Die Gerüchteküche im Ort hatte bereits gebrodelt, in der Gemeinderatssitzung ließ Bürgermeister Werner Wirth (SPD) nun ganz offiziell die Katze aus dem Sack: Günter Schuler stellt den Betrieb des Einkaufsmarkts ein.
Die Bürgerinnen und Bürger werden aber auf die Einkaufsmöglichkeit nicht verzichten müssen. Zum 1. September übernimmt die Gemeinde den Nahversorger und gründet dafür eigens eine Unternehmergesellschaft mit begrenzter Haftung (UG). Den dafür nötigen Beschluss hatte der Gemeinderat bereits vor Wochen gefasst. Das Votum fiel einstimmig aus, wofür Wirth sich dankbar zeigte. „Die Nahversorgung als wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge wollen wir nicht wieder aufgeben, sondern unbedingt erhalten“, sagte Wirth. Schön, dass man sich einig sei.
Einziger Anteilseigner der UG wird künftig die Gemeinde sein, die Geschäftsführung übernimmt der Bürgermeister. Ein neuer Name für das Geschäft, das aktuell „Frischemarkt Schuler“ heißt, wird noch gesucht. Das Personal inklusive Filialleitung bleibt aber vollständig an Bord. „Wir sind froh, dass uns die erfahrenen Kräfte erhalten bleiben“, so Wirth. Zunächst kommt die Ware voraussichtlich weiterhin von Edeka. Man habe aber auch Angebote von anderen Großhändlern.
Aktuell liefen Gespräche mit Edeka, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu gewährleisten, erläuterte Wirth: „Für die kassentechnische Umstrukturierung benötigen wir einen gewissen Vorlauf und haben deshalb den Termin im Herbst gewählt.“ Auch den Bäckereiverkauf übernimmt die neue UG. Die Backwaren wird allerdings künftig nicht mehr Schuler, sondern die Bäckerei Merkel aus Ipsheim liefern. Die Landmetzgerei Albrecht aus Unternbibert betreibt ihre Filiale weiter.
Bürgermeister Werner Wirth weiß bereits seit sechs Wochen Bescheid. Gerechnet hatte er mit Schulers Entscheidung allerdings nicht, demzufolge war es nach eigenen Angaben ein Schock für Wirth, als der Anruf kam. Als Grund für die Entscheidung nannte Schuler unserer Zeitung die wirtschaftliche Situation. „Dauerhaft rechnet der Laden sich nicht“, sagte er. Seit der Planungs- und Konzeptionsphase seien die Energiepreise stark gestiegen. Damit habe man so nicht gerechnet: „Und es fehlt einfach an Umsatz.“
Günter Schuler hatte den Markt am Ortseingang erst im Februar 2023 eröffnet. Dafür hatte die Gemeinde eine ehemalige Halle der Firma Stechert umgebaut und ließ sie den Wünschen des Einzelhandelsunternehmens entsprechend herrichten. Insgesamt steckte die Gemeinde über 1,5 Millionen Euro in das Projekt – eine hohe Summe für eine kleine Kommune mit rund 1300 Einwohnern. Die Nahversorgung in Trautskirchen sicherzustellen, wo es vorher mehrere Jahre lang keinerlei Einkaufsmöglichkeiten gegeben hatte, war es Bürgermeister und Gemeinderat jedoch wert, sich finanziell weit aus dem Fenster zu lehnen.
Mit 600 Quadratmetern sind die Räumlichkeiten eher klein. Ob ein Markt in dieser Größe in einer kleinen Landgemeinde auf Dauer Erfolg haben würde – dahinter hatte von Anfang an ein Fragezeichen gestanden. Der Mietvertrag wurde daher für eine Laufzeit von fünf Jahren geschlossen. Schuler hatte durchblicken lassen, dass er den Weiterbetrieb nach 2028 von den Umsatzzahlen abhängig machen werde.
Nun wird schon nach anderthalb Jahren Schluss sein. Dafür muss die Gemeinde den Betreiber vorzeitig aus dem Mietvertrag entlassen. Entsprechende Gespräche laufen. Auch über eine Ablöse des Warensortiments und des Anlagevermögens wird verhandelt. „Wir gehen nicht im Bösen auseinander“, sagte Schuler. „Auch wir haben viel in den Markt investiert und stehen weiterhin beratend zur Verfügung.“
Um das Konzept zukunftsfähig zu machen, hat sich Bürgermeister Wirth als Experten Wolfgang Gröll vom Bundesverband der Bürger- und Dorfläden ins Boot geholt. „Mit der Hilfe von Herrn Gröll möchten wir den Übergabeprozess meistern und auch ein paar Schwächen ausmerzen“, kündigte er an. Auf dem Prüfstand stünden beispielsweise Sortiment und Öffnungszeiten. „Wir haben uns die Zahlen bereits geben lassen und werden das Angebot dem konkreten Bedarf anpassen.“
Aktuell ist montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Ob es dabei bleibt, steht aber noch nicht fest. Auch was passiert, wenn der Markt sich trotz der Umstrukturierung nicht dauerhaft selbst trägt, bleibt zu klären.