„Horrorszenario”: Götz kritisiert nach schwerem Unfall in Bathurst die Rennleitung | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.02.2026 16:14

„Horrorszenario”: Götz kritisiert nach schwerem Unfall in Bathurst die Rennleitung

Maximilian Götz schnallt seinen Helm fest. (Foto: Gruppe C Photography)
Maximilian Götz schnallt seinen Helm fest. (Foto: Gruppe C Photography)
Maximilian Götz schnallt seinen Helm fest. (Foto: Gruppe C Photography)

Als in Forrest's Elbow zwei Rennwagen in tausend Teile zerfetzten, stockte allen Beobachtern der Atem. Der schwere Unfall von Ralf Aron, Teamkollege des Uffenheimers Maximilian Götz, bei den 12 Stunden von Bathurst sorgte für große mediale Aufmerksamkeit. Auch Götz zeigt sich emotional, gleichzeitig aber auch professionell.

Nachdem der erste Schock verdaut war, habe er die privaten Sachen seines Teamkollegen zusammengesammelt und ins Krankenhaus gebracht, erzählt Götz. Der 40-Jährige, der seit seinem Teenager-Alter Rennen fährt, habe auch schon tödliche Unfälle miterlebt, „aber der hier war sehr emotional. Das war ein Kollege, der mit auf deinem Auto sitzt. Wir haben eine Woche lang zusammen in Australien gewohnt. Da hat man sich natürlich Gedanken gemacht”.

Ralf Aron kracht ungebremst auf ein stehendes Auto

Aron war beim Auftaktrennen der Intercontinental GT Challenge auf einem sehr unübersichtlichen Streckenabschnitt des Mount Panorama Circuit ungebremst in ein gestrandetes Auto gefahren. Beide Rennwagen wurden zerstört. Der Mercedes-AMG GT3 von Aron fing Feuer.

Unter großen Schmerzen kämpfte er sich aus seinem Wrack und kroch auf allen Vieren – absolut lebensgefährlich – quer über die Rennstrecke und über die Begrenzungsmauer in Sicherheit. Der AMG-Werksfahrer-Kollege von Götz brach sich zwei Rückenwirbel und muss zwei Wochen im Krankenhaus in Australien bleiben. „Ralf meinte, der Aufprall habe sich angefühlt, als ob jemand mit einem Hammer aufs Genick schlägt.”

Probleme mit dem Funk bei Craft Bamboo Racing

Der Uffenheimer spricht von einem „Horrorszenario”, als er die Sekunden vor und nach dem Crash beschreibt. Er bestätigt auch, was bereits während der Liveübertragung spekuliert worden war: Es gab Probleme mit dem Funk, Aron konnte Durchsagen machen, er hörte jedoch nicht, was ihm sein Team durchfunkte. „Wir konnten ihn nicht warnen. Das ist das Allerschlimmste, wir waren völlig hilflos.”

So spielten sich auf der als sehr gefährlich bekannten Rennstrecke unwirkliche Bilder ab. Aron führte im AMG des Teams Craft Bamboo Racing das Feld an, als das Rennen nach nicht ganz acht der zwölf Stunden nach einer Safety-Car-Phase neu gestartet wurde. In Bathurst dürfen vor einem Restart alle bereits überrundeten Fahrzeuge die Autos in der Führungsrunde überholen und können dann mit Vollgas versuchen, hinten wieder aufzuschließen.

Jeder wusste, dass es gleich krachen würde

Kurz nachdem das Rennen wieder freigegeben wurde, drehte sich eines dieser überrundeten Autos in einer nicht einsehbaren Rechtskurve. Ein Aston Martin konnte einen Zusammenstoß vermeiden, stand nun aber neben jenem Porsche. Die zwei Autos blockierten die sehr enge, von Mauern begrenzte Passage, als das Feld mit den führenden Autos heranraste. Die Kameras fingen alles ein. Über 20 Sekunden lang konnte jeder sehen, dass es gleich krachen würde, erinnert sich Götz. Und doch geschah es. Niemand konnte es verhindern. „Wir waren echt geschockt.”

Das Rennen war nach dem Unfall – Porsche-Fahrer Johannes Zelger blieb übrigens unverletzt, da Aron „nur” in seine Beifahrerseite krachte – fast eine Stunde unterbrochen. Schon während der Unterbrechung begannen die Analysen: Wer war schuld? Die Rennleitung? Die Streckenposten? Aron? Craft Bamboo?

Maximilian Götz sieht Verbesserungspotenzial bei der Rennleitung

Götz hat da eine klare Meinung: „Bathurst ist wirklich speziell, ähnlich wie die Nordschleife oder Macau. Da gibt es sehr gefährliche Stellen. In so einem Fall musst du sofort Rot machen. Das darf maximal fünf Sekunden dauern. Aber hier ist zu viel Zeit vergangen und nichts ist passiert. Race Control hat versagt.”

Aus seiner Sicht gebe es genug „technische Möglichkeiten”, um Fahrer schnell vor solchen Situationen zu warnen. Alle modernen GT3-Autos verfügen über Displays, auf denen Meldungen über Zwischenfälle auf der Strecke in Echtzeit angezeigt werden können, erklärt Götz.

In Bathurst werden sie aber bisher nicht genutzt. Götz und Aron, der sich über Instagram aus dem Krankenhaus meldete, hoffen deshalb, dass es klärende, offene Gespräche mit den Rennorganisatoren geben wird, um solche Situationen künftig vielleicht entschärfen zu können.

Das Risiko fährt immer mit

Gleichwohl betont der Uffenheimer, der 2025 geheiratet hat und Anfang Februar 40 Jahre alt wurde: „Du darfst nicht darüber nachdenken. Sonst wirst du langsamer. Unser Sport ist ja heutzutage vergleichsweise sicher. Aber das Risiko muss dir natürlich trotzdem immer bewusst sein.”

So bitter das manchmal ist, zum Dasein als Rennfahrer gehören solche Unfälle dazu, betont Götz. Deshalb gibt er sich nach dem siebten erfolglosen Anlauf, das so beliebte Rennen in Bathurst zu gewinnen, auch gleich wieder kämpferisch: „Ich habe schon gesagt, ich fahre so lang, bis ich das Ding gewinne.”

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