Nicht nur an der Tankstelle, auch etwa im Supermarkt müssen wir uns, so die übereinstimmende Prognose vieler Handels- und Wirtschaftsexperten, auf steigende Preise wegen des Iran-Kriegs einstellen.
Aber wie? Und was wird konkret teurer und was vielleicht? Antworten von Lisa Völkel, Referentin Team Lebensmittel im Verbraucherzentrale Bundesverband, und Judith Schyro, Projektmitarbeiterin Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Berlin:
Lisa Völkel: Direkt betroffen wären aktuell nur einzelne Produkte wie Pistazien oder Datteln, die aus der Region importiert werden und nicht aus anderen Regionen in nennenswertem Umfang bezogen werden können.
Judith Schyro: Die steigenden Energiekosten können sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken. Auch energieintensive Trocknungs- und Backprozesse werden dadurch teurer. Womöglich könnten Lebensmittel, die weniger oder gar nicht verarbeitet sind, weniger stark preislich ansteigen. Allerdings wird auch für konventionelle Düngemittel, Erntemaschinen und für den Transport von Lebensmitteln Erdöl benötigt, welches durch den Krieg in Nahost momentan stark im Preis angestiegen ist. Diese Kosten können dann Lebensmittel aus allen Lebensmittelgruppen betreffen und würden sich erneut auf die Endverbraucherpreise auswirken (wie auch schon 2022 während des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine).
Völkel: Wir empfehlen grundsätzlich immer Angebote und Lebensmittel zu vergleichen, um den individuell besten Preis zu finden. Eine plötzliche Erhöhung von Preisen von Lebensmitteln innerhalb weniger Tage aufgrund der Krise ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wahrscheinlich. Die Verbraucherzentrale beobachtet die Entwicklung der Preise jedoch aufmerksam.
Völkel: Zum aktuellen Zeitpunkt muss nicht davon ausgegangen werden, dass es zur Verknappung von einzelnen Lebensmitteln oder Warengruppen kommen wird. Es besteht keine Notwendigkeit aufgrund der aktuellen Lage sich zusätzlich zu bevorraten. Es kann ratsam sein, sich die Vorschläge des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe anzuschauen, die grundsätzlich dazu raten für einen Zeitraum von zehn Tagen haltbare Lebensmittel und Getränke zu Hause zu haben.
Schyro: Man sollte nur Produkte zu Hause vorrätig haben, die man auch selber gerne isst. Auch soll vermieden werden, dass eine große Menge an Lebensmitteln gekauft wird, die am Ende gar nicht gerne gegessen werden und gegebenenfalls im Müll landen.
Von „Hamsterkäufen“ wie während der Pandemie wird abgeraten. Damals wurden leere Supermarktregale nicht durch Lieferengpässe verursacht, sondern durch ebendiese Hamstereinkäufe. Dadurch wurde ein Mangel erzeugt, der gar nicht da war. Infolgedessen fehlten die Lebensmittel und Verbrauchsgüter anderen Verbraucherinnen, die dann vor leeren Supermarktregalen standen. Dadurch kann Panik entstehen und die Annahme, dass es nicht ausreichend Lebensmittel zur Verfügung gibt.
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