Viele Menschen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim prägt seit 40 Jahren eine kleine Gruppe, der Arbeitskreis Umwelt, AKU, der Evangelischen Landjugend (ELJ) im Kreis Uffenheim. Von dieser Gruppe übernahm der Landkreis die Sammlungen von Altpapier, landwirtschaftlichen Folien und Plastik. Sie wurden zu Pionieren für den gesamten Freistaat.
Gründer war Harald Trabert aus Gollhofen. Er stand damals an der Spitze einer Bewegung in Franken, in Bayern und in Deutschland. Ein harter Kern und ein riesiger Dunstkreis von Unterstützerinnen und Unterstützern setzten die idealistischen Ziele von jungen Leuten in die Tat um, die 1984 Umweltschutz, insbesondere Müllvermeidung hießen.
Der harte Kern bestand laut Harald Trabert aus Bettina Fuhrmeister, Martin Heinlein, Ulrich Herbst, Marion Keerl, Dietmar Rückert, Jochen Rückert, Karin Schick, Gudrun Trabert und Roland Wagner.
Die Bewegung der jungen Leute hatte im Laufe der Zeit an Fahrt aufgenommen und Kreise gezogen, die man sich heute im Zeitalter der modernen Medien kaum mehr vorstellen kann. Dabei hatte alles so klein angefangen.
Wir schreiben das Jahr 1984. Was tun als Jugendlicher auf dem Land? Man geht zur ELJ, zum katholischen Pendant oder zur Bayerischen Jungbauernschaft. Im ELJ-Kreisverband Uffenheim sind damals etwa 20 Gruppen engagiert.
Bei der ELJ lautete das Jahresmotto „Gottes gute Schöpfung und unser Lebensstil?“. Der Umweltschutzgedanke steht in den 1980ern hoch im Kurs. Der 26-jährige Kreis- und spätere Bezirksverbandsvorsitzende Harald Trabert denkt sich, man muss nicht immer nur fordern, sondern auch vormachen, wie es gehen soll. Allen ist klar: Das geht nicht von jetzt auf gleich.
Doch lange dauert es nicht, bis man sich aufs Thema Müllvermeidung und Wiederverwertung der Wertstoffe, sprich recyceln, festlegt. Heute unvorstellbar: Es gibt damals nur eine Mülltonne für alles. Die Landjugend sammelte das Altpapier bereits in Bündeln. Die Menschen legten ihre alten Zeitungen vor die Tür. Mit dem Altpapier verdiente die Landjugend Geld. 1986 übernahm der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim die Sammlung des Altpapiers. Zuerst diente dazu eine grüne Tonne, heute eine blaue.
1984 ist auch das Jahr, in dem Trabert erstmals in den Gemeinderat Gollhofen gewählt wurde. Dort stellte er in seiner ersten Sitzung den Antrag, die Protokolle auf Recyclingpapier zu drucken. Im gleichen Jahr war die Foliensammlung ein erster Höhepunkt der Aktivitäten, berichtet Trabert. Samstags gingen die Mitglieder der ELJ Uffenheim auf Achse. Mit einem gemieteten Lastwagen holten sie Tragetüten und Säcke aus Polyethylen und die knisternde Folie aus Polypropylen ab, um sie zu Altfolie wiederverwerten zu lassen. Das Volumen sprengte alle Dimensionen. Eine Presse im Sammelwagen wurde angeschafft.
Große Mengen landwirtschaftlicher Abdeckplanen für Zuckerrüben, Kunstdüngersäcke und vieles mehr wurden in Gollhofen, Herrnberchtheim und Gnötzheim zusammengetragen und am Dorfbrunnen in Gollhofen von einer Strohpresse gepresst. „Es ist wahnsinnig viel angefallen“, erinnert sich Trabert. Auch den Folienpreis hatten die jungen Engagierten genau im Auge. „Einmal war er schlecht, dann haben wir die Folien zurückgehalten und in ein Fahrsilo gelegt“, schmunzelt Trabert. Der Preis für Rohstoffe steigt und fällt wie eine Aktie an der Börse.
Die Foliensammlung wurde damals über den Kreisjugendring erweitert. Am 24. August 1988 titelte die FLZ: „Stolze Bilanz des AKU: Seit 1984 wurden 145 Tonnen Folie wiederverwertet.“
Auch der damalige Landrat Robert Pfeifer schaltet sich später ein: Wenn die Jugendverbände es schaffen, die Folien umfassend zu sammeln, würde das dann einmal der Landkreis machen, verspricht er. So kam es dann auch im Jahr 1989.
Das Engagement wuchs und wuchs. Von 1986 bis 2001 betrieb der AK Umwelt eine Geschäftsstelle in der Geckenheimer Straße in Uffenheim. Man sammelte auch Styropor und Weißblech.
1989 wurde das Volksbegehren „Das bessere Müllkonzept“ geboren, das im Freistaat beim Volksentscheid 1990 zwar durchfiel, dessen Inhalte aber heute das bayerische Abfallwirtschaftsgesetz wesentlich prägen. Es sollte den Anfang zu den Wertstoffsammelstellen bilden. Im westlichen Landkreis entstehen etwa zehn Hausmüllsammelstellen. Auch die Fränkische Landeszeitung veröffentlicht mehrmals im Monat über etwa zwei Jahre die Umwelttipps des AKU. Eine Überschrift lautete: „Bedenkliche Kurztrips“.
„Das beste ist, Müll zu vermeiden“, sagt Traberts Ehefrau Gudrun. Das könne jeder bis zu einem gewissen Grad tun. Landrat Pfeifer sprach dem AKU eine „Vorbildfunktion“ zu. Der Arbeitskreis nahm häufig auch an Sitzungen des Umweltausschusses des Landkreises teil.
