Ulrich Siegmund - gefeiert wie ein Politik-Popstar | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 06.09.2026 18:33

Ulrich Siegmund - gefeiert wie ein Politik-Popstar

Egal, wo Ulrich Siegmund (AfD) im Wahlkampf hinkam – Hunderte Menschen wollten bei den Terminen ein Foto mit dem AfD-Politiker machen. (Archivbild) (Foto: Heiko Rebsch/dpa)
Egal, wo Ulrich Siegmund (AfD) im Wahlkampf hinkam – Hunderte Menschen wollten bei den Terminen ein Foto mit dem AfD-Politiker machen. (Archivbild) (Foto: Heiko Rebsch/dpa)
Egal, wo Ulrich Siegmund (AfD) im Wahlkampf hinkam – Hunderte Menschen wollten bei den Terminen ein Foto mit dem AfD-Politiker machen. (Archivbild) (Foto: Heiko Rebsch/dpa)

„Alles ist möglich“ hat die AfD überall in Sachsen-Anhalt plakatiert - und er ist der Mann, der für seine Partei sehr viel möglich gemacht hat: Ulrich Siegmund, 35 Jahre alt, aus der Kleinstadt Tangermünde. 

In den vergangenen Monaten wurde Siegmund von einer regelrechten Euphoriewelle getragen. Egal, wo er im Wahlkampf hinkam – der Zuspruch war groß. Bei seinen Moped-Ausfahrten fuhren Hunderte mit. Sporthallen und Kulturhäuser füllten sich, wenn er bei Bürgerdialogen angekündigt war. Die Menschen nahmen langes Schlangestehen in Kauf, um ein Foto mit dem AfD-Politiker zu machen. Konkrete Inhalte brauchte er bei seinen Auftritten kaum. Meist reichte es, zu lächeln - und den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie Teil einer Bewegung seien.

Eine Rhetorik des Wir-gegen-die

Siegmunds Aufstieg begann während der Corona-Pandemie. Bei Tiktok und Instagram sammelte er mit Kritik an den Eindämmungsmaßnahmen mehrere Hunderttausend Follower ein. Als gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion konnte er seine Punkte dann im Parlament vortragen. Sein Engagement wurde belohnt: 2022 stieg Siegmund zum Co-Vorsitzenden der Fraktion auf.

In seiner politischen Karriere ist Siegmund schon mehrmals in die Kritik geraten. Wirklich geschadet hat ihm das nicht. Nach einem Treffen in Potsdam, bei dem der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung, Martin Sellner, über „Remigration“ sprach, wurde Siegmund im Landtag zwar als Vorsitzender des Sozialausschusses abberufen. Doch selbst diese Maßnahme nutzte er, um seine Rhetorik des Wir-gegen-die zu pflegen.

Kritische Fragen lächelt Siegmund weg

Auch bei der Affäre um AfD-Vetternwirtschaft vor ein paar Monaten war Siegmund mittendrin. Sein Vater soll als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines AfD-Parteikollegen laut Medienberichten zeitweise mehr als 7.500 Euro monatlich erhalten haben. Die aufgekommene Kritik, auch an anderen Überkreuzbeschäftigungen in der AfD, versuchte Siegmund damit zu entkräften, dass man auf Leute setze, denen man vertrauen könne.

Im Wahlkampf wurde der gelernte Außenhandelskaufmann von Journalisten häufig mit radikalen Passagen aus dem AfD-Wahlprogramm konfrontiert. Doch egal, ob die Abschaffung der Schulpflicht, die Änderung von Lehrplänen oder die Ablehnung von „kulturfremden Fachkräften“ - kritische Fragen lächelte er oft weg, oder er versuchte, die Forderungen als harmlos darzustellen. Auch Mitarbeiter mit einer rechtsextremen Vergangenheit in mittlerweile verbotenen Organisationen hält er in seinem direkten Umfeld für unproblematisch.

Es gibt auch Stimmen, die sagen, Sachsen-Anhalt könnte Siegmund als Bühne irgendwann zu klein werden. Wechselt er mit der Bundestagswahl 2029 nach Berlin? Mit Wahlkampf kennt sich Ulrich Siegmund jedenfalls aus.

© dpa-infocom, dpa:260906-930-642655/1


Von dpa
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