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Veröffentlicht am 11.08.2026 06:31

Vom Kinostar zur Ärztin - Marianne Koch wird 95

Die Medizinerin und frühere Schauspielerin Marianne Koch wird 95 Jahre alt. (Archivbild) (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Die Medizinerin und frühere Schauspielerin Marianne Koch wird 95 Jahre alt. (Archivbild) (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Die Medizinerin und frühere Schauspielerin Marianne Koch wird 95 Jahre alt. (Archivbild) (Foto: Peter Kneffel/dpa)

In den 50er und 60er Jahren war Marianne Koch ein Leinwandstar. Sie stand mit Größen wie Clint Eastwood und Curd Jürgens vor der Kamera. Doch für die Medizin verließ sie Hollywood und die Filmbranche. Als Ärztin, Moderatorin und Autorin setzte sie ihre Karriere in der Heimat fort. Kurz vor ihrem 95. Geburtstag (19.8.) veröffentlicht Marianne Koch ein neues Buch: „”Mutig sein!” - Erinnerungen an abenteuerliche 95 Jahre“ (Erscheinungsdatum: 13.8.).

Mit dem Älterwerden geht Marianne Koch nach eigenen Worten gelassen um. Das kann sie auch - so fit wie sie ist. Da klingt es auch ein wenig untertrieben, wenn sie sagt, sie könne „noch ganz gut laufen und denken“. Dennoch sei es ein „merkwürdiges Gefühl, so alt zu werden“, findet die gebürtige Münchnerin. „Obwohl: meine Großmutter und meine Mutter wurden auch 94 Jahre alt.“ 

Wie sie ihren Ehrentag verbringen möchte? „Gemütlich. Mit meiner Familie und meinem kleinen Hund“, erzählt sie der Deutschen Presse-Agentur im Interview. Marianne Koch lebt seit mehr als 50 Jahren am Starnberger See.

In dem unterhaltsamen und knapp 150 Seiten starken neuen Buch blickt die Medizinerin auf ihr Leben zurück und zieht Bilanz. Dabei lässt sie die Leser in ihr privates Fotoalbum blicken und zeigt Aufnahmen aus ihrer Kindheit. „Es ist keine wirklich umfassende Rückschau. Es sind lustige, aber auch ernste Episoden aus meinem doch sehr vielfältigen und interessanten Leben. Ich hatte viel Glück - und deshalb ist das vorherrschende Gefühl Dankbarkeit.“

Schauspielerei als Nebenjob begonnen

Zum vielfältigen Leben der Marianne Koch gehört ein Abstecher in die Glitzerwelt des internationalen Films. Dabei war es gar nicht ihr Plan, mit der Schauspielerei Geld zu verdienen, als sie 1949 in München Abitur machte.

Marianne Koch begann ein Medizinstudium - die Karriere beim Film startete sie nebenbei, und zwar mit kleineren Rollen während der Semesterferien. Nach dem Physikum 1952 unterbrach sie das Studium, um sich auf den Film zu konzentrieren. Ganz ohne Schauspielunterricht wurde sie für Millionen Kinogänger ein Idol der Wirtschaftswunderjahre.

Marianne Koch stand an der Seite von Curd Jürgens, Heinz Rühmann, O.W. Fischer und Gregory Peck vor der Kamera. Mit Charme bezauberte sie das Publikum. 

In Helmut Käutners „Ludwig II.“ gelang ihr 1955 der Durchbruch. Sie spielte darin Prinzessin Sophie, die Schwester von Sisi (Ruth Leuwerik). Für ihren Auftritt in „Des Teufels General“ wurde sie mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. 

Es folgen bis 1970 rund 70 Kinofilme. In dem Sergio-Leone-Klassiker „Für eine Handvoll Dollar“ spielte sie gar an der Seite von Hollywoodstar Clint Eastwood.

In ihrem neuen Buch erzählt sie von der Zeit, zu der Reisen um die Welt gehörten, das Eintauchen in verschiedene Kulturen und auch eine Einladung beim früheren thailändischen Königspaar Bhumibol und Sirikit.

Rückkehr an die Uni

Erfüllung brachte ihr der Glanz der Filmwelt nicht. 1973 kehrte Koch - inzwischen Mutter zweier Söhne - an die Uni zurück und schloss wenige Jahre später ihr Studium mit der Promotion ab. 

1985 eröffnete sie in München eine internistische Praxis. Rückblickend sieht sie die Schauspielerei nur als eine langjährige Episode in ihrem Leben an. Bedauert hat sie den Abschied vom Film „nicht eine Sekunde“.

Ihre große Bekanntheit beim deutschen TV-Publikum verdankt Koch insbesondere dem ARD-Ratespiel „Was bin ich?“ mit Gastgeber Robert Lembke. Sie gehörte seit den 60er Jahren mit treffsicheren Fragen genauso fest zu der Sendung wie das Schweinderl, in dem damals die Fünf-Mark-Stücke für die Kandidaten schepperten.

Marianne Koch moderierte überdies acht Jahre lang die von Radio Bremen produzierte Talk-Sendung „3 nach 9“, wofür sie 1976 mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Leidenschaftliche Medizinerin

Ihre Passion war und ist aber die Medizin. Sie verfasste mehrere Ratgeber, etwa zum Immunsystem und zum Älterwerden. 25 Jahre lang gehörte Marianne Koch auch zum Team der „Gesundheitssprechstunde“ im Bayerischen Rundfunk. Vor einem Jahr verabschiedete sie sich auf eigenen Wunsch von der Sendung und von ihren Hörerinnen und Hörern.

Bis 2011 stand sie 14 Jahre lang als Präsidentin der Deutschen Schmerzliga vor und ist ihr als Ehrenpräsidentin weiterhin verbunden. 2019 bekam Koch für ihr Engagement die Paracelsus-Medaille verliehen, die höchste Auszeichnung der Bundesärztekammer. 

Bei Gesundheitsthemen ging Koch stets mit gutem Beispiel voran. Was sind ihre wichtigsten Tipps, um auch im Alter fit zu bleiben? Ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Protein und Kalzium; ausreichend Schlaf; eine positive Einstellung dem Alter gegenüber; Interesse an der Welt und Lust auf Neues sowie viele soziale Kontakte.

Interesse und Offenheit für Neues zählt Koch zu ihren Stärken: „Ich denke, ich habe immer ein starkes Interesse und Gefühl für andere Menschen gehabt, was mir sicher auch in meinem Beruf als Ärztin zugutekam“, sagt Koch rückblickend. „Ich war immer neugierig, habe immer gerne Neues gelernt und ausprobiert. Ja, ich war auch mutig.“ Diese Eigenschaft habe ihr ihre Mutter beigebracht: „Traut Euch!“, habe ihre Mutter gesagt. „Auch wenn mal etwas schiefgeht.“ Und so schließt sich der Kreis zum Titel von Kochs jüngstem Buch: „Mutig sein!“

© dpa-infocom, dpa:260811-930-511912/1


Von dpa
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