Die Ranger vom Naturpark Frankenhöhe helfen in Schulen mit, Kindern die Natur zu zeigen. Für enge Partnerschaften gibt es die Auszeichnung „Naturpark-Schule“. Zwei Beispiele aus Ansbach und Neuhof/Zenn zeigen, wie das funktioniert.
„Die Lage der Schule ist einfach traumhaft mit Blick auf den Wald. Wir können den Wald, aber auch die Streuobstwiesen für den Unterricht nutzen“, sagt Rektorin Angela Zwerner. Sie leitet die Grundschule im Ortsteil Schalkhausen am westlichen Ansbacher Stadtrand. „Wir waren auch vorher schon viel mit den Kindern draußen.“
Die Idee, zusätzlich die Ranger mit in den Unterricht zu holen, hat Angela Zwerner von Anfang an unterstützt. Und nicht nur sie: „Die Zusammenarbeit mit dem Naturpark finden auch die Eltern toll. Wir haben das vorher mit dem Elternbeirat besprochen. Für Kinder ist es schön, nicht nur im Klassenzimmer zu sitzen.“
Ausflüge gehörten in Schalkhausen schon immer dazu. Am häufigsten für die Klasse von Anke Merklein. Seit zwei Jahren hat sie ihre 3./4. Klasse das ganze Schuljahr über einen Tag pro Woche draußen unterrichtet. „Bei jedem Wetter. Fast alle sind total begeistert“, sagt sie. „Es ist eine ganz andere Atmosphäre als in einem viereckigen Raum. Alles ist offener, die Atmosphäre wesentlich ruhiger und die Kinder entdecken ganz nebenbei viele Sachen. Und man kann auch draußen alles machen, von Mathe bis Deutsch und Heimat- und Sachunterricht sowieso.“ Das Wetter wurde zunehmend egal. „Die Eltern rüsten die Kinder perfekt aus, mit Bekleidung und Schuhen. Der Winter war überhaupt kein Problem.“
Als Anke Merklein bei einer Fortbildung die Möglichkeit sah, mit dem Naturpark zusammenzuarbeiten, war sie sofort Feuer und Flamme. Denn die Ranger bringen selbst in eine Schule, in der die Natur schon eine große Rolle spielt, eine neue Ebene. „Es ist toll, dass Fachleute, die sich super auskennen, den Kindern etwas zeigen. Und man selbst nimmt auch neue Informationen mit. Ich sehe es als Bereicherung.“
In den Lehrplan lassen sich die Tage mit den Fachleuten von außen perfekt einbauen, betont Anke Merklein, die für ihre Schule die Kontakte zum Naturpark hält. Themen wie Wiesen, Hecken, Gewässer, Wald und Streuobst müssen sowieso behandelt werden. Wenn dafür regelmäßig Experten zu Gast sind und mit in die Natur gehen, steige die Bereitschaft zum Lernen. „Mit der Sensibilisierung in der Natur erreicht man viel mehr als wenn man nur im Klassenzimmer darüber redet. Weil die Kinder den Wert unserer Kulturlandschaft erleben, erschließt sich der Umweltschutz ganz allein.“
Das ist der Grund für die Ranger, ihre Mitarbeit in den Schulen anzubieten. „Es ist total schön, wie neugierig die Kinder sind. Draußen gehen von selbst Räume für Gespräche auf“, sagt Benjamin Krauthahn, einer der vier Ranger und stellvertretender Geschäftsführer des Naturparks Frankenhöhe. „Ins Klassenzimmer muss ich Exponate mitbringen. Aber draußen sehe ich die Heuschrecke krabbeln. Da ploppt ein Thema auf und man muss es nur noch aufgreifen. Wenn auf dem Baum ein Eichhörnchen sitzt, ist das der perfekte Moment, um über Eichhörnchen zu sprechen.“
