Landrat Dr. Christian von Dobschütz in Neustadt vereidigt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.07.2024 20:57

Landrat Dr. Christian von Dobschütz in Neustadt vereidigt

Von seinem Diespecker Mitbürger Helmut Roch, dienstältestes Mitglied des Kreistages, wurde Dr. Christian von Dobschütz (links) gestern Nachmittag in seinem neuen Amt vereidigt. (Foto: Patrick Lauer)
Von seinem Diespecker Mitbürger Helmut Roch, dienstältestes Mitglied des Kreistages, wurde Dr. Christian von Dobschütz (links) gestern Nachmittag in seinem neuen Amt vereidigt. (Foto: Patrick Lauer)
Von seinem Diespecker Mitbürger Helmut Roch, dienstältestes Mitglied des Kreistages, wurde Dr. Christian von Dobschütz (links) gestern Nachmittag in seinem neuen Amt vereidigt. (Foto: Patrick Lauer)

Feuertaufe bestanden, Premiere geglückt: Neu-Landrat Dr. Christian von Dobschütz leitete am Montag Nachmittag ohne sichtbare Nervosität seine erste Kreistagssitzung. Bahnbrechende Entscheidungen waren nicht anberaumt, aber eines machte der Neue bereits in seiner kurzen Eröffnungsansprache deutlich: Er hat viel vor und er erwartet Unterstützung.

„Noch etwas unwirklich“ sei es für ihn, jetzt vor dem Gremium zu stehen und seine Vorstellungen für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zu präsentieren. Er baue in Zukunft „auf die Schwarmintelligenz in diesem Haus“, hoffe darauf, dass sich aus der Vielzahl der verschiedenen Parteien und Gruppierungen auch eine „Vielfalt und damit eine umfassende Sicht“ auf die Fragestellungen und Probleme ergebe, und dass man in der Lage sein werde, Kompromisse zu finden. „Politik ist nicht immer gleichbedeutend mit Streit“, so von Dobschütz, denn das hätten die Menschen gründlich satt.


Ich werde sie alle einbinden, wo immer es geht.

Dr. Christian von Dobschütz

All jenen, die die harte Auseinandersetzung bevorzugten, empfahl er einen Blick in die sozialen Medien – dort ließe sich leicht erkennen, welches Politikverständnis er ablehne. Er baue statt dessen auf ein „respektvolles Miteinander“ und er versprach: „Ich werde Sie alle einbinden, wo immer es geht.“ Kommunikation und Offenheit, das seien die Wertvorstellungen, an denen er sich messen lasse.

Mindestens eine Kreistagssitzung pro Quartal habe er sich vorgenommen, werde dort auch aus den Ausschüssen informieren, weil er der Überzeugung sei, dass das Gremium stets so gut wie möglich über alle Aspekte anstehender Entscheidungen unterrichtet sein solle. In einer Runde der Fraktionsvorsitzenden werde er sich regelmäßig austauschen, werde die Öffentlichkeitsarbeit via Landkreisjournal intensivieren, denn er sei sich sicher, dass „Frust oft auch aus Unwissenheit“ entstehe.

Dank für einen fairen Wahlkampf

Bevor von Dobschütz anschließend die Agenda für seine ersten Monate skizzierte, kam er noch einmal auf den zurückliegenden Wahlkampf zu sprechen. Er bedankte sich ausdrücklich bei Uwe Kekeritz (Grüne) und Dr. Birgit Kreß (Freie Wähler) für den fairen und „wertschätzenden“ Umgang miteinander – dieser Wettstreit um Wählerstimmen sei beispielgebend gewesen.

Anschließend wandte er sich direkt an die Markt Erlbacher Bürgermeisterin: „Liebe Birgit, du hättest es definitiv auch verdient, zu gewinnen.“ Obwohl es „zwischen uns ja am Ende sehr spannend war“, habe sie den Pfad der Fairness nie verlassen und er hoffe, in Zukunft weiterhin gut mit ihr zusammen arbeiten zu können. „Eine sehr große Anzahl von Menschen hat dir zugetraut, dass du diese Aufgabe übernehmen kannst“ – dies sei eine Anerkennung, auf die Kreß stolz sein dürfe.

Im Schnelldurchlauf erfolgte sodann ein erster Abriss über die ersten und drängendsten Fragen der kommenden Monate. Überraschungen blieben dabei aus – von Dobschütz machte deutlich, dass er Kontinuität durchaus schätzt, aber sehr wohl eigene Akzente setzen will. Die Förderung der Wirtschaft, mit den Mitteln, die dem Landkreis zur Verfügung stünden, werde ein wesentlich Ansatz sein, denn ohne funktionierende ökonomische Grundlage sei alles andere schwierig.


Die Rahmenbedingungen für die Kliniken sind herausfordernd.

Dr. Christian von Dobschütz

„Die Rahmenbedingungen für die Kliniken sind herausfordernd“, so von Dobschütz weiter und selbst wenn das Defizit in 2024 nicht ganz so hoch ausfallen werde wie gedacht (acht statt vermuteter elf Millionen Euro) sei man doch sehr abhängig von jener Krankenhausreform, die der Bund auf den Weg bringen will. Das Stipendienprogramm für junge Humanmediziner laufe weiterhin und trage erste Früchte, er hoffe dadurch auf positive Effekte für die landkreisweite Ausstattung mit Medizinern.

Bei der Unterbringung von Geflüchteten setze er weiter auf dezentrale Lösungen. Momentan habe man etwas Spielraum, da der Zustrom nachgelassen habe: 173 Geflüchtete seien dem Kreis seit März zugewiesen worden, 25 erwarte man noch im Juli. Er werde versuchen, den Kommunen so gut wie möglich entgegenzukommen, so von Dobschütz und nannte ausdrücklich Scheinfeld, Burghaslach und Dietersheim. Das dort geplante Containerdorf kann man eventuell „ein Stück weit kleiner denken“, doch seien hierzu noch etliche Gespräche notwendig.

Das Naturparkzentrum Steigerwald in Scheinfeld, der Energienutzungsplan und die Attraktivitätssteigerung des NEA Mobils – all das führte der Landrat als weitere heiße Eisen auf. Bei Letztgenanntem verbuchte er bereits einen ersten Erfolg im Laufe der Sitzung: Die bisher sechs Bedienzonen werden aufgehoben – das NEA Mobil darf in absehbarer Zeit von überall nach überall im Landkreis Passagiere befördern.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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