Neujahrskonzert in der NeuStadtHalle: Die Klangmagie des Kammerorchesters | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 14.01.2025 18:37

Neujahrskonzert in der NeuStadtHalle: Die Klangmagie des Kammerorchesters

Sopranistin Erika Baikoff begeisterte mit einem souveränen Auftritt und emotionaler Tiefe – ein Höhepunkt des Konzertabends in der NeuStadtHalle. (Foto: Rüdiger Pfeiffer)
Sopranistin Erika Baikoff begeisterte mit einem souveränen Auftritt und emotionaler Tiefe – ein Höhepunkt des Konzertabends in der NeuStadtHalle. (Foto: Rüdiger Pfeiffer)
Sopranistin Erika Baikoff begeisterte mit einem souveränen Auftritt und emotionaler Tiefe – ein Höhepunkt des Konzertabends in der NeuStadtHalle. (Foto: Rüdiger Pfeiffer)

Es war spannend vom ersten Akkord an, der an diesem Konzertabend erklang. Im Verlauf dann sollten die zahlreich erschienenen Zuhörer neben einem klassischen Repertoire mit teils unbekannten Werken des frühen 20. Jahrhunderts überrascht werden.

Dabei wartete der Dirigent Sebastian Tewinkel, dessen Vita durch Zusammenarbeit mit namhaften Orchestern geprägt ist, mit einem exzellent vorbereiteten Ensemble auf: dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau.

Edward Elgars Serenade in e-Moll wurde zu einem Hörerlebnis

Unter seiner Stabführung brillierten die Musiker in den Tutti-Stellen mit Glanz und Schwung, mischten auch hier und da eine Spur von Ironie bei. Gleichzeitig zeigte Tewinkel alle Schattierungen. Kraftvoll hob er markante Passagen, auch rhythmische Akzente, hervor, forderte aber auch die Musiker (mit minimalen dirigentischen Bewegungen!) zu spontanem Piano heraus.

Edward Elgars Serenade in e-Moll wurde so zu einem Hörerlebnis, changierend zwischen Kontrasten, wie imaginiertem „Trommeln“ auf den Geigen und weichen Pizzicati in den Celli. Die Sängerin Erika Baikoff war kurzfristig für die erkrankte Sopranistin Berit Norbakken eingesprungen. Umso erstaunlicher, mit welcher Souveränität sie den Zyklus von Benjamin Britten „Les Illuminations“ darbot. Herrlich entfaltete sich ihre große Stimme innerhalb einer Bandbreite von lyrischem Timbre und Dramatik; spürbar berührt war das Publikum von der Differenziertheit, mit der sie die Klangfarben des Zyklus auslotete.

Dabei forderten die Texte von Rimbaud, der sich bewusst von der Romantik abgegrenzt hatte, ein persönliches Einlassen auf die jeweiligen mystischen Inhalte. Den Schluss von „Départ“ („Abreise“), der mit den Worten „Assez vu…“, „assez eu…“ („Genug gesehen….“, „genug gehabt…“) beginnt, ließ Baikoff wie in einem Hauch verklingen, subtil getragen vom Orchester. Das Ensemble verklang buchstäblich im Nichts.

Der zweite Teil des Konzerts galt Mozart

Der zweite Teil des Konzerts war Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet. Hier ließ sich Baikoff noch einmal hören. Mit scheinbarer Mühelosigkeit und Bravour meisterte sie den großen Stimmumfang und die Koloratur-Passagen in Rezitativ und Arie „Ah, lo previdi“, klangschön assistiert von der Oboe. Die gleich anschließende Zugabe aus „Exultate, jubilate“ ließ die Leuchtkraft ihres Soprans noch einmal in Erscheinung treten.

In der A-Dur-Sinfonie KV 201 bot das Orchester – erweitert von Hörnern und Oboen – noch einmal ein Klangerlebnis vom Feinsten: neben den Hauptthemen wurden die Zuhörer plötzlich auf Begleitstimmen aufmerksam. Schlank abphrasierte Melodik, durchsichtiges Pianissimo und ausgefeilte Technik in den schnellen Passagen machten noch einmal die Qualität der Darbietenden deutlich.

Unerwartet der Schluss: Alle Instrumentalisten taten sich zum vierstimmigen „Irischen Segenslied“ zusammen und entließen das Publikum meditativ in den Abend.

Dankenswert auch, dass sich gegen Ende so manche Hustenanfälle zurückgezogen hatten, die zu Beginn des Konzerts offenbar unvermeidbar gewesen waren.


Von Renate Palder
north