Wenn eine Stadt oder eine Gemeinde Bauland ausweist, muss sie dafür einen Flächenausgleich in der Natur schaffen. Diese Flächen werden im Ökokonto gespeichert und bringen dort Zinsen. Jetzt ist solch ein Flächenausgleich auch im Wald möglich.
„Darauf haben wir elf Jahre hingearbeitet”, sagte Baudirektor Joachim Reindler vom Amt für Ländliche Entwicklung (AELF), der das Projekt zusammen mit der Umsetzungsbegleiterin Theresia Pöschl von der Kommunalen Allianz NeuStadt und Land (dazu zählen Neustadt, Diespeck, Baudenbach, Gutenstetten, Münchsteinach, Dietersheim und Ipsheim) in der Bürgermeisterdienstversammlung vorstellte.
Die Rathauschefs verfolgten die Präsentation mit großem Interesse. „Das Thema Ausgleichsflächen und Ökopunkte ist ein dauerndes unpopuläres Thema auf Gemeindeebene”, betonte Landrat Dr. Christian von Dobschütz. Schon als er noch Bürgermeister in Diespeck war, musste er diese Erfahrung im Kollegenkreis machen. Deshalb freute er sich über die neue Möglichkeit, nun auch den Wald zum Flächenausgleich heranziehen zu können.
Doch dazu muss der Wald bestimmte Bedingungen erfüllen, sprich „umgebaut” werden. Wie das geht, darüber informierte Reindler. Er warnte sogleich: Es müssen Flächen sein, die nicht schon in einer Förderung liegen.
Im Zusammenhang mit der Waldneuordnung in Baudenbach vor sechs Jahren – der größten in Bayern – war der dortige Bürgermeister Wolfgang Schmidt an die Untere Naturschutzbehörde herangetreten, um zu erfahren, ob ein „Ökokonto Wald” möglich sei – Baudenbach gewann damals viele Flächen hinzu. Als es „nein” hieß”, war die Frustration groß. Die Fachbehörden setzten sich nochmals zusammen und kamen 2024 zum Konsens: Ein Ökokonto Wald wird für Kommunen ermöglicht.
Formal gelten einige Vorschriften. So ist der Ausgleich ortsunabhängig im selben Naturraum zulässig. „Zwei Naturräume gibt es im Landkreis Neustadt/Aisch Bad Windsheim”, so Reindler. Für die Genehmigung ist die Untere Naturschutzbehörde (UNB) zuständig. Eine Verzinsung über zehn Jahre erfolgt mit drei Prozent pro Jahr, wenn die Punkte nicht in Anspruch genommen worden sind.
Auf Rat dieser Fachbehörden (Amt für ländliche Entwicklung, Höhere und Untere Naturschutzbehörde) ging man wie folgt vor: Ihre rund 1000 Hektar Waldfläche in diesen Kommunen wurden ab 2024 untersucht und ein Grobkonzept (Kosten für die Planungsgruppe Landschaft: 40.000 Euro) entwickelt, das gefördert wurde. Dieses besteht im Wesentlichen aus den Anreicherungskulturen in Nadelforsten mit dem Nelderradverfahren und Lochhieben zur Auflichtung. Alle zwei Jahre nimmt der Förster die Auflichtungsflächen in Augenschein.
Für ein Wald-Ökokonto bestehen besondere ökologische Anforderungen. „Das sind die Kriterien on top”, betonte Baudirektor Reindler. Die Fläche muss 30 Festmeter Totholz stehend oder liegend sowie zehn Biotopbäume je Hektar aufweisen. In der Vogelbrutzeit darf kein Holzeinschlag erfolgen. Ein gewisser Abstand zu Straßen muss bestehen. Andere Fördermittel für den Waldumbau dürfen nicht in Anspruch genommen werden. Der Abstand zwischen zwei Rückegassen muss 30 Meter betragen. Ansonsten erfolge eine normale Waldbewirtschaftung mit der Zielsetzung Eichenwald. Es sind unter dem Strich strengere Kriterien als zum klassischen, klimaresilienten Waldumbau.
Die vier Kommunen haben ein großes Waldpotenzial, stellte Theresia Pöschl fest: Von den genau 954 Hektar in den vier Pilotgemeinden böten 169 Hektar die Möglichkeit, ein Ökokonto zu schaffen, davon knapp die Hälfte in Neustadt. Die Einzelflächen sind zwischen 0,10 und 8,93 Hektar groß.
„Das machen wir jetzt noch nicht alles”, stellte die Allianzmanagerin klar. Insgesamt richtete man ein Ökokonto mit folgenden Daten ein: Gesamtfläche von 53 Hektar, was zirka 2,45 Millionen Ökopunkte schaffen wird, was laut Reindler für den Ausgleich von 49 Hektar Baugebietsflächen ausreicht.
Im Einzelnen entfallen etwa 17 Hektar auf Neustadt, 16 Hektar auf Diespeck, 15 Hektar auf Baudenbach und fünf Hektar auf Gutenstetten. Für diese ausgewählten Flächen muss nun ein konkretes Konzept mit der Planungsgruppe Landschaft erstellt werden. Pro Hektar kostet dies tausend Euro.
Nach und nach können die Gemeinden die umzugestaltenden Flächen der UNB zur Einrichtung ihres Ökokontos melden. Diese überprüft die Flächen und konkretisiert sie zusammen mit dem AELF. Dann wird ein Vertrag geschlossen und der Waldumbau fürs Ökokonto kann starten. „Bestenfalls in diesem Herbst”, wie Reindler meinte.