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Nach der Ziegler-Pleite: Wie sich Engelhardt und Geißbauer freischwimmen will

So langsam legen sich die Staubwolken nach der Insolvenz der oberpfälzischen Ziegler-Gruppe, die auch in Westmittelfranken einiges aufgewirbelt hat. Die Holzhaus-Sparte rund um das Unternehmen Engelhardt und Geißbauer im Burgbernheimer Ortsteil Schwebheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) läuft nun wieder.

Anstrengende Wochen liegen hinter Stefan Bauereiß. Er ist Geschäftsführer mehrerer Betriebe des Unternehmenskonstrukts in Schwebheim und in Leutershausen (Landkreis Ansbach). Als solcher sieht er sich nun dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung ausgesetzt. Er hofft auf eine baldige Einstellung des Verfahrens, denn er will nun endlich den Blick wieder nach vorn richten und seiner Leidenschaft nachgehen: Holzhäuser bauen.

Sechs Unternehmen im Ziegler-Abwärtsstrudel

Wenn von Engelhardt und Geißbauer die Rede ist, sind eigentlich sechs Unternehmen gemeint, die alle vom Mutterkonzern, der Ziegler-Gruppe, mit in den Abwärtsstrudel gezogen worden sind. Engelhardt und Geißbauer erwirtschaftete Bauereiß zufolge im vergangenen Jahr 40 Millionen Euro Umsatz. Eine stolze Summe, doch im Vergleich zu 1,1 Milliarden der gesamten Ziegler-Gruppe doch eher ein kleineres Stück im Puzzle.

Seit 2019 gehörte das Unternehmen in dem kleinen Ort Schwebheim zur extrem schnell wachsenden Ziegler-Gruppe. Am 22. November 2024 meldete Ziegler im oberpfälzischen Plößberg Insolvenz an. Gut zwei Wochen später, am 6. Dezember, folgten die Betriebe in Westmittelfranken.

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Was mit dem Holzlager der Ziegler Group geschieht, ist jetzt klar. Der Betrieb geht weiter.  (Foto: Armin Weigel/dpa)
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Doch es dauerte nicht lange, bis ein weißer Ritter als Retter am Horizont auftauchte. An Weihnachten waren Josef Fürnkäs sen. und jun. erstmals zur Betriebsbesichtigung in Schwebheim. Die beiden kommen aus der Solarbranche, realisieren seit Jahren PV-Anlagen in unterschiedlichster Größe und haben noch andere Eisen im Feuer. Allen gemeinsam ist die Nachhaltigkeit als zentrales Thema. Für den Einstieg bei Engelhardt und Geißbauer haben sich Vater und Sohn Fürnkäs noch Unterstützer gesucht.

Auf der selben Wellenlänge

„Wir haben gleich gemerkt, dass wir auf der selben Wellenlänge sind“, sagt Bauereiß. Es habe etliche Interessenten gegeben, weil Engelhardt und Geißbauer und die angegliederten Firmen profitabel gelaufen seien. Doch bei den Interessenten aus Mitteleschenbach waren die Voraussetzungen am besten. Das sah auch der Gläubigerausschuss so. Auch die Investoren sind vollauf zufrieden. „Der Holzbau ist ein wachsender Markt“, ist Josef Fürnkäs jun. überzeugt von der Investition.

Stolz sind Bauereiß und Fürnkäs jun., dass es gelungen ist, rund 140 der vorher 170 Beschäftigten übernehmen zu können. Bauereiß rechnet für dieses Jahr mit einem etwas niedrigeren Umsatz als zuletzt. Wegen der geringeren Auslastung sei ein Stellenabbau unausweichlich gewesen. Am Ende waren es Bauereiß zufolge weniger als ein Dutzend Entlassungen. Der Rest hatte sich ohnehin neu orientiert oder ging in den Ruhestand.

Bauereiß ist zuversichtlich, dass die alte Personalstärke wieder erreicht wird, wenn der Betrieb wieder Fahrt aufgenommen hat.

