Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird nächste Woche Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über die Nachfolge von Jens Spahn an der Fraktionsspitze zu entscheiden. Das kündigte der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz in Abstimmung mit CSU-Chef Markus Söder in einer Sitzung des CDU-Präsidiums an. An einem gemeinsamen Personalvorschlag werde derzeit noch gearbeitet, hieß es aus Präsidiumskreisen.
Interimsfraktionschef Alexander Hoffmann (CSU) und der Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger (CDU) luden die 208 Abgeordneten per SMS zur Sitzung in Berlin ein. Sie soll am 29. Juli um 14 Uhr stattfinden. Die Parlamentarier werden dafür aus der Sommerpause nach Berlin geholt, die am 10. Juli begonnen hat.
Wann die Vorschläge präsentiert werden, wollte Bilger nach der Präsidiumssitzung nicht sagen. Es sei aber der gemeinsame Wunsch der Fraktions- und Parteiführungen, „dass wir jetzt zügig zu Klärungen kommen“, sagte er. Ähnlich hatte sich zuvor auch Merz geäußert, der über das Wochenende Gespräche mit CSU-Chef Söder geführt hat. Die beiden haben das Vorschlagsrecht für den Posten.
Diese Namen sind im Gespräch:
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte ihren Sohn Georg zur Welt. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot, das Spahn in der CDU mitgetragen hat. In der Union, für die die Leihmutterschaft ein emotional sehr aufgeladenes Thema ist, brach ein Sturm der Empörung los, der innerhalb von drei Tagen zu Spahns Rücktritt führte.
In der vergangenen Woche war er noch in den USA, dem Geburtsland seines Sohns. Ob er inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt ist, ist unklar. An der CDU-Präsidiumssitzung nahm er - anders als am Freitag angekündigt - nicht teil. Er ist kein Präsidiumsmitglied mehr und hat nach seinem Rücktritt auch kein Amt mehr, dass ihn zur Teilnahme berechtigt.
Offen ist die Frage, ob Spahn im Bundestag bleibt oder ob er sein Mandat niederlegt. „Ich hoffe sehr, dass er uns in der Politik erhalten bleibt, natürlich auch als Mitglied unserer Fraktion“, sagte Bilger nach der Präsidiumssitzung. Spahn sei „ein sehr politischer Mensch, der auch wirklich viel geleistet hat“. Man müssen ihm jetzt auch ein bisschen die Zeit geben, zur Ruhe zu kommen und sich seine Gedanken zu machen.
Die schnelle Klärung der Spahn-Nachfolge dürfte vor allem die Wahlkämpfer in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg freuen, wo im September gewählt wird. Der Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), äußerte vor der Präsidiumssitzung die Erwartung, „dass wir nicht permanent mit Themen aus Berlin unseren Wahlkampf überlagert sehen“. Es sei gut, dass das Thema nun geklärt werde und er Wahlkampf machen könne, ohne dass er ständig auf „Berliner Themen“ angesprochen werde.
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