MVZ für Haus- und Zahnärzte: Herrieden will ein Gesundheitszentrum bauen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 06.03.2026 12:06

MVZ für Haus- und Zahnärzte: Herrieden will ein Gesundheitszentrum bauen

Im neuen Baugebiet Schrotfeld wäre Platz, die Stadt Herrieden hält ein Grundstück frei: Direkt an der Hohenberger Straße könnte ein Gesundheitszentrum entstehen.  (Foto: Florian Pöhlmann)
Im neuen Baugebiet Schrotfeld wäre Platz, die Stadt Herrieden hält ein Grundstück frei: Direkt an der Hohenberger Straße könnte ein Gesundheitszentrum entstehen. (Foto: Florian Pöhlmann)
Im neuen Baugebiet Schrotfeld wäre Platz, die Stadt Herrieden hält ein Grundstück frei: Direkt an der Hohenberger Straße könnte ein Gesundheitszentrum entstehen. (Foto: Florian Pöhlmann)

In einer der letzten Stadtratssitzungen unter ihrer Führung präsentierte die scheidende Bürgermeisterin Dorina Jechnerer ein richtungweisendes Projekt: Die Stadt sucht für ein interdisziplinäres medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einen Träger.

Aktuell ist die ärztliche Versorgung nach offizieller Lesart sichergestellt. Der Versorgungsgrad für den Planungsbereich Ansbach-Süd, zu dem Herrieden gehört, lag im Februar diesen Jahres bei rund 93 Prozent. Damit gilt der Bereich nach der Definition der Bedarfsplanungs-Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses als regelversorgt. Allerdings stellt sich die Lage in einigen umliegenden Regionen wie Ansbach-Nord (79,8 %), Feuchtwangen (73,8%) und Wassertrüdingen (75,6%) deutlich schlechter dar. „Unsere Mediziner spüren den Druck. Viele Patienten sind auf der Suche nach Ärzten”, führt die Bürgermeisterin aus.

Bürgermeisterin streckte die Fühler aus

Zudem sind die deutschlandweiten Prognosen wenig optimistisch: Bis 2035 scheiden rund 12.000 Hausärzte aus dem Berufsleben aus. Obendrein sind nach einer von der Stadt veröffentlichten Statistik 24 Prozent der Ärzte (Stand 2023) in Deutschland bereits im Angestelltenverhältnis tätig.

Aus diesen Gründen hatte Herriedens Bürgermeisterin Dorina Jechnerer bereits kurz nach ihrem Amtsantritt 2020 erste Gespräche mit Medizinern aufgenommen, um den aktuellen Stand und künftige Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Ende 2024 wurden diese Gespräche erneut aufgenommen und intensiviert, ehe der Stadtrat im April vergangenen Jahres mit einer Klausur tiefer in die Materie einstieg. Es geht dabei um nicht weniger als die „nachhaltige Sicherstellung einer bedarfsgerechten und wohnortnahen hausärztlichen Primärversorgung” in der Stadt.

Dazu will die Stadt nun Nägel mit Köpfen machen: Inzwischen hat das Herrieder Kommunalparlament die Verwaltung beauftragt, eine Ausschreibung für die „Trägerschaft eines Gesundheitszentrums“ zu veröffentlichen. Diese Ausschreibung wurde bereits veröffentlicht und ist auf der Internetseite der Stadt nachzulesen.

Grundstück schon im Blick

Gesucht werden für ein interdisziplinäres MVZ Mediziner „für die Bereiche Zahnmedizin und/oder hausärztliche Versorgung”. Konkret geht es um Personen, die das Versorgungszentrum „in eigener Trägerschaft betriebsführend übernehmen”, lautet die Vorlage. „Intensive Vorgespräche” mit möglichen Bewerberinnen und Bewerbern habe es bereits gegeben, bestätigt die Bürgermeisterin. Auf Wunsch der Mehrheit des Stadtrates wurde im Hinblick auf maximale Transparenz eine verlängerte Bewerbungsfrist bis zum 30. April festgesetzt. Mögliche Betreiber sollen sich mit der Bürgermeisterin oder Geschäftsleiterin Anja Schwander in Verbindung setzen.

Dabei sehen die Überlegungen des Rates, vereinfacht dargestellt, vor, selbst ein Gebäude für das MVZ bauen zu lassen und die Immobilie in der Folge langfristig an Mediziner zu vermieten. Das passende Grundstück für das künftige Gesundheitszentrum hat die Stadt bereits in eigenem Besitz: Das MVZ soll nach den Ausführungen der Bürgermeisterin im neuen Wohngebiet Schrotfeld 15.4 direkt an der Hohenberger Straße entstehen. Als Betreiber des MVZ will die Stadt nicht auftreten. „Da sind sich alle einig”, sagt die Bürgermeisterin.

Gründung eines Kommunalunternehmens?

Grundsätzlich würde es der Stadtrat begrüßen, das Gesundheitszentrum in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister BayernGrund entstehen zu lassen. Die Kooperation mit der Grundstücksbeschaffungs- und Erschließungs-Gesellschaft, die bayerische Kommunen bei der Baulandentwicklung, Stadtentwicklung und Erschließung unterstützt, hatte sich bereits bei der Umsetzung des Baugebiets Schrotfeld bewährt. Dabei handelt es sich allerdings noch um keinen Beschluss.

Erst im Herbst diesen Jahres soll der dann neu gewählte Stadtrat darüber beraten, ob zur Umsetzung dieses Projekts ein eigenes Kommunalunternehmen gegründet wird. Aus dem laufenden Haushalt, der einen deutlichen Rückgang der Gewerbesteuer zu verzeichnen hat, wird dieses Millionen-Projekt nicht zu stemmen sein, ließ Jechnerer durchblicken.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
north