Schüler in Scheinfeld ist „Ärzte ohne Grenzen“-Botschafter | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 21.01.2024 12:21

Schüler in Scheinfeld ist „Ärzte ohne Grenzen“-Botschafter

Maurice Thäter, der eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, hielt einen Vortrag zum Thema „Ärzte ohne Grenzen“. (Foto: Ute Niephaus)
Maurice Thäter, der eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, hielt einen Vortrag zum Thema „Ärzte ohne Grenzen“. (Foto: Ute Niephaus)
Maurice Thäter, der eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, hielt einen Vortrag zum Thema „Ärzte ohne Grenzen“. (Foto: Ute Niephaus)

Für Maurice Thäter ist es eine Herzensangelegenheit, über die Arbeit von „Ärzte ohne Grenzen“ zu berichten, die nach eigenem Bekunden in mehr als 70 Ländern aktiv sind. Er spendet schon seit Jahren Geld und ist inzwischen als ehrenamtlicher Botschafter für die Hilfsorganisation aktiv. Am Zentrum für Pflegeberufe in Scheinfeld, wo er selbst Schüler ist, hielt er einen informativen Vortrag.

Eingeladen waren auch diejenigen, die das Staatliche Berufliche Schulzentrum Scheinfeld (BSZ) besuchen. Was bewog den inzwischen 23-Jährigen, sich mit der Arbeit der 1971 gegründeten privaten Hilfsorganisation Médecins sans Frontières (MSF) zu beschäftigen, die in Krisen- und Kriegsgebieten tätigt ist, aber auch nach Naturkatastrophen humanitäre medizinische Nothilfe leistet?

Fünfmal gestorben, fünfmal ins Leben zurück

Der medizinische Bereich interessierte den in Breitenau (Gemeinde Obernzenn, Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) lebenden jungen Mann schon immer. Nach dem Abschluss der Mittelschule, machte er noch sein Abitur. Er schloss so gut ab, dass er einen Medizinstudienplatz erhielt. Nach einiger Zeit brach er das Studium jedoch ab. Er merkte, dass er dafür noch zu jung ist, es weiterer Erfahrung bedarf. Dann kam der Tag, der sein Leben auf tragische Art und Weise veränderte. Es gab einen schweren Unfall. „Dieser hat meine Familie zerrissen“, sagte Maurice Thäter. Ärzte und Pflegekräfte kämpfen um sein Leben. Gut drei Monate musste er in der Klinik bleiben. „Ich bin fünf mal gestorben und fünf Mal ins Leben zurückgekommen.“

Das ist für ihn ein großes Geschenk. „Ich verdanke der medizinischen Nothilfe mehrfach mein Leben. Ich stehe jetzt nur deshalb hier, weil ich in einem Land lebe, in dem die Struktur der medizinischen Nothilfe gut ausgebaut und verfügbar ist“, betont er.

Ausbildung zur Pflegefachkraft

Für ihn stand eines fest: „Ich will anderen Menschen helfen.“ Das Medizinstudium nahm er nicht wieder auf. Dass er es eventuell später einmal tun wird, wenn er mehr Erfahrung gesammelt hat, will er nicht ausschließen. Im zweiten Jahr absolviert er nun am Zentrum für Pflegeberufe in Scheinfeld eine dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft. „Ich habe mich bewusst dafür entschieden.“ Die vielen praktischen Erfahrungen, die Menschlichkeit und die mit der Ausbildung verbundenen Weiterbildungschancen begeistern ihn. Die Intensiv- und Notfallstation und der OP-Bereich interessieren ihn besonders.

In seiner Freizeit engagiert er sich zudem bei der Freiwilligen Feuerwehr in Obernzenn. Er ist Atemschutzträger und in der Kinderfeuerwehr aktiv – und dann ist da noch sein Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“. So wie man ihm nach seinem Unfall half, so sollte auch Menschen in anderen Ländern, in Krisen- und Kriegsgebieten Hilfe zuteil werden, stellt er fest. Genau das tun die dort weltweit wirkenden 35.000 Mitarbeitenden. Die Hilfsorganisation agiert gemäß ihr Leitlinien und Prinzipien neutral, unabhängig und unparteiisch. „Das ist auch unser Leitbild für die Pflege“, betont Thäter.

Doch anders als hierzulande, müssten Mediziner, Pflegekräfte und Hebammen, die sich bei „Ärzten ohne Grenzen“ verpflichten, in den Einsatzgebieten, wo nicht selten ihr eigenes Leben in Gefahr ist, oft nur mit einfachsten Hilfsmitteln auskommen. Für ihn ist deshalb eines wichtig. „Wir müssen die Grundlagen der Pflege beherrschen.“

Zuhörer spenden spontan 120 Euro

Da sich die Hilfsorganisation nahezu vollständig aus privaten Spenden finanziert, rief deren ehrenamtlicher Botschafter die Zuhörer dazu auf, etwas in die aufgestellte Box zu werfen. 120 Euro kamen zusammen. Damit könne man einiges erreichen, freut sich der Referent, der sich weiter engagieren will, damit möglichst vielen Menschen geholfen werden kann – egal, wo sie leben.

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