Oberfeldbrecht: Niklas Pfeiffer belebt die Hausschlachtung neu | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.02.2023 14:29

Oberfeldbrecht: Niklas Pfeiffer belebt die Hausschlachtung neu

Zusammen am Werk: Günther Kapusta, Niklas Pfeiffer, Daniel Kaufmann und Georg Gansser waren in Oberfeldbrecht zusammen aktiv. (Foto: Luca Loos)
Zusammen am Werk: Günther Kapusta, Niklas Pfeiffer, Daniel Kaufmann und Georg Gansser waren in Oberfeldbrecht zusammen aktiv. (Foto: Luca Loos)
Zusammen am Werk: Günther Kapusta, Niklas Pfeiffer, Daniel Kaufmann und Georg Gansser waren in Oberfeldbrecht zusammen aktiv. (Foto: Luca Loos)

Niklas Pfeiffer liebt seinen Beruf. Das merkt man dem 20-Jährigen an, wenn er davon erzählt – geradezu begeistert. Er absolvierte eine Lehre in einem Metier, in dem Nachwuchs händeringend gesucht wird – oft ohne Erfolg. Kaum hatte er die Ausbildung zum Fleischer als Kammersieger abgeschlossen, ging es schon mit der Meisterschule weiter.

In dreieinhalb Monaten will er diese in Vollzeit in Augsburg absolvieren, Mitte April sind die Prüfungen. Bis dahin ist viel Disziplin und Lerneifer erforderlich. Für den jungen Mann aus Hirschneuses (Gemeinde Neuhof/Zenn) kein Problem. Der Entschluss, Metzger zu werden, reifte nicht, weil die Familie einen eigenen Betrieb besitzt.

Der Gedanke nahm vielmehr nach und nach Gestalt an. So half er beispielsweise regelmäßig beim Abfischen von Karpfenweihern und verfolgte, wie die Fische im Gasthaus geschlachtet wurden. Da helfende Hände immer willkommen sind, unterstützte Niklas Pfeiffer das Team mit der Zeit tatkräftig. Er war zudem schon als Schüler dabei, wenn für das Wirtshaus Schweine geschlachtet wurden.

So viel wie möglich vom Tier verarbeiten

„Ich habe dann in den Ferien ein Praktikum in einem Betrieb gemacht. Zu sehen, was man alles mit Fleisch machen kann, hat mir gefallen.“ Wichtig sei aber stets, dass die Tiere nicht leiden und man so viel wie möglich von ihnen verwendet – „am besten das ganze Tier“, betont der 20-Jährige, der die Realschule in Heilsbronn besuchte. Er lernte viel in der Ausbildung, wurde zum Experten für Wurst- und Fleischwaren, weiß nun, wie man hochwertige Produkte zu traditionellen, aber auch innovativen Spezialitäten verarbeitet.

Bestandteil der Ausbildung war auch zu lernen, wie man schlachtet. Zumeist waren es Rinder und Schweine, Kälber und Schafe seltener. „Man lernt, wie man das komplette Tier zerlegt und zuschneidet.“ So wird alles für die Weiterverarbeitung oder den Verkauf vorbereitet. Sorgfalt und handwerkliches Geschick sind wichtig.

„Schlachten und zerlegen sind mein Ding“, betont Niklas Pfeiffer. Ständig in einem Schlachthof zu arbeiten, würde ihm jedoch nicht gefallen. Als er dort eine Woche zum Schnuppern war, fand er es zwar sehr interessant. „Aber nicht für immer. Du machst da immer dasselbe.“

In die Wurst kommt nur, was hineingehört

Dies kann man jedoch nicht gerade behaupten, wenn der angehende Fleischermeister Anfang März wieder mit der Dorfgemeinschaft in Oberfeldbrecht (Landkreis Neustadt/Aich-Bad Windsheim) ein Schwein schlachtet. Hausschlachtungen wie anno dazumal werden wieder beliebter. Die Leute bekommen so mit, wie Wurst hergestellt wird, können den Weg vom lebenden zum geschlachteten Tier verfolgen.

Dies begrüßt auch Neuhofs Bürgermeisterin Claudia Wust, die sich über das Wiederaufleben der Hausschlachtungen wie in Oberfeldbrecht freut. „Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wo die Wurst herkommt.“ Vereine und Freundeskreise machen längst von dieser Möglichkeit Gebrauch. Sie können zudem verfolgen, dass in die Wurst wirklich nur das kommt, was hineinkommen soll.

Zudem helfen alle mit. In Oberfeldbrecht wurde dafür das rund 50 Jahre alte Schlachthaus reaktiviert. Ein Bekannter aus der Berufsschule hatte Niklas Pfeiffer darauf gebracht, dort wieder zu schlachten. Auch hier wird auf das Tierwohl geachtet.

So entsteht die Bratwurst

Einen Tag vor dem Schlachten wird das Schwein nach Oberfeldbrecht gebracht und bleibt über Nacht im Hänger. „So hat es keinen Stress.“ Wenn der Fleischbeschauer grünes Licht gegeben hat, geht es mit dem Zerlegen des Tieres los. Ist das Fleisch fürs Gehäck zusammen, wird erst mal gegessen.

Dann geht es mit dem Herstellen der Bratwürste weiter. Bei diesen und der Leberwurst werden die Gewürze abgewogen, verrät Pfeiffer – „sonst geht das nach Gefühl“. Kräftig unterstützt wird er vom Altgesellen Günther Kapusta, von dessen Erfahrung der 20-Jährige beim Hausschlachten stark profitiert. „Mit dabei sind zudem Daniel Kaufmann und mein Metzgerkumpel Georg Gansser.”

Auf die Frage, was er am liebsten isst, muss der 20-Jährige nicht lange überlegen. „Es gibt nichts, was mir nicht schmeckt.“ Dazu gehört auch der Rollbraten, den er als Gesellenstück kreierte. Gefüllt wurde er mit Speckseiten, Lauch und Karotten. Dies war nur ein Teil der Gesellenprüfung. Schlachten, Zerlegen, Wursten und das Herstellen fränkischer Bratwurst gehörten unter anderem dazu.

Wenn er die Meisterprüfung hinter sich hat, plant er, zwei Wochen daheim zu bleiben, abzuschalten und danach weiter viel dazu zu lernen. Offen für Neues zu sein. lautet seine Devise. „Durch den Meisterbrief steht mir vieles offen.“ Wenn die Prüfungen gelaufen sind, gibt es erst einmal eine tolle Feier, danach geht es ins Tattoo-Studio. Der Skelettarm, der von zwei Rosen geziert wird, soll nicht allein auf dem rechten Unterarm bleiben. Niklas Pfeiffer möchte sich noch das Zunftwappen der Metzger, bestehend aus dem Ochsenkopf und zwei Äxten, stechen lassen. „Danach geht es weiter“, sagt er. „Nicht nur beruflich, auch mit dem Tätowieren“, merkt er schmunzelnd an.

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