine tolle Erfahrung“, so Christiane Karg. „Ich bin in der Rolle über mich hinausgewachsen.“

Von ihrer Kollegin wollte Christiane Karg noch wissen, was ihr am meisten Spaß als Sängerin gemacht habe. Am meisten Freude bereitet, die größten und befriedigendsten künstlerischen Herausforderungen seien immer die Liederabende gewesen, sagte Brigitte Fassbaender und fragte mehr rhetorisch zurück: „Das ist doch für Sie ähnlich? Sie sind doch eine der großen Liedersängerinnen unserer Zeit.“


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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