Die angekündigte Schließung der Kinderstation am Klinikum Ansbach und deren Auswirkungen auf die Geburtshilfe haben die Kreispolitik aufgeschreckt. In einer gemeinsamen Erklärung setzen Landrat Marco Meier und Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner auf eine Bereitschaftspraxis als Lösung.
Meier ist als Landrat Vorsitzender des ANregiomed-Verwaltungsrates, Deffner in dieser Funktion sein Stellvertreter. Auf die Entwicklungen bezüglich der Kinderstation Wald hatte dieses Gremium allerdings keinen Einfluss, da die Station vom Sozialunternehmen Diakoneo betrieben wird. Dieses hatte bekannt gegeben, dass die Station am Ansbacher Klinikum zum Jahresende geschlossen werden soll.
Die Geburtshilfe in Ansbach wiederum liegt in den Händen von ANregiomed, allerdings beschäftigt der Klinikverbund keine eigenen Kinderärztinnen und Kinderärzte. Scheiden die Kinderärzte von Diakoneo zum Jahresende aus, sind daher in Ansbach keine Frühgeburten mehr möglich. Für diese ist die dauerhafte Anwesenheit eines Kinderarztes oder einer Kinderärztin nämlich zwingende Voraussetzung. Sowohl Diakoneo als auch ANregiomed machten die einschneidenden Veränderungen auf der Kinderstation und für die Geburtshilfe erst auf Nachfrage der FLZ öffentlich und sorgten so bei zahlreichen Betroffenen für Unmut und Verunsicherung.
„Ein stationärer Betrieb ohne einen starken pädiatrischen Partner ist fachlich und personell in der heutigen Kliniklandschaft nicht sicher darstellbar“, machten Landrat Meier und Ansbachs OB Deffner in ihrer Erklärung deutlich. Man konzentriere nun die gesamte Kraft darauf, „die kinderärztliche Bereitschaftspraxis am Standort Ansbach zum Erfolg zu führen”. Eine solche Bereitschaftspraxis war als Alternative zur Kinderstation ins Spiel gebracht worden.
„Bestenfalls”, so Meier und Deffner, werde man „einen Kinderarzt finden, der sich in den Räumen des Klinikums Ansbach niederlässt. Dies würde sich positiv auf die Geburtsstation auswirken.” Ziel sei es, dass Eltern auch am Wochenende und abends eine kompetente Anlaufstelle direkt vor Ort haben. Die Herausforderungen in der Umsetzung seien allerdings groß. Dennoch verfolge man dieses Ziel mit Nachdruck und werde sich bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Bayern dafür einsetzen.
Die CSU-Kreistagsfraktion im Landkreis Ansbach schlägt dagegen einen anderen Lösungsansatz vor: Ihr Antrag sieht vor, dass die Verwaltung von ANregiomed gemeinsam mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium, den Krankenkassen sowie möglichen Kooperationskliniken prüfen soll, ob am Klinikum Ansbach eine telemedizinisch unterstützte pädiatrische Anlaufstelle eingerichtet werden kann. Das erklärte die CSU in einer Pressemitteilung.
Dabei sollen insbesondere folgende Punkte untersucht werden: eine telemedizinische Anbindung an Kinder- oder Universitätskliniken, die Möglichkeit rund um die Uhr verfügbarer kinderärztlicher Telekonsile, also digitaler Beratungen, eine Basisdiagnostik vor Ort sowie die kurzfristig medizinisch vertretbare Beobachtung von Kindern im Klinikum Ansbach. Ebenso soll geprüft werden, welche Förder- und Unterstützungsprogramme für ein solches Modell infrage kommen.
„Gerade für Familien im Landkreis Ansbach ist es entscheidend, im Akutfall nicht allein gelassen zu werden. Kinderkrankheiten treten oft plötzlich und mit großer Unsicherheit auf. Hier brauchen Eltern schnelle und verlässliche medizinische Einschätzungen – unabhängig von Tageszeit und Entfernung zur nächsten Kinderklinik“, betonte der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Horndasch, der zugleich Mitglied im Verwaltungsrat von ANregiomed ist. Zugleich macht die Fraktion deutlich, dass parallel weiterhin alle Möglichkeiten zur Erhaltung einer stationären kinderärztlichen Versorgung geprüft werden müssen.
Auch die Kreistags-Grünen äußerten sich in Form einer Pressemitteilung zu den aktuellen Entwicklungen. „Wir wissen, wie es ist, wenn im Notfall die eigenen Kinder auf der Kinderstation in Ansbach behandelt werden müssen. Dass Familien künftig womöglich keine verlässliche stationäre Kinderkrankenversorgung mehr vor Ort haben, ist ein massiver Einschnitt für die gesamte Region”, verdeutlichte Kreisrätin Sophia Göppel-Kraft. Familien im Landkreis müssten wissen, wie es weitergeht. Deshalb erwarte man, dass der Landrat seinem Versprechen nachkomme und mit Hochdruck an tragfähigen Lösungen für eine verlässliche Versorgung arbeite.
Kreisrat Harald Domscheit, der für die Grünen im ANregiomed-Verwaltungsrat sitzt, kritisierte, dass Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer sich zu wenig um das Thema gekümmert habe. In der Telemedizin sehen auch die Grünen großes Potenzial. Dafür müssten dann aber auch auf Ansbacher Seite die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden.