Der Anfang ist gemacht. Nach viel Vorarbeit geht es am Klosterchor in Bad Windsheim nun endlich mit der Instandsetzung los. Doch bevor tatsächlich die Bauarbeiter anrücken können, schaut ein Archäologe genauer hin. Die Verantwortlichen hoffen, dass der Zeitplan eingehalten werden kann und das Denkmal Ende 2026 in neuem Glanz erstrahlt.
Wolfgang Steeger kennt von Bad Windsheim ganz spezielle Seiten. Er war unter anderem an den Ausgrabungen bei der Spitalkirche von Bad Windsheim im Jahr 2000 beteiligt, genauso wie an der auf dem Marktplatz, von der noch heute die archäologischen Fenster erzählen. Dass er den Auftrag für die archäologischen Arbeiten beim Klosterchor bekommen hat, war für ihn eine große Freude. „Man will ja seine Kinder nicht verlassen. Mich interessiert sehr, was es für Ergebnisse geben wird“, sagt Steeger.
Seit Montag ist der Archäologe vor Ort. Etwa drei Wochen wird er bleiben. Während dieser Zeit wird er sich die Bereiche anschauen, in denen später die Sicherungspfeiler versenkt werden. Sie sollen das Gebäude während der Instandsetzung stützen. Doch damit Steeger überhaupt schauen kann, was im Boden ist, braucht er Unterstützung. Die bekommt er von den Bad Windsheimer Stadtbetrieben, konkret von den beiden Mitarbeitern Frank Friedrich und Rudolf Thürauf. Sie baggern und schaufeln und achten darauf, was sie dabei so alles ans Tageslicht befördern. Sobald das etwas anderes als Erde und Wurzeln ist, wird Steeger informiert.
Der weicht ihnen aber ohnehin kaum von der Seite. Geplant ist, einen Meter tief in den Boden zu blicken. Steeger schaut aber immer wieder auch in die Höhe. „Die Steinsubstanz des Gebäudes ist in einem jämmerlichen Zustand“, sagt er. Doch noch heute würde man sehen, dass an dem Gebäude einst Steinmetze tätig gewesen seien, die ihr Handwerk beherrschten. „Der Klosterchor war mal ein repräsentatives Gebäude.“
Dass dieses nun endlich saniert und für die Nachwelt erhalten wird, freut besonders Sabine Detsch. Die Vorsitzende des Fördervereins Klosterchor und historische Stadtbibliothek Bad Windsheim , ist unendlich froh, „dass es nun endlich losgeht“. Es sei höchste Zeit gewesen. Was genau sie damit meint,, zeigt ein Blick in einen der Keller. Dort hängt die Decke wie ein nasser Sack. Detsch steht darunter und hat ein extrem mulmiges Gefühl.
Der Archäologe Steeger indes hält den Bauscheinwerfer erst in die eine, dann in die andere Ecke. Und bleibt am Regal mit den Einmachgläsern aus dem Anfang der 2000er Jahren hängen. Darin dümpeln Früchte, in den Marmeladengläsern hat sich Schimmel gebildet. Als Steeger schließlich wieder im Tageslicht steht, ist seine dunkle Mütze voller weißer Partikel. Sein Kopf war wohl zu nah an der Kellerdecke, deren Substanz sich ganz offensichtlich auflöst.
In der Zwischenzeit sind Thürauf und Friedrich fündig geworden. Neben Plastikrohren und vielen Einwegfeuerzeugen, haben sie zwei Fliesen gefunden, eine dunkle, eine helle. Steeger dreht und wendet sie und hält die beiden Stücke passgenau aneinander. „Das ist vermutlich Industrieware aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.“ Für den Archäologen ist das kein allzu spektakulärer Fund. Er hofft auf mehr. Doch ob und falls ja, was noch zutage befördert werde, sei abzuwarten.
In der Zwischenzeit kann viel spekuliert werden. Dass das Interesse der Bürger an den Arbeiten am Klosterchor groß ist, hat Steeger bereits nach kurzer Zeit gemerkt. Immer wieder schaut jemand vorbei, fragt nach. Der Archäologe erklärt dann gerne. Doch auch sein Zeitplan ist straff, und er muss mit seiner Arbeit vorwärts kommen.
Im nächsten Jahr wird Steeger auf jeden Fall noch einmal nach Bad Windsheim zurück kommen. Dann nämlich soll der Strebepfeiler frei gelegt werden, der momentan noch verborgen ist. Er liegt quasi im Innern des Gebäudes an der Husarengasse 1, das einst direkt an den Klosterchor angebaut worden war. Dort ist im Innern auch ein weiterer Kellerabgang zu sehen. Er wurde in einen der Räume integriert. Detsch fiebert schon dem Moment entgegen, in dem man endlich wieder einen freien Blick auf diesen Teil des Klosterchores haben wird. „Das ist architektonisch ganz wertvoll.“