Eine nadelige Überraschung hat es jetzt für den Gemeinderat Neuendettelsau gegeben. Die Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) hat vor der Sitzung des Gremiums kleine Weihnachtsbäumchen verteilt. Damit sollte an die im März beantragte Baumschutzverordnung erinnert werden.
Der BN sieht in der Baumschutzverordnung ein wertvolles Instrument, um mit den Bürgern in den Dialog zu kommen und den Wert von Bäumen im Hinblick auf die sich rapide verändernden klimatischen Bedingungen klar beziffern zu können, wie es vonseiten der Neuendettelsauer Ortsgruppe heißt. Den Verantwortlichen ist eine nachhaltige Sicht auf die städteplanerischen Belange der Gemeinde wichtig. „Die ökologische Seite darf neben den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Komponenten keinesfalls vernachlässigt werden.“
Die Ressource „Baum sei ein Gut, dessen Wert durch Entscheidungen des Gemeinde geschützt werden sollte“, macht der BN deutlich. Dies gelte in der aktuellen Zeit umso mehr. Denn auf der einen Seite stehen die sich schnell ändernden klimatischen Bedingungen. Auf der anderen Seite dagegen stehen der knappe Wohnraum, Nachverdichtungen und die Erschließung von neuen Quartieren.
„Durch eine gesunde Natur steigt die Lebenszufriedenheit der Bevölkerung“, so der BN weiter. „Ihre Bedeutung für Biodiversität, Luftqualität und Klimaschutz sind genauso offensichtlich, wie die positiven Wirkungen für die physische und psychische Gesundheit der Bürger.“ Der BN spricht sich deshalb dafür aus, der Stadtnatur, die zu einer lebenswerten Gemeinde beiträgt, einen besonderen Stellenwert zuzugestehen und den Bürgern das Bewusstsein für den Wert der Bäume zu vermitteln, indem der Dialog mit der Gemeinde notwendig wird, um diese zu fällen.
Bürgermeister Christoph Schmoll steht einer Baumschutzverordnung grundsätzlich offen gegenüber, wie er auf FLZ-Nachfrage sagt. Verwaltung und Gemeinderat haben über die Einführung einer solchen Verordnung auch schon beraten, aber sie noch nicht beschlossen. Man sei zu dem Schluss gelangt, dass die Informationen zu dünn waren, erklärt Schmoll.
„Es gibt nicht die Baumschutzverordnung“, macht er deutlich. Es gibt nach seinen Worten verschiedene Wege, eine solche Satzung auszugestalten. Zum Beispiel geht es auch um die Frage, welche Bäume durch eine solche Entscheidung besonders geschützt werden. „Für besonders schützenswerte und ortsbildprägende Bäume finde ich es gut“, betont der Bürgermeister.
Und solche gebe es in Neuendettelsau definitiv. Wenn aber quasi jeder Apfelbaum in einer solcher Verordnung enthalten ist, sieht die Sache für den Rathauschef etwas anders aus. Das sorgt nach seinen Worten für einen hohen Aufwand für die Verwaltung und kann in der Praxis gar nicht kontrolliert werden.
Die Verwaltung will zudem prüfen, ob nicht andere Maßnahmen anwendbar wären, um das gleiche Ziel zu erreichen. Schmoll spricht von Freiwilligkeit statt Druck. Er nennt das Beispiel der Stadt Gießen, die mit Baumpatenschaften zwischen Kommune und Bürgern arbeitet.