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Veröffentlicht am 12.03.2026 09:22

Spritpreise steigen weiter: In diesen Orten in der Region können Sie noch sparen

4646 Kilometer sind es von der Ansbacher Tankstelle in der Nürnberger Straße bis zur Straße von Hormus im Persischen Golf. So egal, wie Autofahrenden dieser Fakt bislang sein konnte, so relevant ist er plötzlich: Denn seit Ende Februar zeigt sich an jeder Zapfsäule, dass gewaltige Distanzen nicht vor persönlicher Betroffenheit schützen.

Mit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 rückte die Meerespassage zwischen Iran und den Golfstaaten ins weltweite Bewusstsein: Durch die Engstelle manövrieren normalerweise unzählige Tanker, um Rohöl in alle Herren Länder zu transportieren. Seit das nicht mehr ungefährdet möglich ist, ist der Handelspreis für Öl sprunghaft gestiegen. Und lange dauerte es nicht, bis sich das auch an deutschen Tankstellen bemerkbar machte. Das alarmiert inzwischen auch die Bundespolitik.

So gab Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Mittwoch bekannt, Möglichkeiten für Preisänderungen an Tankstellen beschränken zu wollen. Zudem sollen Teile der strategischen Ölreserve freigegeben werden. Eine Analyse der FLZ zeigt, wie sich die Spritpreise in der Region im Detail geändert haben.

Diesel in Ansbach teils über 40 Cent teurer

So stieg in einer Marken-Tankstelle in Ansbach laut Archiv-Daten der Plattform „Benzinpreis-Blitz” von Beginn des Kriegs bis zum 10. März der Preis für Benzin der Sorte E10 von 1,78 Euro auf 2,13 Euro. Um über 40 Cent stieg im gleichen Zeitraum der Preis für Diesel auf 2,23 Euro. Andere Tankstellen in Ansbach liegen auf vergleichbarem Niveau. Unter 2,05 Euro war am Mittwochnachmittag in der Stadt kein E10 zu bekommen.

Damit gehört Ansbach zum teuren Pflaster in Westmittelfranken. Im Kreis Ansbach von Bechhofen über Lichtenau bis Windsbach waren zum selben Zeitpunkt auch Preise unterhalb der Zwei-Euro-Marke zu finden. Im Raum Rothenburg kostete der Kraftstoff vielerorts sogar rund zehn Cent weniger als in Ansbach. Auch Wassertrüdingen ließ es sich vergleichsweise günstig tanken. Zwischen beiden Extremen liegen Tankstellen in Feuchtwangen und Dinkelsbühl.

In Neustadt/Aisch und Bad Windsheim günstiger tanken

Günstiger kommen auch Verkehrsteilnehmende im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim davon. In Neustadt und Bad Windsheim lag der Preis für E10 je nach Tankstelle am Mittwochnachmittag um die zwei Euro pro Liter, in Uffenheim und Scheinfeld darunter. Im Steigerwald ist der Sprit vergleichsweise besonders günstig: 1,92 Euro war für E10 zum Stichzeitpunkt an mehreren Tankstellen fällig. Dass es rund um Burghaslach an der A3 besonders günstig ist, zeigte auch die Stichprobe zu anderen Zeitpunkten, etwa am Donnerstagmorgen.

Insgesamt lagen in allen Stichproben der FLZ die Anstiege im Bereich zwischen 20 und 30 Cent.

Dr. Linus Ubl zeigt am Freitag den Schutzraum in dem Wohnhaus in Jerusalem, in dem er lebt. (Selfie: Dr. Linus Ubl)
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Spritpreise in Ansbach besonders hoch

Im überregionalen Vergleich offenbaren sich weitere Extreme: Nach einem errechneten Querschnitt der Plattform „Benzinpreis.de” war die Stadt Ansbach nach Passau am Mittwoch der zweitteuerste Tank-Spot (Landkreise und kreisfreie Städte) in Bayern. Der Neustädter Landkreis lag wiederum im bayernweiten Vergleich im unteren Mittelfeld. Am teuersten ist Tanken derzeit in Brandenburg, wo der Durchschnitt für E10 am Mittwoch laut „Benzinpreis.de” bei 2,16 Euro lag – drei Cent mehr als in Bayern.

Und während im Golf die Raketen fliegen, tobt in Deutschland die Schlacht um die Deutungshoheit in puncto Spritpreise. Herbert W. Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessensverbands, wirft den großen Ölkonzernen „Raubtierkapitalismus” vor. Die Pächter würden den Frust der Pendelnden abbekommen, während sich die Mineralölwirtschaft einen „fetten Schluck aus der Pulle” genehmige, sagte Rabl der Stuttgarter Zeitung.

Mineralölwirtschaft weist „Abzock”-Vorwürfe von sich

Der Bundesverband Freier Tankstellen will „Abzock”-Vorwürfe nicht gelten lassen und verweist auf aktuelle Marktpreise für Kraftstoffe. Und der Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. hebt unter anderem gestiegene Frachtraten für Ölprodukte hervor.

Nach Daten des Statistischen Bundesamts stammten lediglich 6,1 Prozent der deutschen Rohöl-Importe aus dem Nahen Osten.

Eine Abwärtskurve in den Spritpreisen war bislang nicht zu erkennen. Angesichts der angespannten Lage am Golf stehen die Zeichen derzeit auch nicht auf Beruhigung: So drohte Iran zuletzt damit, die Straße von Hormus verminen zu wollen.

Tanken ist in Deutschland ein teures Unterfangen geworden. Das schlägt sich von Ansbach bis Burghaslach unterschiedlich nieder. (Symbolbild: Sebastian Kahnert/dpa)
Tanken ist in Deutschland ein teures Unterfangen geworden. Das schlägt sich von Ansbach bis Burghaslach unterschiedlich nieder. (Symbolbild: Sebastian Kahnert/dpa)
Tanken ist in Deutschland ein teures Unterfangen geworden. Das schlägt sich von Ansbach bis Burghaslach unterschiedlich nieder. (Symbolbild: Sebastian Kahnert/dpa)

Johannes Hirschlach
Johannes Hirschlach
Redakteur für Digitales
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