70 bis 80 Einfamilienhäuser pro Jahr

70 bis 80 Einfamilienhäuser hat Engelhardt und Geißbauer in der Vergangenheit pro Jahr gebaut. Diese machten 50 Prozent des Umsatzes aus und sind damit das Hauptstandbein. Hinzu kommen kommen der Objektbau (beispielsweise Kindergärten, Schulen oder Verwaltungsgebäude) mit etwa 30 Prozent und der Bau von Elementen für andere Unternehmen. Die meisten Baustellen sind im nordbayerischen Raum zu finden. Was Engelhardt und Geißbauer von Fertighausunternehmen unterscheidet sind vor allem zwei Punkte: Der „ökologische und nachhaltige Anspruch“ sowie die Individualität der Häuser, sagt Bauereiß. Weil nicht mit Standardgrundrissen gearbeitet wird, ist der Vorfertigungsgrad im Betrieb zu Hause nicht ganz so hoch und die Logistik aufwendiger. Dafür ist es am Ende eben kein Haus von der Stange.

Warum sollte sich ein Kunde heute für ein Holzhaus entscheiden? „Man fühlt sich wesentlich wohler“, schwärmt Bauereiß. Das habe mit der Temperatur an der Innenwand zu tun, die im Holzhaus nie so kalt sei wie im Ziegelhaus. Außerdem gewinne man aufgrund der dünneren Wände bei gleicher Wärmedämmung bis zu 15 Prozent mehr Wohnfläche. Das sei ein Grund, weshalb auch für Wohnanlagen immer häufiger auf die Holzbauweise gesetzt wird.

Der Trend geht weiter zum Holzhaus

In den 90er-Jahren, als Engelhardt und Geißbauer gegründet wurde, lag der Anteil an Wohnbauprojekten bei gerade einmal einem Prozent, inzwischen wird in Bayern fast jedes vierte Wohnhaus aus Holz gebaut.

Die Zeichen stehen gut, dass Engelhardt und Geißbauer von diesem Trend profitieren kann. Trotz der vielen unschönen Schlagzeilen in den vergangenen Wochen gebe es etliche Häuslebauer, die dem Bauunternehmen aus Schwebheim vertrauen und einen entsprechenden Vertrag unterschrieben haben. 50 Bestellungen lägen bereits vor, hieß es von Insolvenzverwalter Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun bei der offiziellen Bekanntgabe der Übernahme.

Auch die Kunden des vergangenen Jahres hätten keine Einbußen durch die Insolvenz gehabt, betonen Böhm und Bauereiß. Denn anders als oft bei Bauprojekten üblich waren sie nicht in finanzielle Vorleistung gegangen, sondern hatten jeweils erst dann eine Rechnung bekommen, wenn ein Bauabschnitt abgeschlossen war.

Größeres Wohnprojekt in Ansbach auf der Liste

Parallel zum Wiederanlaufen des Einfamilienhausbaus sollen nun auch wieder größere Wohnprojekte realisiert werden. Ganz oben auf der Liste stehen die Marius-Höfe an der Ecke Marius- und Rügländer Straße in Ansbach auf dem Areal der ehemaligen Blumenhandlung Bohner. 30 Wohnungen sollen dort in zwei Gebäudeteilen entstehen.

Das Projekt sollte eigentlich schon längst laufen. Doch wegen der gestiegenen Zinsen verkauften sich die Wohnungen nicht so gut. „Der Markt springt wieder an“, ist Stefan Bauereiß überzeugt. Er kündigte an, dass noch in diesem Jahr Tiefgarage und Keller gebaut werden sollen. „Den Holzbau machen wir dann nächstes Jahr.“ Für weitere Projekte im Nachbarlandkreis Weißenburg-Gunzenhausen seien die Planungen angelaufen, kündigte Stefan Bauereiß optimistisch an.

Stefan Bauereiß (li.) und Josef Fürnkäs jun. – hier in der Produktionshalle in Schwebheim – setzen auf einen Neustart für Engelhardt und Geißbauer. Nachdem die Formalitäten nun allesamt erledigt sind, soll nun wieder der Bau von Holzhäusern im Mittelpunkt stehen. (Foto: Robert Maurer)
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Nach langem Stillstand, soll das Projekt Marius-Höfe in Ansbach in diesem Jahr wieder vorankommen. (Foto: Robert Maurer)
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