Die Ranger gehen nicht nur selbst in die Klassen, sondern organisieren Besuche von Fachleuten für die verschiedenen Gebiete wie Biologen oder Streuobstpädagoginnen. Mit ihnen geht es gemeinsam auf Entdeckungsreisen, mit möglichst kurzen Wegstrecken. „Wir wollen nicht die Kinder in einen Bus setzen und irgendwohin fahren. Für uns ist die Nähe von Aktionen zur Schule wichtig“, beschreibt Krauthahn das Prinzip. „Das hat einen Bezug zum Alltag der Kinder. Sie sehen auf dem Schulweg oder in den Ferien die Dinge wieder, die sie vorher mit Profis besprochen haben.“
Der Naturpark Frankenhöhe hat sich einem bundesweiten Modell angeschlossen, nach dem Zertifikate als „Naturpark-Schule“ vergeben werden. Voraussetzung sind unter anderem regelmäßige Besuche von Rangern und externen Experten, ein hoher Bezug zur Region und die enge Kooperation bei Projekten mit außerschulischen Partnern, von Förstern und Landwirten über Handwerker bis zu Vereinen. Teile des Jahresprogramms werden als Weiterbildung für die Lehrkräfte anerkannt, der Schulträger ist fest eingebunden. Die Kosten trägt zu 80 Prozent der Naturpark. Den Rest bringen Schulen, ihre Träger, Fördervereine oder Sponsoren auf.
Ist der Titel verliehen, gilt er für fünf Jahre, dann muss er erneuert werden. „Für uns ist es wichtig, dass es nicht mehr von der Initiative einzelner Lehrkräfte abhängt. Es geht um die Kooperation der ganzen Schule. Jede Lehrkraft weiß, sie muss uns nur das Thema sagen, und wir kümmern uns“, sagte Benjamin Krauthahn. „Wir erreichen damit alle Schüler. Sie wissen, was unsere Kulturlandschaft und was der Naturpark ist. Die Ziele im Lehrplan und unsere Ziele bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung sind fast deckungsgleich.“
Kerstin Stiegler leitet die Grundschule in Neuhof/Zenn im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, die in der vergangenen Woche als Naturpark-Schule ausgezeichnet wurde. „Es ist wichtig, den Kindern die Natur nahezubringen. Viele Kinder haben wenig Erfahrungen, auch wenn wir hier am Land wohnen“, sagt sie. „Draußen können die Kinder anders lernen und andere Begabungen entfalten.“
Neben den Besuchen der Ranger hat sie im Vorbereitungsjahr die Unterstützung anderer Fachleute im Unterricht schätzen gelernt. „Wir haben neue Chancen durch die vielen Partner des Naturparks, an die wir sonst gar nicht rankommen könnten. Jetzt sind die Kinder mal mit einer Försterin vier Stunden im Wald oder mit einer Biologin am Eisweiher, wo sie ihnen die Tiere und Gewässer direkt am Teich erklärt.“
Solche Tage seine keine Zusatzbelastung, so die Schulleiterin. „Das passt gut zum Unterricht. Die Lehrer finden es deshalb auch toll, weil es einen Teil des Unterrichts abdeckt.“
Die Freude bei den Kindern war bisher immer groß. „Es waren Kinder dabei, die sind zum ersten Mal durch den Wald gegangen. Wir sind durch meterhohe Gräser gelaufen, die größer waren als die Kinder. Das war so ein starkes Erlebnis für sie.“ Der Spaß sei doppelt. „Zum einen, weil jemand von außen da ist, der noch mal andere Ideen mitbringt. Und zum anderen faszinieren Tiere und Natur Kinder immer.“
Das Programm des Naturparks kommt so gut an, dass die Ranger nicht alle Wünsche erfüllen können. „Das Interesse ist viel größer als wir abdecken können“, bedauert Benjamin Krauthahn. Oberdachstetten war die Pionierschule und ist seit 2021 zertifiziert. Nach Neuhof folgt Schalkhausen am morgigen Donnerstag. Dann geht es an die Zertifizierung von Schulen in Colmberg, Flachslanden, Lehrberg, Schillingsfürst und Oberscheckenbach.