Ernst genommen werden, sich einbringen, selbstständig arbeiten: Das wünschen sich viele junge Menschen. Elftklässler am Ansbacher Platen-Gymnasium hatten bei der ersten Wissenschaftswoche dazu nun eine besondere Gelegenheit – inklusive Universitätsbesuch oder einer Diskussion mit dem renommiertesten Wachstumskritiker deutscher Sprache. Es ging um Nachhaltigkeit.
„Eine subjektive Bereicherung kann in einer aufgeklärten Gesellschaft kein Argument für ökologischen Vandalismus sein.“ Rhetorische Hämmer – hier etwa gegen das Fliegen und SUVs – schwang Professor Dr. Niko Paech zum Auftakt der Wissenschaftswoche vor den 120 Schülerinnen und Schülern in der Pausenhalle.
Es ging um „die epochale Verteilungsfrage zwischen acht Milliarden Menschen“. Wie viel CO2 darf ich ausstoßen? Und wie kommen wir auf diese eine Tonne pro Jahr herunter, wenn wir gerade noch bei zwölf pro Kopf sind? Paechs Antwort heruntergebrochen: „Grünes“ Wachstum funktioniert nicht, die Wirtschaft der großen Industrieländer muss schrumpfen, Menschen müssen lernen, ihre technischen Geräte selbst zu reparieren, sich Autos zu teilen und auf weniger Wohnraum zu leben. Sonst vernichtet die Menschheit ihre Lebensgrundlagen.
Niko Paech lehrt und forscht als außerplanmäßiger Professor an der Universität Siegen. Er hat als viel diskutierter Wachstumskritiker den Begriff der „Postwachstumsökonomie“ geprägt. Die großen Medienhäuser zitieren und streiten mit ihm, er ist Gast in Talkshows – und er hat den weiten Weg auf sich genommen, um am Ansbacher Platen zu sprechen. Und zu debattieren.
Der Geschichtslehrer Dr. Benedikt Dorbath etwa stellte in Frage, ob Paechs Ansichten nicht zu viel Widerstand in der Bevölkerung auslösten. Eine Schülerin debattierte mit dem Ökonom, ob sich eine schrumpfende Wirtschaft negativ auf die Gesundheitsversorgung auswirke. Andere Schüler wirkten anerkennend, angeregt von einem Mann, der auch einmal Lösungsansätze liefert, statt nur die Angst vor dem Untergang zu nähren.
Der Impulsvortrag war der Start der ersten Wissenschaftswoche am Platen-Gymnasium. Sie ist seit der erneuten Reform des Gymnasiums in Bayern ein verpflichtender Teil des Lehrplans der Oberstufe.
„Ich hab’ den Eindruck, wir machen das ganz gut“, zieht Kunstlehrer Siegfried Kirchhoff Bilanz. Ihm imponiert die Woche als eine „selbstverantwortliche, freiere Art des Arbeitens“. Er leitete eine der Projektgruppen, die die Schüler aus verschiedenen Fächern wählen konnten. Das Kunstthema lautete „Stadtplanung der Zukunft“. Dafür hatte Kirchhoff den Schülern Material aus dem Bauministerium besorgt.
Oberthema der Woche am Platen war „Nachhaltigkeit und Resilienz“. Im Fach Politik und Gesellschaft lag der Fokus daher auf der Widerstandsfähigkeit der Demokratie. Die Schüler widmeten sich mit Dr. Benedikt Dorbath den Phänomenen Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus und ihrem manipulativen Umgang mit der Geschichte.
Dabei prüfte eine Gruppe Schüler, „welche Mechanismen dem Grundgesetz per se inhärent sind, um seine Unterwanderung durch radikale Kräfte vorzubeugen“, richtet aber auch den Blick auf „die Zivilgesellschaft und deren Verantwortung zu Wachsamkeit“.
Im Fach Physik probierten Schüler sich praktisch an der Energierückgewinnung aus. Außerdem ging es am Donnerstag zu einer Exkursion an die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Hier gab es Vorträge und Laborführungen von zwei Lehrstühlen, die sich mit Elektromobilität beschäftigen.
Oberstufenkoordinator Simon Scherer hob hervor, dass die Schüler auch auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereitet wurden – etwa mit einem Kurs zur Zitation und Automatisierung von Inhaltsverzeichnissen. Auch er sprach von einer gelungenen Premiere am Platen.