Oberstufe als grüne Denkfabrik: Schüler zum Thema Nachhaltigkeit | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 10.02.2024 16:00

Oberstufe als grüne Denkfabrik: Schüler zum Thema Nachhaltigkeit

Ernst genommen werden, sich einbringen, selbstständig arbeiten: Das wünschen sich viele junge Menschen. Elftklässler am Ansbacher Platen-Gymnasium hatten bei der ersten Wissenschaftswoche dazu nun eine besondere Gelegenheit – inklusive Universitätsbesuch oder einer Diskussion mit dem renommiertesten Wachstumskritiker deutscher Sprache. Es ging um Nachhaltigkeit.

„Eine subjektive Bereicherung kann in einer aufgeklärten Gesellschaft kein Argument für ökologischen Vandalismus sein.“ Rhetorische Hämmer – hier etwa gegen das Fliegen und SUVs – schwang Professor Dr. Niko Paech zum Auftakt der Wissenschaftswoche vor den 120 Schülerinnen und Schülern in der Pausenhalle.

Die Verteilungsfrage zwischen acht Milliarden Menschen

Es ging um „die epochale Verteilungsfrage zwischen acht Milliarden Menschen“. Wie viel CO2 darf ich ausstoßen? Und wie kommen wir auf diese eine Tonne pro Jahr herunter, wenn wir gerade noch bei zwölf pro Kopf sind? Paechs Antwort heruntergebrochen: „Grünes“ Wachstum funktioniert nicht, die Wirtschaft der großen Industrieländer muss schrumpfen, Menschen müssen lernen, ihre technischen Geräte selbst zu reparieren, sich Autos zu teilen und auf weniger Wohnraum zu leben. Sonst vernichtet die Menschheit ihre Lebensgrundlagen.

Ein viel diskutierter Wachstumskritiker

Niko Paech lehrt und forscht als außerplanmäßiger Professor an der Universität Siegen. Er hat als viel diskutierter Wachstumskritiker den Begriff der „Postwachstumsökonomie“ geprägt. Die großen Medienhäuser zitieren und streiten mit ihm, er ist Gast in Talkshows – und er hat den weiten Weg auf sich genommen, um am Ansbacher Platen zu sprechen. Und zu debattieren.

Das könnte Sie auch interessieren
Grund- und Mittelschule Schillingsfürst: Lesung für die FantasieLeidenschaft fürs Vorlesen: Ansbacher Schüler hat am Landesentscheid teilgenommenCarolinum Ansbach: Immer der Nase nach – Hundetraining zwischen KlassenzimmernUnterstützung für Waisenkinder in Kenia: Verein Havilah Hope setzt Engagement fortEthische Wegweiser an Feuchtwanger und Dinkelsbühler SchulenGrund- und Mittelschule Bechhofen setzt auf Kunst statt DornröschenschlafDietrich-Bonhoeffer-Realschule in Neustadt beschäftigt sich mit dem WasserEin „historischer Haushalt” für WettringenAltes Schulhaus erwacht zu neuem Leben: Event-Café in Vorderbreitenthann öffnetEinbruch in die Weinbergschule in Ansbach geklärt: Polizei überführt zwei KinderBrand in Bad Windsheimer Grundschule: Mülleimer fängt Feuer„Wir sind groß am Bauen”: Schuldenstand steigt in Petersaurach weiter anVom Überleben im Holocaust in Arberg: Buch über Charlotte Knobloch veröffentlichtTipps von OB Deffner: Schülerinnen und Schüler aus Kroatien besuchen AnsbachCoolrider-Ausbildung: Ansbacher Schülerinnen und Schüler sorgen für Sicherheit

Debatte mit dem prominenten Gast

Der Geschichtslehrer Dr. Benedikt Dorbath etwa stellte in Frage, ob Paechs Ansichten nicht zu viel Widerstand in der Bevölkerung auslösten. Eine Schülerin debattierte mit dem Ökonom, ob sich eine schrumpfende Wirtschaft negativ auf die Gesundheitsversorgung auswirke. Andere Schüler wirkten anerkennend, angeregt von einem Mann, der auch einmal Lösungsansätze liefert, statt nur die Angst vor dem Untergang zu nähren.

Der Impulsvortrag war der Start der ersten Wissenschaftswoche am Platen-Gymnasium. Sie ist seit der erneuten Reform des Gymnasiums in Bayern ein verpflichtender Teil des Lehrplans der Oberstufe.

Seminare zu -ismen und Stadtplanung

„Ich hab’ den Eindruck, wir machen das ganz gut“, zieht Kunstlehrer Siegfried Kirchhoff Bilanz. Ihm imponiert die Woche als eine „selbstverantwortliche, freiere Art des Arbeitens“. Er leitete eine der Projektgruppen, die die Schüler aus verschiedenen Fächern wählen konnten. Das Kunstthema lautete „Stadtplanung der Zukunft“. Dafür hatte Kirchhoff den Schülern Material aus dem Bauministerium besorgt.

Oberthema der Woche am Platen war „Nachhaltigkeit und Resilienz“. Im Fach Politik und Gesellschaft lag der Fokus daher auf der Widerstandsfähigkeit der Demokratie. Die Schüler widmeten sich mit Dr. Benedikt Dorbath den Phänomenen Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus und ihrem manipulativen Umgang mit der Geschichte.

Der Unterwanderung durch radikale Kräfte vorbeugen

Dabei prüfte eine Gruppe Schüler, „welche Mechanismen dem Grundgesetz per se inhärent sind, um seine Unterwanderung durch radikale Kräfte vorzubeugen“, richtet aber auch den Blick auf „die Zivilgesellschaft und deren Verantwortung zu Wachsamkeit“.

Im Fach Physik probierten Schüler sich praktisch an der Energierückgewinnung aus. Außerdem ging es am Donnerstag zu einer Exkursion an die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Hier gab es Vorträge und Laborführungen von zwei Lehrstühlen, die sich mit Elektromobilität beschäftigen.

Oberstufenkoordinator Simon Scherer hob hervor, dass die Schüler auch auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereitet wurden – etwa mit einem Kurs zur Zitation und Automatisierung von Inhaltsverzeichnissen. Auch er sprach von einer gelungenen Premiere am Platen.

Professor Dr. Niko Paech von der Uni Siegen diskutierte mit den Schülern. (Foto: Jonas Volland)
Professor Dr. Niko Paech von der Uni Siegen diskutierte mit den Schülern. (Foto: Jonas Volland)
Professor Dr. Niko Paech von der Uni Siegen diskutierte mit den Schülern. (Foto: Jonas Volland)
Ist Innovation das Gebot der Stunde? Platen-Schüler arbeiteten bei der Wirtschaftswoche praktisch im eigenen Haus oder besuchten die Uni Erlangen (von links): Aren Todorov, Oliver Glowania und Axel Hüber. (Foto: Tizian Gerbing)
Ist Innovation das Gebot der Stunde? Platen-Schüler arbeiteten bei der Wirtschaftswoche praktisch im eigenen Haus oder besuchten die Uni Erlangen (von links): Aren Todorov, Oliver Glowania und Axel Hüber. (Foto: Tizian Gerbing)
Ist Innovation das Gebot der Stunde? Platen-Schüler arbeiteten bei der Wirtschaftswoche praktisch im eigenen Haus oder besuchten die Uni Erlangen (von links): Aren Todorov, Oliver Glowania und Axel Hüber. (Foto: Tizian Gerbing)

Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
north