Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern umarmt Leif-Erik Holm am Sonntagabend Parteifreunde auf der AfD-Wahlparty in Schwerin. Gerade zeigen die ersten Prognosen, dass die AfD im Nordosten die Wahl gewonnen hat, wenn auch nicht ganz so deutlich wie zwei Wochen zuvor in Sachsen-Anhalt mit dem dortigen Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund.
Er sei kein Ulrich Siegmund - diesen Satz über Holm hört man auf der Party immer wieder von AfD-Vertretern. Für Holm stellten sich die Menschen im Wahlkampf nicht wie bei Siegmund für Fotos und Autogramme in langen Schlangen an. Als ehemaliger Radiomoderator weiß der 56-Jährige aber auch, wie man locker und gut gelaunt auftritt und mit Menschen ins Gespräch kommt.
Daumen hoch, hochgekrempeltes Hemd und ein Lächeln in die Kamera - so präsentierte er sich häufig. Zu Wahlkampfständen in seiner Heimatstadt Schwerin kam er mit Fahrrad und Kindersitz hinten drauf. Als bürgerliches Aushängeschild seiner Partei bezeichnete ihn jüngst der Rostocker Politikwissenschaftler Wolfgang Muno.
Der gelernte Elektriker und studierte Volkswirt ist vierfacher Vater. In Schwerin geboren, kam er während der Wendezeit zum Radio und arbeitete mehr als 20 Jahre als Moderator, zuletzt bei Antenne MV. Dabei erlangt er eine gewisse Bekanntheit. Bereits seit 2013 und damit seit der Anfangszeit der Partei ist er in der AfD. Ebenso lang ist er mit kurzer Unterbrechung Landessprecher der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Im Herbst 2016 zog er in den Schweriner Landtag ein und wechselte 2017 in den Bundestag.
Holm fordert wie andere AfD-Vertreter öffentlich eine restriktivere Migrationspolitik oder wirft dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk teils Desinformation vor. Im Ton tritt er aber mitunter gemäßigter auf als andere Parteikollegen. Wissenschaftler Muno sagte zuletzt: „Ich glaube, er ist ein Wolf im Schafspelz.“
Während Holm längere Zeit eine AfD-Alleinregierung in Schwerin als Ziel ausgegeben hatte, zeigte er sich zum Ende des Wahlkampfes offen für Koalitionsgespräche. Nach der Wahl kündigte er an, alle Parteien einzuladen. „Denn es geht ja hier nicht um uns oder irgendwen oder irgendwelche Parteien und Pfründe oder dieses oder jenes. Es geht darum, dass wir unser Land wieder auf Vordermann bringen.“
Koalitionsoptionen und damit ein Weg für Holm in die Staatskanzlei sind aber am Sonntagabend nicht in Sicht.
Lange führte die AfD im Wahlkampf deutlich, doch dann legte die SPD eine kräftige Aufholjagd hin. Während Parteivertreter Holm nach der Wahl einen fleißigen und guten Wahlkampf bescheinigten, deutete ein Landtagsabgeordneter auch Kritik an. Man müsse schauen, was man aus dem Wahlkampf lernen könne. Es müsse in Zukunft ja nicht dieselbe Person an der Spitze sein. Und wieder der Satz: er sei eben kein Siegmund.
Deutlicher war noch vor der Wahl Benedikt Kaiser, viel beachteter Vordenker im AfD-Umfeld, geworden. Er hatte auf der Plattform X geschrieben, Holm habe das Momentum von Sachsen-Anhalt gestoppt. „Das völlige inhaltliche, strategische und wahlkämpferische Versagen hat Rückwirkung auf die gesamte AfD.“ Muno beschrieb Holm schon als „Auslaufmodell“. Andere hätten mehr Einfluss, etwa Dario Seifert.
Der Kreisverband, aus dem Seifert stammt, ist nach eigenen Angaben der mitgliederstärkste Ostdeutschlands. In diesem Jahr übernahm der 32 Jahre alte Bundestagsabgeordnete den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs im Land.
Trotz Wahlkampfes musste man etwa auf der Facebook von Seifert kurz vor der Landtagswahl nach Holm suchen. Ganz anders sah es auf der Facebook-Seite des SPD-Generalsekretärs Julian Barlen aus, auf der Schwesig deutlich präsenter war. Seifert wies das von sich. Holm tauche vielfach in seinen nur zeitweise sichtbaren Beiträgen auf, sagte Seifert. Man habe viele Veranstaltungen zusammen gehabt.
Zusammen mit dem zweiten Co-Landessprecher Enrico Schult bestritt Holm als Teil einer Doppelspitze den Wahlkampf. Ursprünglich hatte sich der Landesvorstand mehrheitlich für Schult als Spitzen- und Ministerpräsidentenkandidaten ausgesprochen. Später verständigte er sich auf Holm als Anwärter auf die Schweriner Staatskanzlei.
Holm hatte auf einen Platz auf der AfD-Landesliste verzichtet. Er setzte stattdessen darauf, SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihr Schweriner Direktmandat abzunehmen. Sie warf Holm im Wahlkampf vor, sich den Rückweg nach Berlin offenzuhalten.
Könnte Schult nach der Wahl eine noch wichtigere Rolle in der AfD im Nordosten spielen? Er gilt als Bildungsexperte der AfD-Landtagsfraktion. Als Vorsitzender der Landesprogrammkommission war er maßgeblich für das Verfassen des Wahlprogramms zuständig. Im Kampf um Listenplatz 1 setzte er sich Anfang des Jahres bei einer Abstimmung gegen Nikolaus Kramer durch, den er Mitte Juni auch als Fraktionsvorsitzenden ablöste.
Über mögliche personelle Konsequenzen des Wahlausgangs zu reden, bezeichnete er bereits kurz vor der Wahl als „völlig aberwitzig“. Der 47-Jährige verwies schon vor der Wahl auf den absehbaren Zugewinn im Vergleich zur Landtagswahl 2021, als die AfD 16,7 Prozent erreichte. „Man muss sich ja anschauen, von wo wir kommen.“
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