Thorsten Frei: Auf holprigen Umwegen an die Fraktionsspitze | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.07.2026 09:45, aktualisiert am 29.07.2026 15:35

Thorsten Frei: Auf holprigen Umwegen an die Fraktionsspitze

Frei wurde schon einmal für den Fraktionsvorsitz gehandelt, wurde dann aber Kanzleramtschef. (Archivbild) (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
Frei wurde schon einmal für den Fraktionsvorsitz gehandelt, wurde dann aber Kanzleramtschef. (Archivbild) (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
Frei wurde schon einmal für den Fraktionsvorsitz gehandelt, wurde dann aber Kanzleramtschef. (Archivbild) (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch. Jetzt ist er nach einem holprigen Umweg über das Kanzleramt auf diesem Posten ankommen. 

Mit 91,9 Prozent erhielt er in der Fraktionssitzung sogar ein besseres Ergebnis als sein Vorgänger Jens Spahn im vergangenen Jahr beim Start ins Amt. Die von einigen erwartete Quittung für den Ärger in der Union über die Personalrochade des Kanzlers blieb aus.

Rechtsanwalt - Oberbürgermeister - Bundestag

Der 52-jährige Vater von drei Kindern kommt aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz wurde.

Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Spahn – für viele eine Überraschung.

Holprige Zeit im Kanzleramt

Freis Zeit im Kanzleramt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, für dessen Vorbereitung ein Kanzleramtschef eigentlich zuständig ist, ließ er zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis Donaueschingen sausen. Später wurde ihm aus Union und SPD, aber auch aus den Ländern unter der Hand teils chaotische Amtsführung vorgeworfen. 

Bei der Erarbeitung des Reformpakets nahmen die Fraktionsspitzen das Heft des Handelns in die Hand. Dass die Einigung geräuschlos zustande kam, ist vor allem ihnen anzurechnen. Zuletzt verbesserte sich Freis Standing als Kanzleramtschef allerdings und Zweifel des Kanzlers an ihm gab es ohnehin nicht. Wäre Spahn nicht zurückgetreten, hätte Frei seinen Posten wohl weiter sicher gehabt.

Rückkehr in gewohnte Gefilde

Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Sein Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kann durchstarten, steckt in allen Themen und kennt alle wichtigen Akteure bestens. Für die Koalitionsarbeit, die mit dem Reformpaket nach knapp 15 Monaten gerade in geregelte Bahnen gelenkt wurde, ist das von großem Vorteil.

Sein guter Draht zum Kanzler wird hilfreich sein. In seiner neuen Rolle wird er Merz gegenüber aber anders auftreten müssen. Denn Unmut über den Führungsstil des Kanzlers gibt es in der Fraktion nicht erst seit dem Ärger über die Personalrochade. 

Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Das werden sich die Abgeordneten auch mit dem neuen Fraktionschef nicht mehr nehmen lassen wollen. Frei wird also bei aller notwendigen Loyalität zum Kanzler beweisen müssen, dass er auch diesem Anspruch gerecht werden kann. Die 91,9 Prozent dürften als Vertrauensvorschuss zu verstehen sein. Jetzt muss er liefern.

© dpa-infocom, dpa:260729-930-453651/2


Von dpa
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