Weihnachten mit Sonat Vox in Windsbach | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.12.2025 12:00

Weihnachten mit Sonat Vox in Windsbach

Höchste Chorkultur: Sonat Vox unter der Leitung von Justus Merkel beim Weihnachtskonzert in der Windsbacher Stadtkirche (Foto: Elke Walter)
Höchste Chorkultur: Sonat Vox unter der Leitung von Justus Merkel beim Weihnachtskonzert in der Windsbacher Stadtkirche (Foto: Elke Walter)
Höchste Chorkultur: Sonat Vox unter der Leitung von Justus Merkel beim Weihnachtskonzert in der Windsbacher Stadtkirche (Foto: Elke Walter)

Kunst und Kitsch, Publikumserwartungen und künstlerischen Anspruch in Balance zu bringen, das ist nirgends so schwer wie bei Weihnachtskonzerten. Denn Besten gelingt es. Am Samstag gab Sonat Vox ein Weihnachtskonzert in der Windsbacher Stadtkirche.

Weil sich vor zehn Jahren Mitglieder des Windsbacher Knabenchores zusammengetan haben, um nach ihrer Schulzeit als Sonat Vox gemeinsam weiterzusingen, war der Auftritt in Windsbach eine Art Rückkehr zu den Anfängen, zum Ursprung. Das war das Konzertprogramm auch.

Schwerpunkt auf zeitgenössischer Chormusik

Justus Merkel, der das Ensemble 2015 gegründet hat und bis heute leitet, hatte elf Chorstücke ausgewählt, sechs davon waren von Zeitgenossen aus den USA, Österreich, Deutschland und Norwegen. Allesamt sind diese keine avantgardistischen Provokateure, sondern Komponisten mit chorpraktischer Erfahrung und Gespür, wie sich Eingängigkeit und Kunstfertigkeit verbinden lassen.

Mitunter scheinen ihre Stücke so bildhaft und episch im Gestus, dass sie fürs Kino gedacht sein könnten. Vordergründig wirkten sie nie. Das mag anderswo so sein, aber nicht bei Sonat Vox. Justus Merkel und sein Ensemble nahmen ihr Publikum mit auf einem Weg vom Dunkel zum Licht, von der Erwartung der Ankunft Christi bis hin zur Krippe.

„Alleluia” von Eric Whitacre gab den Grundton an, einen wie für eine liturgische Handlung, einen der auf Glauben, Andacht und machtvolle Lobpreisung gestimmt ist – selbst wenn alles dagegen spricht: „Even When He is Silent”, selbst wenn Gott schweigt, wie es in Kim André Arnesens gleichnamiger Motette heißt.

Justus Merkel leuchtete mit seinem Chor die Werke minutiös aus. Er tat das sehr wortklar, farbbewusst, dynamisch und mit intensiver Binnenspannung. Weil das Licht eines der zentralen Symbole der Weihnachtsgeschichte ist, war es eine kluge Entscheidung, zum Männerchor fünf Sängerinnen dazuzunehmen. Sie überglänzten den dunkel-warmen Ensembleklang.

Mit Bach an der Krippe

Dass auf Kim André Arnesens Bekenntnismusik aus dem Jahr 2011 am Ende direkt der Bach-Choral „Ich steh an deiner Krippe hier” folgte, wirkte zunächst wie ein harter Bruch.

Aber so, wie Justus Merkel den Choral mit Sonat Vox interpretierte, enthüllte er sich nach und nach als etwas anderes. Als Sonat Vox am Ende den Satz aus Bachs Weihnachtsoratorium sang, war das, als hätte dieses Ensemble in diesem Moment eine andere Dimension erreicht: als sei es am Stall angekommen und habe das Weihnachtswunder vor Augen und Ohren. Selten gelingt dies so eindringlich.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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