So wird Kaninchen und Meerschweinchen nicht langweilig | FLZ.de | Stage

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 06.08.2026 04:46

So wird Kaninchen und Meerschweinchen nicht langweilig

Spielerisches Training sorgt für Abwechslung und stärkt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier. (Foto: Maria Berentzen/dpa-tmn)
Spielerisches Training sorgt für Abwechslung und stärkt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier. (Foto: Maria Berentzen/dpa-tmn)
Spielerisches Training sorgt für Abwechslung und stärkt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier. (Foto: Maria Berentzen/dpa-tmn)

Sie bellen nicht, kratzen nicht an Türen und fordern selten lautstark Aufmerksamkeit ein. Kaninchen und Meerschweinchen wirken oft so, als säßen sie zufrieden im Gehege. Doch auch Kleintiere können sich langweilen oder unterfordert sein, ohne dass es sofort auffällt.

„Beschäftigung beginnt bei Kaninchen und Meerschweinchen nicht erst beim Spielzeug“, sagt Anna-Caroline Wöhr, Fachtierärztin für Tierschutz an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie brauchen Platz, Artgenossen und Möglichkeiten, sich zu bewegen, sich zu verstecken und zu knabbern.

Kaninchen und Meerschweinchen haben nicht dieselben Bedürfnisse. Kaninchen brauchen Platz, um zu hoppeln und Haken zu schlagen. Meerschweinchen bewegen sich ebenfalls gern, suchen aber eher Schutz und Deckung. „Viele freie Flächen nutzen sie kaum, wenn keine Unterschlüpfe in der Nähe sind“, sagt Wöhr.

Futter als sinnvolle Beschäftigung

Wenn diese Grundbedingungen stimmen, setzt Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Daniela Zurr bei der Fütterung an, um die Tiere gezielt zu beschäftigen. „Alles, was die Futterzeit verlängert, ist erst einmal interessant“, sagt sie. Kaninchen und Meerschweinchen seien darauf eingestellt, viel Zeit mit Fressen zu verbringen.

Sinnvoll ist Futter, das wenig Kalorien hat und lange gekaut werden muss. Laut Tierärztin Zurr ist wichtig, dass die Tiere nicht mit hochkalorischen Pellets vollgestopft werden. Ausreichend Raufutter wie Heu beschäftige die Tiere und helfe beim Zahnabrieb.

Statt Gemüse einfach in den Napf zu legen, kann man es zum Beispiel im Gehege verteilen oder kleine Stücke aufhängen, damit die Tiere sich strecken müssen. Auch Äste mit Blättern eignen sich gut. Die Tiere können daran knabbern, und wenn mehrere Tiere gleichzeitig fressen, bewegt sich der Zweig. „So ist das Futter plötzlich nicht mehr genau vor der Nase“, sagt Zurr.

Einfache Ideen für mehr Abwechslung

Viele Beschäftigungsideen lassen sich mit einfachen Materialien umsetzen. Geeignet sind Zurr zufolge zum Beispiel unbedruckte Papprollen von Toiletten- oder Küchenpapier. Man kann kleine Löcher hineinschneiden, die Enden mit Heu verstopfen und Gemüse oder Kräuter darin verstecken. 

Auch Kartons mit Heu können zu Suchspielen oder Labyrinthen werden. Wichtig ist, Klebestreifen aus Plastik zu entfernen und nur Materialien zu verwenden, die unbedenklich sind, wenn die Tiere daran nagen. 

Sicherheit geht vor

Bei allem, was ins Gehege kommt, sollten Halter genau hinschauen. „Man sollte nicht darauf vertrauen, dass alles, was im Fachhandel als Spielzeug verkauft wird, auch sicher ist“, sagt Zurr. Sie rät, zu prüfen, ob es scharfe Kanten gibt, ob Tiere stecken bleiben könnten, ob etwas herunterfallen kann oder ob Kunststoff angenagt werden könnte.

Besonders bei Öffnungen ist Vorsicht angesagt. Meerschweinchen sind kleiner und leichter als Kaninchen und können in Fenstern von Häuschen stecken bleiben. „Für Meerschweinchen sind Unterstände auf vier Füßen oft besser geeignet“, sagt Zurr. 

Auch aufgehängtes Futter muss sicher befestigt sein. Spitze Gegenstände wie Zahnstocher sind Zurr zufolge ungeeignet. In Gehegen mit mehreren Ebenen sollte außerdem nichts herunterrollen oder auf ein Tier fallen können.

Was gut passt, hängt auch von der Tierart ab. Kaninchen können springen und nutzen gern kleine Erhöhungen. Meerschweinchen mit ihren kurzen Beinen sind keine Klettertiere. Für sie sollten Beschäftigungen nah am Boden und gut erreichbar sein.

Mit Clickertraining gegen Langeweile

Auch mit Clickertraining lassen sich Kaninchen und Meerschweinchen beschäftigen. „Das ist ein Training mit positiver Verstärkung“, sagt Tierärztin Zurr. Das Tier lernt: Wenn ich ein bestimmtes Verhalten zeige, bekomme ich eine Belohnung.

Ein klassischer Clicker ist dafür nicht nötig, für kleine Tiere kann er sogar zu laut sein. Alternativen sind ein Kugelschreiber, ein Schnalzen mit der Zunge oder ein bestimmtes Wort. Wichtig ist laut Zurr, dass das Signal immer gleich bleibt und unmittelbar mit der Belohnung verknüpft wird.

Für den Einstieg eignet sich etwa ein Nasen-Target: Das Tier berührt dabei mit der Nase einen Stab oder Gegenstand. Auch die Transportbox oder einfache Übungen für die Gesundheitskontrolle lassen sich trainieren, sollten aber behutsam aufgebaut werden. „Solche Übungen, wie zum Beispiel den Bauch abzutasten, sollten erst kommen, wenn bereits Vertrauen da ist“, sagt Zurr.

Freiwilligkeit statt Frust

Training und Beschäftigung sollen den Alltag bereichern, nicht zusätzlichen Druck machen. „Stressig wird es, wenn das Tier nicht versteht, wie es an die Belohnung kommt“, so Zurr. „Dann kann Frust entstehen.“ Am Anfang reichen zwei bis fünf Minuten Training, später können mehrere kurze Einheiten über den Tag verteilt werden.

Die Beschäftigung sollte zur Tierart, zur Gruppe und zum einzelnen Tier passen, und sie sollte immer freiwillig bleiben. „Wenn ein Kaninchen oder Meerschweinchen ausweicht, sich zurückzieht oder hektisch wird, ist weniger mehr“, sagt Zurr. Bleibt man aufmerksam, zeigt sich mit der Zeit meist gut, welche Angebote angenommen werden und was dem Tier wirklich Abwechslung bringt.

© dpa-infocom, dpa:260806-930-490141/1


Von dpa
north