Neue Ausstellung „Wunden” in der Kunsthalle Hilsbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.04.2025 18:53

Neue Ausstellung „Wunden” in der Kunsthalle Hilsbach

Mit einer Vernissage nebst integrierter Lesung hat die Kunsthalle Hilsbach jetzt eine neue Ausstellung eröffnet. Eine Künstlerin und vier Künstler zeigen dort bis Ende April ihre Arbeiten.

Die fünf Kunstschaffenden leben und arbeiten in Berlin. Sie gehören zu einem Kollektiv, das eigentlich aus acht Mitgliedern besteht. Anfang 2024 ist die Idee zu diesem Projekt, wie sie ihre Ausstellung mit dem Titel „Wunden“ nennen, entstanden. Die Werkschau soll an verschiedenen Orten gezeigt werden – und dass sie in Hilsbach den Anfang macht, liegt daran, dass Kuno Ebert, der ebenfalls zu der Gruppe gehört, hier einen wunderbaren Ausstellungsraum hat.

Zahlreiche Kunstinteressierte fanden sich zur Vernissage ein. Die Ausstellung mit dem beziehungsreichen Titel zeichnet einen Weg der Verarbeitung jüngster einschneidender Ereignisse nach. Im Vordergrund steht die Zeit der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges mit all den gesellschaftlichen Verwerfungen, die sich dadurch ergeben haben.

Es gibt mehr Verbindendes

Mit ihrer Kunst suchen sich Jana Schröder, Kuno Matthias Ebert, Matthias Fitz, Thomas Weidner und Berthold Bock diesem Thema auf höchst unterschiedliche Weise anzunähern. „Bedeutende Themen haben sich in den vergangenen Jahren manifestiert. Kontroverse Haltungen kamen zum Ausdruck. Viele Positionen sind soweit auseinandergedriftet, dass man den Anderen nicht mehr hören, sehen und spüren kann“, heißt es im Begleittext, aber auch: „Es gibt mehr, was uns Menschen verbindet, als das uns trennt.“

Die richtigen Fragen zu stellen, sei ein Mittel, die Gesellschaft wieder miteinander in den Dialog zu bringen, davon ist Jana Schröder überzeugt. Sie hat viel mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, denn die frühere Lehrerin arbeitet als Therapeutin. Ihre Malerei hilft ihr dabei, Erlebtes zu verarbeiten, ebenso wie das Schreiben.

„Gegen das Vergessen – die Aufzeichnungen des Archivars Julius Schrötz“, ist ihre Kurzgeschichte betitelt, die sie im Rahmen der Vernissage vorgetragen hat. Darin geht es um einen Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschehnisse in dem Ort Smerdistan aufzuzeichnen.

Bis zum 26. April sind die Werke zu sehen

Merkwürdige Dinge ereignen sich. Die Menschen verändern sich, scheinen vieles nicht mehr wahrzunehmen, vieles zu vergessen, sich voneinander zu entfremden. Manche fallen auf den Straßen einfach tot um. Auch im privaten Bereich mit seiner Frau Mathilde gibt es neuerdings Reibereien. Ungeduld, Missverständnisse, Kleinlichkeiten kennzeichnen ihren gemeinsamen Alltag. Es kommt immer häufiger zum Streit.

Was zunächst einzig aus der Perspektive des Chronisten Julius Schrötz geschildert scheint, bekommt bald einen weiteren Blickwinkel durch die Reaktionen von Mathilde, die ihrerseits das Gefühl hat, ihr Mann habe sich verändert. An dieser Stelle verwischen sich die Positionen innerhalb der Erzählung. Es ist nicht mehr eindeutig festzustellen, wer hier eigentlich die Realität objektiv wahrnimmt. Ein Thema, das auch in der Ausstellung seinen Widerhall findet.

Die Werkschau in der Kunsthalle in Aurachs Ortsteil Hilsbach geht bis zum 26. April. Geöffnet ist sie am 13., 20. und 26. April von 14 bis 18 Uhr.

Bei der Vernissage zur Gemeinschaftsausstellung in der Kunsthalle in Hilsbach (von links): Matthias Fitz, Thomas Weidner, Jana Schroder, Berthold Bock und Kuno Matthias Ebert. (Foto: Martina Kramer)
Bei der Vernissage zur Gemeinschaftsausstellung in der Kunsthalle in Hilsbach (von links): Matthias Fitz, Thomas Weidner, Jana Schroder, Berthold Bock und Kuno Matthias Ebert. (Foto: Martina Kramer)
Bei der Vernissage zur Gemeinschaftsausstellung in der Kunsthalle in Hilsbach (von links): Matthias Fitz, Thomas Weidner, Jana Schroder, Berthold Bock und Kuno Matthias Ebert. (Foto: Martina Kramer)

Von Martina Kramer
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