Die Umgestaltung des Schopf-Areals ist die größte Baustelle in der Rothenburger Altstadt. Doch der Projektentwickler, die ProBau GmbH aus Dinkelsbühl, ist insolvent. Trotzdem können sich die Wohnungskäufer nach den Worten von ProBau-Geschäftsführer Gerald Kümmerle Hoffnungen machen, dass die Immobilie fertiggestellt wird.
„Es sind immer Fehlentscheidungen, die zu einer Insolvenz führen“, sagt Kümmerle auf Anfrage der FLZ zu den Gründen der Zahlungsunfähigkeit. „Wir haben Vorratsgrundstücke gekauft“, berichtet er.
Durch die Corona-Pandemie verzögerte sich das ProBau-Projekt in der Hirtengasse in Rothenburg, aktuell das einzige in Bau befindliche des Unternehmens. Dazu kamen steigende Zinsen und Baukosten. Die Bank habe zusätzliche Sicherheiten gefordert und irgendwann sei dann das Ende der finanziellen Fahnenstange erreicht gewesen.
In früheren Jahren hatte die Projektbau und -entwicklungsgesellschaft ProBau Vorhaben auch in Ansbach, Dinkelsbühl, Schwäbisch Hall und Ellwangen umgesetzt und sich so als Spezialist für die Sanierung von Altstadt-Immobilien etabliert.
Als vorläufiger Insolvenzverwalter strebt der Nürnberger Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht Dr. Hartmut Krüger an, die Neugestaltung des Schopf-Areals zu vollenden. Dafür sehe es ganz gut aus. Der Rohbau sei fast fertig. Derzeit werde der Bau, auf dem die Arbeiten ruhen, sorgfältig weitergeplant. Er wolle zwar nicht zu euphorisch sein, aber „es gibt deutlich schlimmere Insolvenzen“, sagt Krüger im Gespräch mit der Redaktion. Nach seinen Worten hat die finanzierende Bank die Kredite gekündigt.
Mit einem halben Bau kann keiner was anfangen.
Für die Wohnungskäufer werden die Folgen der Insolvenz überschaubar bleiben, hoffen Kümmerle und Krüger. Im Bauabschnitt A seien von 15 Wohnungen 13 verkauft, im Abschnitt B aber erst eine von zehn. Die Fertigstellung können sich beide in etwa zwölf Monaten vorstellen, „wenn nichts Schlimmeres passiert“. „Mit einem halben Bau kann ja keiner was anfangen“, erklärt der Fachanwalt. Gerald Kümmerle und sein Team sind bereit, weiterhin ihr Know-how einzubringen.
Auch die beauftragten Handwerker sollen an Bord bleiben. Die Verhandlungen mit ihnen laufen und auch hier sehe es gut aus. Die Insolvenz könnte für sie finanziell ebenfalls glimpflich ausgehen: „Sie sollen alle bezahlt werden“, erläutert Krüger. In zwei bis drei Wochen könnten die überarbeiteten Berechnungen fertig sein. „Danach gehen die Arbeiten hoffentlich weiter“, so der vorläufige Insolvenzverwalter.
Der Rothenburger Oberbürgermeister Dr. Markus Naser hofft, „dass das Ganze zu einem guten Ende kommt“. Er sei aber guter Dinge, denn „es ist ja durchaus schon was da“. Demnächst ist ein Gespräch zwischen dem OB und Fachanwalt Krüger geplant.
„Der Schaden liegt bei mir und bei der Bank“, meint der ProBau-Geschäftsführer. „Es hat sich eben einiges verändert“, erklärt er. In Rothenburg sei er seit vielen Jahren aktiv und in dieser Zeit sei er immer zufrieden mit der Stadt und der Stadtverwaltung gewesen. „Die Situation ist halt jetzt so. Ich hätte es auch lieber anders gehabt“, bilanziert Gerald Kümmerle.