Techno-Rave im Wildbad: So lief das Sundowner-Festival 2024 | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 07.04.2024 15:43

Techno-Rave im Wildbad: So lief das Sundowner-Festival 2024

Das Sundowner-Festival punktete nicht nur mit sommerlichen Temperaturen, Sonnenuntergängen und guter Musik, sondern auch mit stilvoller Beleuchtung im Theatersaal des Wildbades. (Foto: Johannes Zimmermann)
Das Sundowner-Festival punktete nicht nur mit sommerlichen Temperaturen, Sonnenuntergängen und guter Musik, sondern auch mit stilvoller Beleuchtung im Theatersaal des Wildbades. (Foto: Johannes Zimmermann)
Das Sundowner-Festival punktete nicht nur mit sommerlichen Temperaturen, Sonnenuntergängen und guter Musik, sondern auch mit stilvoller Beleuchtung im Theatersaal des Wildbades. (Foto: Johannes Zimmermann)

Das immaterielle Weltkulturerbe Berliner Technokultur trifft auf das altehrwürdige Wildbad: perfekte Symbiose, dein Name ist Sundowner-Festival. Im Tälchen wurde am Freitag und Samstag zu elektronischer Musik getanzt – ekstatisch, exzessiv. Ein Eskapismus-Ausflug für alle Traumtänzerinnen und Traumtänzer.

Beim Gang über die Eselsbrücke mischt sich das Rauschen der Tauber mit sanften Bass-Schlägen aus dem Schloss. Ein Rothenburger Unikat, der Sound des diesjährigen Sundowner-Festivals. Nebel steigt über den Dächern des alten Kurhotels im Stile des Historismus auf, die Baumwipfel leuchten rot-blau. Willkommen im surreal anmutenden Märchenland.

Das Wildbad flackert im Strobo-Licht

Auf der Terrasse steht ein kleiner Pavillon. Lichter leuchten auf, ein Regenschirm mit bunten Bommeln wiegt sanft im 4/4-Takt der Tanzmusik auf und ab. Eine Sirene heult auf. Stillstand. Alle warten gespannt. Der Bass setzt ein, die vorderen Reihen verlieren die Bodenhaftung – springen, springen, springen. Stroboskop-Licht flackert in grellem Weiß.

Die Open-Air-Bühne des Sundowners auf der Wildbad-Terrasse, organisiert vom Rothenburger Verein Grenzkunst, heuer in Zusammenarbeit mit den Kollektiven Halla, Noise-Club und Kontrastprogramm, ist der Rave-Cave, der Berliner Subkultur-Club des Festivals. Die Gangart der Musik ist härter, der Tanzstil ekstatischer, das Licht dunkler.

Hier steht das Einswerden mit der Musik im Vordergrund, der Tanzrausch, die Alltagsflucht. Der Sehnsuchtsort für alle Freunde technoider Tanzmusik. Die Cannabis-Entkriminalisierung hat hier zumindest Einfluss auf die Geruchswelt: Süßliche Rauchschwaden steigen in die Nase auf. Die Tanzgemeinschaft freut sich ganz offensichtlich über die innere Entspannung.

Fresken und Stuck treffen auf Projektionen

Der Theatersaal ist hingegen die Traumwelt. Weiße Strahler tasten die Wände des beeindruckenden Raumes ab. Fresken, Stuck und Skulpturen an der Wand treffen auf Laptops auf der Bühne und bunte Video-Projektionen. Kronen tanzen im Takt der Musik an den Wänden entlang. Majestätisch-modern. Und mittendrin die Tanzmeute. Drückende Hitze beherrscht den Saal. Der eine oder andere ist längt abgetaucht in die Musik. Laser legen sich wie ein Teppich über den Saal. Klavierakkorde erklingen. Eine Frau spricht arabische Sätze. Der Bass setzt ein. Glücksgefühle.

Auf der Bühne steht der Headliner des Samstages: Rampue, weltweit als Live-Act unterwegs. Er nimmt die Traumtänzer mit auf eine musikalische Weltreise, fernab von Genre-Grenzen. Berliner Subkultur, die im Saal viele Fans vereint, aber doch nicht die passende Musik für jedermann ist. „Wu, wu, wu“, feuern ihn Tänzer an. Techno, Disco, House – eines steht fest: Wer der elektronischen Musik nicht gänzlich abgeneigt ist, der wird hier fündig.

1500 Gäste: Das Sundowner-Festival bleibt friedlich

Friedlich geht es zu. Jeder darf sein, wie er und sie will. Extravagant. Bunt. Ohne Vorurteile. Entspannt wird gequatscht, auf der Terrasse ein Bierchen gezischt oder eben die aufgestauten Alltagssorgen einfach weggetanzt. Zwischenfälle gibt es nicht, im Polizeibericht taucht das Festival nicht auf. 1500 Menschen haben im Wildbad am Wochenende miteinander getanzt, für eine bessere Welt.

Sonntag, 3.30 Uhr: Der letzte Geigenstrich von Roumex verhallt. Die achte Sundowner-Auflage ist Geschichte – und geht in die Geschichte ein, womöglich als letzte Auflage im Wildbad überhaupt. Die Zukunft des Festivals ist nicht gesichert. Wird das Areal verkauft, dürfte der Sundowner in seiner jetzigen Form sterben. Denn eines betonen die Grenzkünstler: „Ein Sundowner ohne Wildbad steht nicht zur Debatte.“

north