Der Arbeitskreis hatte eine Mission: Welche Stoffe nicht vermieden werden können, müssen geordnet, dann recycelt oder entsorgt werden. Um dies den Menschen begreiflich zu machen, organisiert man unzählige Vorträge: bei den Landfrauen, in Kindergärten, Schulen, Firmen – überall, wo man an die Menschen herantreten konnte.
Man referiert auch in evangelischen Kreisen – bis hinauf zum Kirchentag in Berlin. Der AKU kreierte einen Mülleimer mit Sichtfenstern zur Anschauung und lehrte die Menschen das sortenreine Trennen.
PP oder PCB – um welchen Kunststoff es sich handelt, das steht in den 1980er Jahren noch nirgends drauf. Die Restmüllanalyse des Landkreises, die zuletzt 2023 stattfand, hatte Trabert einst mit Blick darauf beantragt. Den Hausfrauen – und anderen – führte man den Unterschied vor, und zwar mit einem Eimer und Wasser. Polystyrol sinkt, Polypropylen schwimmt oben. Oft brachten die Landfrauen einen Stoff zum Entsorgen mit, mit dem sie nicht klarkamen – und die jungen Leute waren gefordert, die Entsorgung zu erklären. Und zu organisieren.
Über den Landkreis hinaus sei man Anfang der 1990er Jahre lange unterwegs gewesen. Über den Landkreis hinaus begehrt war auch die Hausmüllfibel, die die Gruppe alle zwei Jahre druckte und die von Kommunen aus ganz Bayern bestellt wurde. Mal 20 Stück, mal fünf Stück. Die Hausmüllfibel von 1991 erschien in einer Auflage von 12.500. Vieles führte dazu, dass der Landkreis auf freiwilliger Basis die Wertstoffhöfe einführte – das war ab 1991.
Den Kunststoff fuhr man nach Sauerlach bei München, lieh sich Autos aus und musste dem dortigen Betrieb dann wieder Blumentöpfe und anderes abkaufen. Jedoch war den jungen Leuten die Unterstützung der Gartenbauvereine sicher. Plastik wurde nach Worms am Rhein gefahren. Die AKU-Mitglieder färbten die Stoffbänder der Schreibmaschinen wieder ein. Man rief die umweltpolitischen Gespräche ins Leben. Auch die SPD-Politikerin Renate Schmidt aus Nürnberg kam und sah sich im Styroporlager der Evangelischen Landjugend um, wie ein Schwarzweißbild dokumentiert.
Man veranstaltete Konzerte mit Bands, die dem Umweltgedanken nahestehen. Ein besonderer Höhepunkt war, als man Gerhard Polt – damals schon in der Riege der Spitzen-Kabarettisten – und seine kongeniale Begleitgruppe – die Biermösl Blosn – zu Gast hatte. Der jüngste der Musiker, Hans Well, hat sein Haus – eine ehemalige Molkerei – danach mit Uffenheimer Korkmaterial gedämmt.
Nach 17 Jahren wurde der AKU eingestellt. Die Ziele wurden realisiert, die Pioniere waren älter geworden. „Wir wollten nicht bis an unser Lebensende Plastik sammeln“, so Gudrun Trabert. Gerhard Polt steht im Gästebuch, auch Franz Alt, der Journalist und Buchautor, ein Öko- und Friedenspionier der damaligen Zeit.
Die ELJ Kreis Uffenheim wurde 1989 für ihr Wirken mit dem Großen Pandabären des World Wide Fund for Nature (WWF) ausgezeichnet. 1991 erhielt der AKU den Bayerischen Umweltpreis „für Verdienste um Schutz, Gestaltung und Vermittlung einer gesunden Umwelt“, wie es auf der Urkunde heißt, vom damaligen zuständigen Minister Peter Gauweiler.
Im Juni 1992 folgte ein Preis, auf den sich Trabert besonders stolz zeigte und den er zusammen mit einigen Mitstreitern in der Frankfurter Paulskirche entgegennahm. Überreicht wurde ihm dieser Bruno-H.-Schubert-Preis durch den damaligen hessischen Umweltminister und späteren Außenminister Joschka Fischer.
„Das Besondere bei der Verleihung war, dass der Laudator insbesondere auf das Sammeln und Trocknen der Weinkorken und das anschließende Zerkleinern der Korken durch straffällig gewordene Jugendliche einging.“ Diese hatten aufgrund eines Vergehens richterliche Arbeitsauflagen zu erfüllen. Fischer habe dies als „Modellcharakter“ definiert.
Einen weiteren Erfolg stellte 1984/85 der erste Geschirrverleih deutschlandweit dar. Der Landkreis hatte dazu ein Geschirrmobil angeschafft. Der Arbeitskreis Umwelt wandelte sich 1985 zu einem gemeinnützigen Verein, dessen Vorsitzender ebenfalls Harald Trabert wurde. 1990 zog dieser in den Kreistag ein und ist heute noch Mitglied im Ausschuss für Kreislauf- und Abfallwirtschaft.
Harald Trabert sieht das Engagement der Jugend heute positiv. So habe die „Fridays for Future“-Bewegung erreicht, dass es das Klimaforum im Landkreis gibt. Laut Gudrun Trabert sind das Bewusstsein, der Schwung und das Engagement der jungen Leute für die Umwelt heute ausbaufähig. „Es müsste wieder Zeitgeist werden, Plastik zu vermeiden, statt es teuer zu produzieren, zu entsorgen und teuer weiterzuverarbeiten“, betont sie.