Peking-Jeep BAW 212 verspricht Abenteuer zum Spar-Tarif | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 04.08.2026 03:34

Peking-Jeep BAW 212 verspricht Abenteuer zum Spar-Tarif

Kann er: Fahren auf der Straße - im Gelände fühlt sich BAW 212 zuweilen wohler. (Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn)
Kann er: Fahren auf der Straße - im Gelände fühlt sich BAW 212 zuweilen wohler. (Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn)
Kann er: Fahren auf der Straße - im Gelände fühlt sich BAW 212 zuweilen wohler. (Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn)

Für gewöhnlich setzen sie auf schnörkellose SUV mit Elektroantrieb oder auf billige Benziner für die breite Masse. Doch die Chinesen beherrschen auch das Charakterfach, können sogar Kult. Denn so wie bei uns die Mercedes G-Klasse, der Land Rover Defender, der Jeep Wrangler und neuerdings der Ineos Grenadier die authentischen Abenteuer-Autos geben, so baut Peking seit Mitte der 1960er-Jahre den Beijing Jeep.

Und nachdem dieser ebenso kantige wie klassische Geländewagen mit Leiterrahmen und Starrachsen vor zwei Jahren von Grund auf erneuert wurde, kommt er jetzt auch zu uns: Für einen fixen und kompletten Preis von 41.850 Euro verkauft Importeur Indimo den China-Klassiker als BAW 212 über rund 250 Händler im ganzen Land - und wird dabei so überrannt, dass Interessenten mittlerweile ein halbes Jahr auf die Lieferung warten müssen.

Halb so teuer wie die wilden Kerle aus dem Westen 

Kein Wunder: Schließlich kostet der Offroader kaum die Hälfte seiner europäischen Konkurrenten. Allerdings sieht es mit seinen markanten LED-Ringen im Kühlergrill, den ausgestellten Kotflügeln und dem außen angeschlagenen Ersatzrad genauso kernig aus und kann abseits des Asphalts tapfer mithalten. Im Gelände jedenfalls macht ihm so schnell keiner etwas vor.

Bodenfreiheit (235 mm) und Wattiefe (850 mm) sind absolut abenteuertauglich, zum zuschaltbaren Allradantrieb gibt es eine Untersetzung und zwei Differenzialsperren. Außerdem gibt es eine eingebaute Rückhohlversicherung: Wer sich in Feld, Wald und Wiese festfährt, kann sich mit einer serienmäßigen Seilwinde selbst aus dem Schlamassel ziehen. Dafür verlangt die Konkurrenz viel Aufpreis - wenn sie überhaupt solche Extras anbietet. Das gilt übrigens auch für die Suchscheinwerfer, den die Chinesen bei uns ebenfalls serienmäßig auf die Haube schrauben.

Alte Schule beim Antrieb

Fast schon ungewöhnlich ist der Antrieb: Sonst setzen die Chinesen tatkräftig auf E-Mobilität oder bieten zumindest mehr oder minder stark elektrifizierte Hybride an. Auch der Westen baut moderne Motorkonzepte bis hin zum E-Antrieb in die G-Klasse ein. Doch der „Zwei-Zwölfer“ fährt mit einem ganz konventionellen Diesel, der obendrein noch unverhohlen knurrt, sich beim Anlassen erst mal ordentlich schüttelt und beim Fahren tapfer gegen das Soundsystem anbrüllt.

Er hat 2,0 Liter Hubraum, leistet 122 kW/166 PS und geht mit bis zu 410 Nm zu Werke, die feinfühlig von einer überraschend modernen Achtgang-Automatik dosiert werden. Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 13,0 Sekunden und bei Vollgas für Tempo 160.

Lieber ins Abseits als auf den Asphalt

Viel schneller will man mit dem China-Jeep auch nicht fahren. Weil er eben doch mehr fürs Abseits gemacht ist als für den Asphalt, ist das Fahrwerk wenig nachgiebig, und auch die Lenkung hat eher empfehlenden Charakter. Vom Wendekreis ganz zu schweigen. Wenn dann noch die grobstolligen Reifen aufgezogen sind, braucht es eine kräftige Hand und ein wachsames Auge, um den Kurs zu halten. Da sind ihm die westlichen Konkurrenten trotz ihrer ähnlich altbackenen Konstruktion dann doch voraus.

Flirt mit der Jetzt-Zeit 

Dabei beweist der BAW in anderen Disziplinen, dass er keine Berührungsängste mit neuer Technik hat. Selbstredend sind die Instrumente digital, und ein Muss ist auch der Touchscreen in der Mittelkonsole, auf dem alle üblichen Apps laufen. Außerdem gibt es an jeder Ecke USB-Steckdosen, natürlich eine kabellose Ladeschale. Die Sitze sind sogar klimatisiert und massieren nach einer Fahrt über Stock und Stein den steifen Rücken.

Platz ist knapp 

So sitzt man zwar bequem, doch geht es bei einer Länge von 4,71 Metern und einem Radstand von 2,86 Metern hier überraschend eng zu. Schon vorn kommen die Knie gefährlich nah ans Armaturenbrett, und in der zweiten Reihe dürften Erwachsene relativ schnell unleidlich werden. Für den Weg durch die Stadt ist das kein Problem, einmal quer durch die Sahara wird es dagegen unbequem. Und auch der eher kurze Kofferraum ist nur eingeschränkt expeditionstauglich. Aber dafür gibt es schließlich zur Not einen Dachträger.

Fazit: Ein Werkzeug und kein Spielzeug

Ja, auch die wenigen ernsthaften Geländewagen aus dem Westen taugen fürs Abenteuer, doch sind die mittlerweile viel zu fein und viel zu vornehm, als dass sie jemand durch unwegsames Terrain prügeln würde. Deshalb dienen sie heute eher als Spielzeug für Selbstdarsteller. Der BAW 212 dagegen kann dort genauso viel, kostet aber kaum mehr als die Hälfte und wird so zu einem echten Werkzeug und einem Auto für Macher. Und was über 60 Jahre im Fernen Osten funktioniert hat, das sollte auch im Wilden Westen klappen.

Datenblatt: BAW 212 

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260804-930-480192/1


Von dpa
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