In Lehrberg lockt ein neuer Wanderweg zu einer Tour durch Wald und Wiesen. Er heißt „Rote Waldameise” und öffnet am Ende den Blick übers Rezattal.
„Das ist einer der schönsten Hänge, die wir hier im Landkreis Ansbach haben”, sagt Claus Schöppler. „Bei klarem Wetter kann man bis zum Hesselberg schauen. Das ist faszinierend.” Wer im Auto oder Zug durchs Rezattal an Lehrberg vorbeifährt, ahnt nicht, dass es hinter dem Ort steil nach oben geht. Dort steht die Ruine einer 1430 erbauten Bergkapelle. „Von ihr aus sieht man den Hesselberg nicht, aber vom höchsten Punkt dahinter”, verrät Claus Schöppler.
Der 59-Jährige kennt hier jeden Meter und hat lange an der neuen Route getüftelt. „Einen guten Wanderweg macht die Mischung aus. Hier haben wir Waldflächen, Lichtungen, Waldränder, Bäche, Weiher und Aussichten”, beschreibt er sein Konzept. Viel Aufwand war die Arbeit an der „Roten Waldameise” für ihn nicht. „Ich bin sowieso immer draußen.” Sein Schatz an erlaufenen Erfahrungen ist groß. „Ich kenne im Umkreis von 50 Kilometern fast alle Wanderwege.”
Claus Schöppler bildet mit Heidi Wilhelm das Team der Lehrberger Wanderwarte. Ihre Arbeit läuft ehrenamtlich, wie bei allen rund 60 Wanderwarten im Naturpark Frankenhöhe. Sie überprüfen Wege und Beschilderungen, schlagen Verbesserungen vor und achten auf alles, was das Laufen angenehm und sicher macht. Rangerin Fredegart Blaschke und ihre Kollegen halten zu ihnen engen Kontakt.
„Wir Ranger unterstützen die Gemeinden, digitalisieren die Wege, führen Schulungen durch und organisieren jährlich ein Treffen aller Wanderwarte”, erklärt sie. „Für ihre Arbeit sind wir sehr dankbar.” Das Netz an Naturpark-Wanderwegen ist inzwischen auf 1500 Kilometer gewachsen. Am längsten ist der 97 Kilometer lange Europäische Wasserscheideweg von Ansbach über Burgbernheim nach Schnelldorf.
Jetzt sind es sieben Kilometer mehr. Lehrbergs Bürgermeisterin Renate Hans freut sich doppelt, denn sie ist auch Vorsitzende des Vereins, der den Naturpark trägt. „Die Wanderwege sind ein ganz wichtiger Bestandteil. Sie sind eine gute Gelegenheit, uns bewusst machen, in welcher schönen Landschaft wir leben. Wir fahren in alle Ecken der Welt und vergessen oft, was wir Tolles vor der Haustür haben.”
Attraktiv ist das Angebot nicht nur für die Naherholung, sondern auch für den Fremdenverkehr. „Wir bekommen für unsere Wege oft überörtlichen Zuspruch von Leuten, die gezielt in die Region kommen und wie viele Einheimische zu Fans des Naturparks werden”, sagt Renate Hans. Für die Präsentation der Informationen, ob digital oder auf Papier, sorgt der Tourismusverband Romantisches Franken.
Wer auf dem Parkplatz nahe des Sportplatzes gestartet und den Schildern „Rote Waldameise” über die Charlottenquelle und die Weiher vor Brünst gefolgt ist, schwenkt am Ende auf den Hang über dem Ort ein. Zwischen Obstbäumen taucht der Turm von St. Margaretha auf, bevor es zur Ruine der „Lehrberger Kappl” geht.
Sitzbänke und großzügige Spielflächen für Kinder laden zur Rast mit Aussicht ein. Sie ist für Claus Schöppler auch an den Tagen, an denen das Wetter den Blick zum rund 35 Kilometer weiten Hesselberg nicht erlaubt, ein würdiger Abschluss der Runde. „Man kann weit ins Rezattal schauen. Die Züge sehen aus wie bei einer Modelleisenbahn.” Bei der Route hatte er auch die kleinen Wanderer im Sinn. „Ich glaube nicht, dass es Kindern langweilig wird. Der Pfad zieht einfach.”