Sie liebte ihre Hängematte und hasste Hühnchen, wurde über Jahre von Groß und Klein im Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf bestaunt und war unter den Tierpflegern für ihre liebevolle Eigenwilligkeit bekannt: Die Tigerin Kiara ist mit stolzen 19 Jahren gestorben.
Nach Wallersdorf war Kiara im Jahr 2006 zusammen mit ihren Eltern gekommen, nachdem die Tiger in einem Zirkus beschlagnahmt worden waren. Geboren wurde sie am 17. April 2004. „Sie war mein Lieblingstiger“, erzählt Manuel Buck. Er ist der zoologische Leiter im Raubtierasyl, wo auch ihre Brüder Igor, Boris und Ussuri geboren wurden. „Sie sind keine reinartigen Tiger, sondern Hybride aus sibirischen und Bengaltigern“, erklärt er. Deswegen habe das Asyl Kiara auch nie an einen Zoo vermitteln können.Dort will man für den Arterhalt nur reinartige Tiere.
Vater Tiger und Tochter Kiara verstanden sich gut und lebten zusammen in einem Gehege, bis Tiger im Sommer 2018 verstarb. Als eine dominante Tigerin, die gerne den Ton angibt, war Kiara im Raubtierasyl bekannt. Sie genoss es, bei heißen Temperaturen ein Bad zu nehmen oder mit einem Schlauch abgespritzt zu werden. Hühnchen hingegen konnte sie gar nicht leiden: Wenn Geflügel auf dem Futterplan stand, legte sie lieber einen Fastentag ein, heißt es auf der Website der Auffangstation.
Als „dickköpfig, aber sehr, sehr menschenbezogen“, beschreibt Buck sie. So sei sie immer ans Gitter gekommen, wenn sich Tierpfleger näherten, habe auf bestimmte positiv, auf manche negativ reagiert. Ins Gehege gingen die Pfleger sowieso nie, aber Buck habe sie am Gitter schon mal „leicht berühren“ können.
19 Jahre alt ist Kiara geworden, was im Vergleich mit Menschen ein stolzes Alter von etwa 95 Jahren bedeute, so der Zoologe. Unter anderem altersbedingt sei daher auch ihr Tod gewesen, sie hatte deformierte Nieren. Aber auf die Obduktionsergebnisse müsse das Raubtierasyl noch warten.
Da sie Schmerzen hatte und nicht mehr gefressen hat, war sie im Kreise der vertrauten Tierpfleger verabschiedet und zusammen mit einer Tierärztin beim Sterben unterstützt worden. „Das war das Beste, bevor sie Qualen leidet“, so Buck.
Sehr emotional und nervenaufreibend sei der Tag für alle Beteiligten gewesen. Auch ihre beiden in Wallersdorf noch lebenden kleinen Brüder – Igor war bereits vor ihr verstorben – seien nach ihrem Tod „sehr, sehr ruhig“ gewesen, ihr Verhalten hätte sich inzwischen aber wieder normalisiert.
Während Muskeln, Fleisch und Innereien in die Tierkörperbeseitigung gehen, werden Fell und Knochen an das Naturkundemuseum in München geliefert. So soll sie „einen sinnvollen Zweck zur Bildung“ erfüllen und lebt in gewisser Weise fort. An ihrem Gehege wurden Gedenkschilder angebracht.