Die Gewerkschaft Verdi ruft in den laufenden Tarifverhandlungen im Handel erneut zu bundesweiten Warnstreiks auf. Im Zentrum der Aktionen an diesem Freitag steht die Möbelhauskette Ikea. „In mehr als der Hälfte der Ikea-Einrichtungshäuser in Deutschland werden Beschäftigte in den Arbeitskampf treten“, teilte Verdi mit. Beschäftigte anderer Handelsunternehmen beteiligen sich nach Angaben einer Sprecherin ebenfalls am Warnstreik.
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer kritisierte: „Im Handel werden täglich Milliardenumsätze gemacht, aber bei den Beschäftigten kommt so gut wie nichts davon an – gerade auch bei Ikea.“ Das Unternehmen stehe wirtschaftlich gut da und plane dennoch einen Personalabbau. Statt faire Löhne zu zahlen, werde ein radikaler Sparkurs gefahren. Laut Zimmer spielt Ikea in der Tarifrunde auf Arbeitgeberseite eine einflussreiche Rolle. Mitte Mai und Anfang Juni hatte Verdi bereits zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen.
Ikea erklärte auf Nachfrage: „Jeder Streik stellt das betroffene Einrichtungshaus vor organisatorische Herausforderungen.“ In der Regel gelinge es, die Auswirkungen für Beschäftigte und Kunden gering zu halten. Ikea respektiere das Streikrecht, teilte eine Sprecherin mit. Das Unternehmen betreibt hierzulande 54 Einrichtungshäuser.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) reagierte ebenfalls auf die Ankündigung. „Die Handelsunternehmen können gut mit Streiks umgehen, das haben die vergangenen Wochen sehr deutlich gezeigt“, sagte Tarifgeschäftsführer Steven Haarke.
Die Verhandlungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel starteten im April in den ersten Landesbezirken. Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Die Arbeitgeber haben zuletzt in mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg im Einzelhandel ab November eine Erhöhung um zwei Prozent angeboten und ab August 2027 eine weitere um 1,5 Prozent - bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Verdi lehnte dies ab.
Im Handel arbeiten laut Verdi hierzulande rund 5,2 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorherigen Tarifverhandlungen zogen sich über mehr als ein Jahr hin. Am Ende stand für die Beschäftigten im Einzelhandel ein Einkommensplus von insgesamt etwa 14 Prozent für die Jahre 2023 bis 2025.
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