Ralf Schumacher hat ein vernichtendes Urteil über den Formel-1-Standort Deutschland gefällt. „Der deutsche Motorsport hat sich selbst abgeschafft. Das fing schon mit dem Naturschutz an, dass wir keine Kartbahn mehr genehmigt bekommen oder weiterbetreiben durften“, meinte der frühere Formel-1-Pilot bei einer Presserunde des TV-Senders Sky. Das sei dann etwa so, als ob man die Fußballplätze in Deutschland abschaffe und dennoch weiter davon ausgehe, einen Verein wie den FC Bayern München zu haben.
„Wir werden in absehbarer Zukunft keine Formel-1-Fahrer haben, es sei denn der hat Geld genug und schafft es in Italien Kart zu fahren so wie die meisten, die wirklich Geld haben“, erläuterte der Bruder von Rekordweltmeister Michael Schumacher weiter. Dann müsste sich das Talent aber auch direkt gegen die Besten behaupten. „Das geht nur im italienischen Kartsport.“
Schumacher fuhr selbst von 1997 bis 2007 in der Königsklasse des Motorsports und gewann dabei sechs Grand Prix. Sein Bruder Michael wurde sogar siebenmal Weltmeister. Einen Grand Prix in Deutschland gab es letztmals 2020 auf dem Nürburgring, das war aber auch nur eine Ersatzveranstaltung wegen der Corona-Pandemie. In Nico Hülkenberg (Audi) ist ein deutscher Stammfahrer übriggeblieben.
„Man muss heute gewinnen. Nicht gewinnen reicht nicht, weil die Formel 1 nur für die Topfahrer ist“, sagte Sky-Experte Schumacher auch vor dem Hintergrund des Rückzugs von Tim Tramnitz. Der Deutsche war ein Talent, zieht sich aber nun aus dem Formelsport zurück und wechselt in die GT-Serie zu BMW. Sein weiterer Weg aus der Formel 3 vielleicht einmal in die Formel 1 sei „in Anbetracht der millionenschweren Budgets nur schwer“ zu finanzieren, hatte der 21-Jährige zuletzt gesagt.
„Im Idealfall gewinnt man die Formel 3 und in Windeseile auch die Formel 2, um überhaupt an die Teams ranzukommen, dass sie einen sehen“, beschrieb Schumacher den Weg eines Motorsport-Talents in Richtung Formel 1. Er bezifferte die Kosten für so einen Aufstieg auf insgesamt rund 15 Millionen Euro.
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