Protestaktion in Rothenburg: Kampf um den Erhalt der Kardiologie am Krankenhaus | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 01.03.2026 17:28

Protestaktion in Rothenburg: Kampf um den Erhalt der Kardiologie am Krankenhaus

Der Marktplatz war voll. Geschätzt 1200 Menschen kamen, um sich für die Kardiologie und das Krankenhaus einzusetzen.  (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Der Marktplatz war voll. Geschätzt 1200 Menschen kamen, um sich für die Kardiologie und das Krankenhaus einzusetzen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Der Marktplatz war voll. Geschätzt 1200 Menschen kamen, um sich für die Kardiologie und das Krankenhaus einzusetzen. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Der Krankenhaus-Förderverein Mediroth hatte gerufen, geschätzt 1200 Menschen kamen und setzten ein Zeichen für das Krankenhaus. Die zwei Notärzte Jan Overmans und Dr. Wolfgang Weltzer sprachen, erklärten die aktuelle Lage rund um die Kardiologie und Weltzer forderte die Freistellung von ANregiomed-Vorstand Dr. Gerhard M. Sontheimer.

Der aktuelle Anlass der Demo am Sonntagnachmittag: Der Antrag, in Rothenburg eine ambulante Kardiologie zu etablieren, wurde abgelehnt. Notwendig geworden war dieser überhaupt nur, weil ein Grundsatzbeschluss des ANregiomed-Verwaltungsrates vorsieht, dass es am Krankenhaus keine stationäre Kardiologie mehr geben soll. Als Ersatz soll eben eine ambulante Kardiologie etabliert werden. Diese „Leistungsgruppe” musste beantragt werden und wurde abgelehnt.

Wieder neue Fragen und neue Unklarheiten

Politische Beiträge waren im Rahmen der Demo genau eine Woche vor der Kommunalwahl nicht vorgesehen. Mediroth-Vorsitzende Michaela Ebner sprach kurz zur Begrüßung, danach kamen die beiden Notärzte Jan Overmans und Dr. Wolfgang Weltzer zu Wort.

Ebner wurde deutlich: „Es reicht. Es reicht mit vagen Zusagen. Es reicht mit Vertröstungen. Es reicht mit Entscheidungen, die nicht transparent erklärt werden. Es reicht mit Unsicherheiten auf dem Rücken von Mitarbeitenden und Bevölkerung.” Was fehle, sei Vertrauen in den Vorstand. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir glaubten, nach dem Verwaltungsratsbeschluss vom September 2025 in eine gesicherte Zukunft unseres Krankenhauses gehen zu können. Wir dachten: Jetzt haben wir Klarheit. Jetzt haben wir Stabilität.” Doch dann kämen wieder neue Fragen und neue Unklarheiten. In Richtung ANregiomed-Vorstand sagte sie: „Es reicht, Herr Dr. Sontheimer.”

Alle seien entschlossen, „unser Krankenhaus nicht Stück für Stück aushöhlen zu lassen” und „die medizinische Versorgung unserer Region zu sichern”. Parteiübergreifend und gemeinsam solle weitergekämpft werden. Besonders deutlich werde die aktuelle Lage in der Kardiologie: „Hier geht es nicht um Strukturdebatten. Hier geht es um Herzpatientinnen und Herzpatienten. Um Notfälle. Um Minuten, die über Leben entscheiden können. Vieles ist bereits gesagt worden. Sie alle wissen das, hier vor Ort und draußen in der Bevölkerung. Unser Krankenhaus betrifft uns alle.”

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Notarzt Weltzer erklärte detailliert die Lage und zählte auf, was jetzt getan werden müsse: Auf „allerschnellstem Weg” müsse durch die politisch Verantwortlichen – hier nannte er Landrat Dr. Jürgen Ludwig im Speziellen – ein „Antrag auf Feststellung eines Sonderbedarfs” bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) gestellt werden. Hier müssten „alle Kanäle nach München ins Gesundheitsministerium genutzt werden”. Außerdem müsse Kontakt zu allen niedergelassenen Kardiologen im Planungsbereich Westmittelfranken aufgenommen werden, „um eine akzeptable, tragfähige und vor allem langfristige sichere Lösung für den Standort Rothenburg herbeizuführen”.

Er warnte: „Sollte dieses Vorgehen nicht erfolgreich sein und die Etablierung einer ambulanten Kardiologie in Rothenburg scheitern, sehen wir ein sehr düsteres Bild für die Zukunft des Rothenburger Krankenhauses mit allen negativen Konsequenzen für die Versorgung der Bevölkerung.” Und er fragte: „Für wie dumm soll die Rothenburger Bevölkerung verkauft werden?”

Für Weltzer ist es nicht „fünf vor zwölf, sondern es ist eine Minute vor zwölf”. Es drohten lange Fahrtzeiten nach Ansbach, eine Gefährdung der 24/7-Notfallversorgung, ein Wegfallen der Patientinnen und Patienten aus dem Raum Hohenlohe – „die dann sicher nicht nach Ansbach gehen werden, sondern sich anderweitig orientieren werden, zum Beispiel nach Crailsheim, Bad Mergentheim oder Schwäbisch Hall”. Die Folgen „wären nicht nur für Rothenburg katastrophal, sondern auch für Ansbach”. Er warnte vor einer „starken Konkurrenz”, die dann außerhalb der Kontrolle von ANregiomed agiere. Dazu dürfe es nicht kommen. „Der Verwaltungsratsbeschluss vom September 2025 muss eins zu eins umgesetzt werden.”

Er erhielt immer wieder starken Applaus, besonders auch für folgende Aussagen: Die politisch Verantwortlichen, namentlich der Verwaltungsratsvorsitzende und Landrat, Dr. Jürgen Ludwig, müssten den Vorstand Sontheimer „kontrollieren und disziplinieren”. Und er fasste noch einmal nach: „Nicht nur kontrollieren und disziplinieren, sondern umgehend freistellen.” Weltzer: „Wir können und wollen diesen toxischen, skrupellosen und vollkommen empathielosen Stil, dem zwischenzeitlich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Opfer gefallen sind und der keineswegs zum gewünschten Aufschwung bei ANregiomed geführt hat, nicht mehr länger akzeptieren.”

„Muster der strukturellen Schwächung”

Notarzt Overmans fand ebenso klare Worte und sagte unter anderem: „Wären wir in den vergangenen Jahren nicht wachsam gewesen, dann wäre unser Krankenhaus heute schon Geschichte.” Es sei ermüdend, immer wieder prüfen zu müssen, „ob die Menschen, die wir gewählt haben, und diejenigen, die mit unserem Geld arbeiten, tatsächlich in unserem Sinne handeln”. Doch genau diese Wachsamkeit habe verhindert, dass „Entscheidungen im Hintergrund durchgewunken wurden”.

Er hat ein „Muster der strukturellen Schwächung” ausgemacht. Er nannte den Stopp des Baus des Hubschrauber-Landeplatzes, sprach von renovierungsbedürftigen OP-Sälen, dem abgebauten MRT-Gerät, nannte auch die Personalpolitik und den Umgang mit Mitarbeitenden. „Strukturen werden ausgedünnt, Abteilungen werden geschwächt. Und später heißt es: Es funktioniert nicht mehr wirtschaftlich.”

Overmans: „Wir stehen heute hier nicht, weil wir nichts Besseres zu tun haben. Wir stehen hier, weil es notwendig ist. Und solange es notwendig ist, werden wir wachsam bleiben.” Denn das Krankenhaus gehöre nicht dem Vorstand und nicht der Verwaltung. „Es gehört dieser Region, es gehört uns.”

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