Nach knapp zwei Monaten war es am Mittwoch endlich so weit: Mäusebussard „Malu” durfte wieder in die Freiheit. Der große Augenblick war der emotionale Höhepunkt einer dramatischen Rettungsaktion. Mitte Januar hatte eine Diespecker Familie den Greifvogel abgemagert und geschwächt im Gestrüpp aufgefunden.
Es ist purer Zufall, dass Malu noch am Leben ist. Nina Möhring ging mit ihrem Hund Ceva und den beiden Kindern Marie und Lukas auf der gewohnten Strecke am Stockentenweg in Diespeck entlang spazieren. Plötzlich zog der Hund an der Leine in Richtung eines Gestrüpps am Waldrand. Marie, die siebenjährige Tochter, entdeckte in einem verwucherten Brombeerbusch einen Greifvogel. Der hatte sich darin verfangen. Das Mädchen rannte sofort zu dem Greifvogel, Mutter Nina Möhring befreite das Tier mit äußerster Vorsicht. Der Greifvogel wurde sofort Malu getauft, da die Anfangsbuchstaben der Kinder Marie und Lukas lauten.
Zufällig kam noch eine Spaziergängerin vorbei, die den Greifvogel behutsam mit ihrem eigenen Pullover aufwärmte. Dann ging alles ganz schnell: den Vogel in einen Wäschekorb gelegt und ab nach Hause. Nina Möhring verständigte die Polizei, diese stellte den Kontakt mit der Greifvogelauffangstation in Krautostheim her. Eingepackt in zwei Waschkörben ging es für Malu auf die Reise in den Sugenheimer Ortsteil. Im „Palmenhorst”, so heißt das Quartier, wurde der Mäusebussard liebevoll aufgepäppelt. Äußere Verletzungen waren nicht zu sehen.
Das Tier war völlig abgemagert und zu schwach zum Fliegen. Es dauerte mehr als sechs Wochen, ehe „Malu” nun wieder die Freiheit genießen darf. Zahlreiche Infusionen waren nötig, damit das Tier wieder zu Kräften kam. Der Moment der Freilassung sei immer sehr emotional, erklärten Pflegerin Maria Auer und Pfleger Danilo Batz sowie die Auszubildende Katja Ebert. Sie alle haben „Malu” ins Herz geschlossen und liebevoll gepflegt.
„Natürlich freuen wir uns, wenn die Tiere wieder gesund und bei Kräften sind, aber ein bisschen Wehmut ist eben auch dabei, wenn es heißt, Abschied zu nehmen”, sagten die drei Tierliebhaber. Auch Nina Möhring mit ihren Kindern Marie und Lukas sowie Oma Anke Kettner zeigten sich sehr bewegt, freuten sich aber, als Malu die Flügel ausbreitete und ganz langsam losflog. Er legte nach kurzer Zeit, so konnte man beobachten, schon eine Rast auf einem Baum ein.
Die Vogelexperten setzen die Tiere meist dort aus, wo sie aufgefunden wurden. Das war in Malus Fall in Diespeck am Stockenentenweg. Zwei weitere Mäusebussarde hatten sie aber am Mittwoch noch zusätzlich in Boxen dabei. Sie wurden allerdings in der Rhön verletzt aufgefunden und in Krautostheim gesund gepflegt. Der Weg nach Unterfranken sei aber etwas zu weit, sagte Maria Auer. Im Radius von 50 Kilometern werden die Greifvögel jedoch immer an den Orten des Auffindens wieder ausgesetzt, sagte Auer. So durften alle drei Tiere in Diespeck zurück in die Freiheit. Da sagte auch Batz emotional: „Gute Reise, ihr Lieben.”