Opposition aus Prinzip: Frieder Popp hört nach 36 Jahren in Münchsteinach auf | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 09.06.2026 13:00

Opposition aus Prinzip: Frieder Popp hört nach 36 Jahren in Münchsteinach auf

Frieder Popp war 36 Jahre Gemeinderat in Münchsteinach. Nun kandidierte der 77 jähirge nicht mehr.  (Foto: Christa Frühwald)
Frieder Popp war 36 Jahre Gemeinderat in Münchsteinach. Nun kandidierte der 77 jähirge nicht mehr. (Foto: Christa Frühwald)
Frieder Popp war 36 Jahre Gemeinderat in Münchsteinach. Nun kandidierte der 77 jähirge nicht mehr. (Foto: Christa Frühwald)

36 Jahre war Frieder Popp Gemeinderat in Münchsteinach. Drei Bürgermeister hat er während der sechs Wahlperioden miterlebt – Hans Riedel, Ursula Schenke und Jürgen Riedel. Der Gemeinderat in Münchsteinach verzichtet übrigens bis heute auf Fraktionen – geschuldet einer Popp'schen Anregung aus den 1990er Jahren.

1990 wurde der Altershäuser erstmals ins Gremium gewählt. Von der andernorts vornehmen Zurückhaltung eines Ratsneulings hielt er wenig, ging eher selten den einfachen Weg. Streitbar sei er seit jeher gewesen, sagt er, ein „Ja-Sager” und Abnicker war er nie und werde er nicht werden.

Widerstand und zuweilen auch Ärger

Nicht alle mochten oder mögen Frieder Popp. Seine Lust an der Opposition, seine überaus deutlichen Meinungsäußerungen, seine zur Schau getragene Sturheit – all dies provozierte Widerstand und zuweilen auch Ärger. Einen enormen Groll hegt er seit jeher gegen die deutsche Bürokratie und die seiner Meinung nach dadurch entstehenden hohen Kosten. Nicht selten beleidigte er so manchen Beamten des Landratsamtes in öffentlicher Sitzung mit deftigen Schimpfwörtern, was naturgemäß nicht immer gut ankam.

Darüber hinaus erwarb sich Frieder Popp einen Ruf als Sparfuchs und diskutierte oft mit den Ratskollegen und dem Bürgermeister über das „liebe Geld”. Im Gespräch mit der Redaktion erinnert er sich an eine Diskussion über die Verwendung von 5000 Euro, die Popp ablehnte. Als die damalige Bürgermeisterin Ursula Schenke sagte: „Herr Popp, es geht doch nur um 5000 Euro”, habe er prompt erwidert: „Das Sparen fängt schon beim Streichholz an”.

Popp schwamm nie mit dem Strom. Apropos „schwimmen”: Bei der Debatte zur Generalsanierung des Münchsteinacher Freibades machte er sich wenig Freunde. „Das brauchen wir nicht. Das ist was für Faulenzer, die lieber was arbeiten sollten“, schimpfte er in einer der diesbezüglichen Sitzungen. Er wollte auf der Freibad-Fläche lieber ein Baugebiet erschließen.

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Lieblingsthemen: Kläranlage und Wasserversorgung

Letztlich stand Popp mit seiner Meinung wieder einmal alleine auf weiter Flur – er bildete einmal mehr die unverdrossene Opposition. Wenig später sorgte er dann für eine Überraschung: Als über die Einrichtung eines an das Freiband angeschlossenen Gasthauses diskutiert wurde, gehörte er zu den entschiedenen Befürwortern. Seine Begründung: „Wenn schon, denn schon.”

Seine erklärten Lieblingsthemen waren die Kläranlage und die Wasserversorgung in seinem Heimatort Altershausen. Die dort vorhandene Teichkläranlage wollte er behalten, doch ausgerechnet am Tag der Abstimmung kam er zu spät in die Sitzung und die Auflösung war bereits ohne ihn beschlossen worden, erinnert er sich heute. Auf eigene Kosten habe er danach Wasserproben der Kläranlageanalysieren lassen. „Es hatte sogar Trinkwasserqualität“, ärgert er sich nach wie vor.

Von Dorferneuerungen wollte Popp ebenfalls nichts wissen, auch hierbei blieb er in der Minderheit. Immerhin: Nach langem Hin und Her hat man sich im Münchsteinacher Rat mittlerweile dazu durchgerungen, das Seydel-Anwesen zum Altershausener Dorfhaus umzubauen – zu Popps großer Freude. „Das war von Anfang an mein Vorschlag”, sagt er.

1978 als erster Bürger ein Windrad errichtet

Popp, der mit 77 Jahren eigentlich längst im Rentenalter ist, hat ein Fachstudium für Maschinenbau abgeschlossen, machte sich anschließend selbstständig und baute im Ausland Malzproduktionsanlagen. Er installierte Anlagen im Irak, war elf Monate in Thailand und innerhalb Europas in Frankreich, Griechenland, Österreich und Polen unterwegs. In Polen baut er bis zum heutigen Tag seine Anlagen. Als erster Bürger im Landkreis errichtete er schon 1978 ein eigenes Windrad und produzierte damit tatsächlich Strom.

Eine Herzensangelegenheit ist für Frieder Popp der Wald, in dem er viel Zeit verbringt. Für die Holzarbeit übrigens verwendet er keinerlei technische Hilfsmittel, die dem Wald großen Schaden zufügen können, sagt er und plötzlich klingt Frieder Popp besorgt, fast zärtlich und liebevoll.

Leidenschaftlicher Sänger ist Popp übrigens auch. Lange Jahre war er Vorstand des Gesangvereins Altershausen und eine Zeit auch Vorsitzender der Sängergruppe Neustadt. Sein Gesundheitsrezept ist das Bier. Jeden Abend trinkt er eine „Halbe”.

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