Sachsener Kinderchor findet unerwartet große Resonanz | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.03.2023 14:35

Sachsener Kinderchor findet unerwartet große Resonanz

Zu Beginn jeder Chorstunde leitet Jürgen Rupp die Kinder zu Stimmübungen an. (Foto: Andrea Walke)
Zu Beginn jeder Chorstunde leitet Jürgen Rupp die Kinder zu Stimmübungen an. (Foto: Andrea Walke)
Zu Beginn jeder Chorstunde leitet Jürgen Rupp die Kinder zu Stimmübungen an. (Foto: Andrea Walke)

Der Sachsener Projektchor ist ein Phänomen: 28 Mädchen und Buben sind in der Spitze bei den wöchentlichen Proben im Haus der Bäuerin dabei. Mit dem Angebot hat der örtliche Gesangverein offenbar einen Nerv getroffen.

Die Nachwuchssänger sind zwischen sechs und elf Jahre alt. Viele kommen zu Fuß, weil sie direkt in Sachsen wohnen. Diesmal ist die Gruppe etwas ausgedünnt, ein paar sind krank. Bevor Chorleiter Jürgen Rupp eintrifft, nutzen einige Kinder die Gelegenheit und toben durch den großen Saal – schließlich muss die überschüssige Energie ja irgendwohin. Andere schnattern vergnügt miteinander.

Gesang wieder im Trend: „Es macht mir einfach Spaß“

Fragt man Lotta, warum sie hier mitsingt, muss sie nicht lang überlegen. „Es macht mir einfach Spaß“, antwortet die Zehnjährige. Sie kann sich vorstellen, später einmal Sängerin zu werden. Die gleichaltrige Sarina singt im Kinderchor am liebsten „Der Kuckuck und der Esel“. Mia, neun Jahre alt, freut sich, dass sie „die Stimme trainieren kann“ und die elfjährige Carlotta meint: „Ich find’ es schön, in einer großen Gruppe zu singen.“ Chorgesang liegt offenbar wieder im Trend – auch mehrere Jungs machen mit.

Jürgen Rupp aus Herrieden hat Erfahrung damit, bei Kindern die Freude am Singen zu wecken. Der 51-Jährige hat schon diverse Kinderchöre geleitet und gibt auch Instrumentalunterricht. Der Posaunenchor hat ihn bereits zum dritten Mal für ein Kinderchor-Projekt engagiert.

Einsingen mit „Ma-me-mi-mo-mu“

Zu Beginn der einstündigen Probe spielt er ein Musikvideo ab. „Zum Runterkommen“, sagt er. Und offenbar wirkt es. Die Kinder hören zu und werden langsam ruhiger. Bevor es richtig losgehen kann, muss die Lunge trainiert werden. Jürgen Rupp zählt laut mit. „Bis vier müsst ihr einatmen, dann die Luft anhalten, bis ich sechs sage“, erklärt er. Mit einem „Ssssss“ wird ausgeatmet. Danach folgen Stimmübungen zum Einsingen. „Ma-me-mi-mo-mu“ ertönt es aus vielen Kinderkehlen.

Seit dem vergangenen Treffen hatten zwei Kinder Geburtstag – das schreit nach einem Ständchen. Die beiden dürfen vorne Platz nehmen und zuhören. Jürgen Rupp sagt den Text vor: „Heute feiern wir, hurra! Lassen’s krachen, das ist klar. Denn du bist unser Ehrengast, weil du ja heut’ Geburtstag hast.“ – „Ich hatte am Sonntag“, widerspricht das Geburtstagsmädchen. „Das passt schon“, entgegnet Rupp gelassen. „Wir feiern ja heute.“

Auf dem Klavier spielt er die Melodie vor, und die Kinder singen mit. Obwohl das Lied neu ist, klingt es schon sehr stimmig. Dann folgt „Der Kuckuck und der Esel“, auch da ist die quirlige Schar text- und tonsicher. „Ganz toll – ihr habt euch viel merken können über die Ferien“, lobt der Chorleiter.

Das Einlaufen soll professionell aussehen

Bisher haben sie von ihren Plätzen aus gesungen – jetzt geht’s auf die Bühne. Auch das Einlaufen muss geübt werden, schließlich soll es professionell aussehen. Und es gilt einiges zu beachten: Die Notenmappe wird nicht durch die Luft gewedelt, sondern unterm Arm getragen, und die Kinder der zweiten Reihe betreten die Bühne zuerst – ist doch klar.

Der Gesang soll schön sein, aber trotzdem laut genug. „In der letzten Reihe sitzt der Opa mit dem Hörgerät – der muss euch auch hören“, verdeutlicht Rupp. Beim dritten Chorprojekt steht – passend zur Jahreszeit – auch ein Frühlingslied auf dem Programm: „Nun will der Lenz uns grüßen“. Die erste Strophe sei schon ganz gut, so Rupps vorläufiges Urteil. Die zweite klingt noch etwas schwächer, da kann man ansetzen.

Alle drei Wochen kommt ein neues Lied dazu

Dann folgt ein englisches Lied: „Firefly shining in the sky“. Das „Firefly“ ist knifflig, Rupp ist noch nicht zufrieden. „Den Ton schön halten“, fordert er die jungen Sänger auf und lässt sie die Stelle wiederholen. „Versucht, ein bisschen Spannung im Bauch zu halten, damit der Ton nicht abdüst.“

Etwa alle drei Wochen kommt ein neues Lied dazu, erzählt Rupp. So entsteht ein kleines, aber feines Repertoire. Als krönender Abschluss der Proben im Mai ist ein Konzert im Haus der Bäuerin geplant – zusammen mit den Großen vom Gesangverein 1910 Sachsen. Er unterstützt das Chorprojekt, ebenso wie die Gemeinde. „Klar erhoffen wir uns, dass sich in Sachsen ein Kinderchor fest etabliert“, bekundet die zweite Vorsitzende Monika Rauh. Die Zahlen sprechen jedenfalls dafür: Aus den zehn Kindern vom ersten Chorprojekt sind im dritten bereits 28 geworden.

Zum Üben für den großen Auftritt bleibt in den nächsten Wochen noch genug Zeit. Für diesmal ist die Probe beendet, und so schnell, wie die Nachwuchssänger den Saal mit ihren melodischen Stimmen erobert haben, kehrt auch wieder Stille ein – bis zum nächsten Mal.


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
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