Schulsanierung oder ein Neubau? Das war am Mittwoch die Frage, als sich rund 50 Ratsmitglieder der vier Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Diespeck in der Schulaula trafen. Die Entscheidung fiel schließlich für den Neubau, der insgesamt rund 35 Millionen Euro kosten könnte. 2029 will man fertig sein.
Die Sanierungskosten des bisherigen Gebäudes lägen bei 23 Millionen Euro, hieß es bei der gemeinschaflichen Sitzung der Räte von Diespeck, Baudenbach, Gutenstetten und Münchsteinach in der Diespecker Schulaula. Unter anderem wegen Brandschutzauflagen war das Thema überhaupt akut geworden. Ein großes Problem bei einer Sanierung sei die Überbrückung der Bauzeit. Es müssten Container aufgestellt werden, die ebenfalls ihren Preis haben, erläuterte Planer Jochen Hinz.
Ungeklärt blieb am Mittwochabend jedoch der neue Schulstandort. Spekuliert wird über einen Platz auf „der grünen Wiese” nahe dem Sport- und Gemeindezentrum. Bis Ende 2029 soll das Gebäude bezugsfertig sein, um die Fördermittel, die bei rund 70 Prozent lägen, in Anspruch nehmen zu können.
Egal ob Sanierung oder Neubau: Es ist das teuerste Projekt in der Geschichte der Verwaltungsgemeinschaft und ein Meilenstein der Gemeinschaftsmaßnahmen der vier Kommunen. Diespeck könnte dieses Projekt niemals alleine stemmen, hieß es, obwohl die Gemeinde nomiell Eigentümerin der bestehenden Schule ist.
Auch Schulrektor Ulrich Schöttle und seine Stellvertreterin Anja Held waren anwesend und sprachen sich für einen Neubau aus. Der Unterricht in einer Großbaustelle über Jahre hinweg sei weder für Schüler noch für Lehrer zumutbar, befand auch der Baudenbachs Rat Werner Weglehner. Er wollte die Entscheidung nicht verschieben. Bürgermeister Wolfgang Schmidt (Baudenbach) und der Schulverbandsvorsitzende Gerhard Eichner (Bürgermeister von Gutenstetten) sprachen sich ebenfalls für diese Lösung aus. „Wir sind gebrannte Kinder in Bezug auf Sanierungen”, sagte Diespecks Bürgermeister Helmreich. Robert Rabenstein (Diespeck) fand, man debattiere schon lange genug.
Spekuliert wurde tatsächlich schon seit geraumer Zeit, wobei angesichts klammer Gemeindefinanzen in der Bevölkerung nicht selten die Sinnfrage gestellt wurde: „Die Schule ist doch noch gut, wozu neu bauen?” Nun – begonnen hatte die Diskussion mit der gesetzlich vorgeschriebenen Ganztagesbetreuung, die bis 2029 für alle Schülerinnen und Schüler gewährleistet sein muss, erinnerte am Mittwochabend Diespecks Bürgermeister Markus Helmreich. Für diese hätte man zusätzlich eine Mensa anbauen müssen – angesichts der Platzverhältnisse kein einfaches Unterfangen und zudem auch nicht ganz billig: Rund drei Millionen Euro habe man veranschlagt.
Hinzu kommt: Die bestehende Schule ist nicht mehr taufrisch. Bei einem Rundgang mit Hausmeister Christian Bauer wurden den Versammlungsteilnehmern zahlreiche Mängel präsentiert. Die Grundschule stammt aus dem Jahr 1965 und die Mittelschule wurde Anfang der 80er Jahre fertiggestellt. Planer Jochen Hinz informierte ausführlich über Details einer Bestandsanalyse seines Ingenieurbüros. Danach waren sich die meisten Anwesenden einig, was Baudenbachs Bürgermeister Wolfgang Schmidt folgendermaßen zusammenfasste: Eine Sanierung wäre eine Investition in einen „toten Standort”.
Siegfried Faust (Gemeinderat aus Gutenstetten) meldete allerdings auch Bedenken bezüglich des Neubaus an: „Es wird eine Wundertüte an Kosten werden.” Kurt Endlein vom Diespecker Bürgerforum kleidete seine Bedenken in eine Frage: „Was ist, wenn uns das Geld ausgeht?”. Doch letztlich überwogen der fehlende Brandschutz, der nicht vorhandene Rettungsweg, die marode Heizung, die nicht mögliche Barrierefreiheit, die miserable Parksituation sowie der schlechte energetische Zustand des bestehenden Gebäudes, um Hartmut Tanzbergers (CSU Diespeck) Auffassung mehrheitsfähig zu machen: Zu viele Sanierungsprojekte seien ihm zufolge in der Vergangenheit gescheitert. „Ich will keine Bauchlandung”, sagte Tanzberger, nur ein Neubau sei sinnvoll.
Nach einer dreistündigen Sitzung wurde bei acht Gegenstimmen entschieden, die Schule für rund 35 Millionen Euro neu zu bauen. Die Gemeinden Münchsteinach und Baudenbach stimmten geschlossen dafür, in Diespeck scherte das Bürgerforum aus – in erster Linie aus Kostengründen. Vom Gutenstettener Rat waren drei Gremiumsmitglieder gegen den Neubau. Eine davon, die Grünen-Gemeinderätin Ursula Pfäfflin-Nefian, hatte sich dafür ausgesprochen, die Entscheidung den neugewählten Bürgermeistern und Räten zu überlassen, die im Mai ihren Dienst antreten. VG-Kämmerer Timo von Westberg, stellte allerdings klar, dass ein Entschluss nötig sei, denn eine Teil-Förderung von 425.000 Euro würde man bei einem weiteren Aufschub aufs Spiel setzen.
Natürlich wurde auch die Frage gestellt, was aus dem bestehenden Schulgebäude werden soll. Der Planer erklärte, dass es für Wohnraum ungeeignet sei. Entweder könnten Büros darin entstehen oder es werde abgerissen.
Kämmerer Timo von Westberg erklärte abschließend jene Finanzierung, inklusive der Zinsen, die an den beteiligten Kommunen hängen bleiben wird. Demnach wird Diespeck rund 13,4 Millionen Euro übernehmen müssen, für Münchsteinach fallen rund vier Millionen an, Gutenstetten wird sich mit etwa 4,3 Millionen und Baudenbach mit rund 4,5 Millionen Euro beteiligen müssen – jeweils abhängig von den Schülerzahlen.