Große Premiere in Uffenheim: Eine Idee, die in Neustadt schon großen Anklang findet, ist der „Wärmewinter”. Am Freitag wurde das erste Mittagessen in Uffenheim angeboten – mit großartiger Resonanz auf Seiten der Helfenden, aber noch verhaltenem Besuch. Deshalb lautet die ungewöhnliche Botschaft: Man darf auch etwas spenden.
Denn die Vermutung, warum bei der Auftaktveranstaltung noch relativ wenige Besucher und Besucherinnen den Weg ins Gerlach-von-Hohenlohe-Stift fanden, lautete: „Viele denken, das sieht dann so aus, als ob ich mir mein Mittagessen nicht leisten könnte.” Deshalb begrüßte Dekan Max von Egidy die Schar der Helferinnen und Gäste mit dem prominenten Verweis auf die Spendenbox. Wer möchte, kann gerne für das Mittagessen spenden. Und: Wer nicht möchte oder kann, der muss nicht.
Es handelt sich beim Wärmewinter, den Kirchengemeinde, „Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch” sowie die Diakonie gemeinsam auf die Beine stellen, nicht um eine Aktion für Bedürftige, sondern um ein Angebot für alle, die eine warme Mahlzeit, selbstgebackene Kuchen und nette Gespräche zu schätzen wissen.
Beeindruckend war die Schar der Helfenden, die sich im Saal des Hohenlohe-Stifts eingefunden hatten. 30 Leute hatten sich bereit erklärt, bei der Aktion an einem oder mehreren der sechs Freitage zu helfen. Dazu kommt noch jeweils eine Gruppe von Jugendlichen der Christian-von-Bomhard-Schule. Bei der Schule in evangelischer Trägerschaft ist „diakonisches Lernen” Bestandteil des Lernplans, monatliche Besuche im Alten-Stift und in einer Tagespflege gehören zum Schulalltag.
Lehrerin Ines Dillenberger beteuert, sie habe gar keine große Werbung für den Einsatz machen müssen: „Es haben sich sehr viele gemeldet.” Heute hilft eine Gruppe der 7b, die Tische zu dekorieren und einzudecken. Die Schülerinnen und Schüler tragen die Teller nach der Leberklößsuppe ab und fragen, ob die Leute Gnocchi oder gebackenen Fisch als Hauptgang bevorzugen.
Verantwortlich dafür, dass alles gut mundet, ist Küchenchef Karl Schwarz („schwarz – wie mein Humor”), der gewohnt ist, dafür zu sorgen, dass viele junge und ältere Leute etwas Gutes zum Essen bekommen. In der Küche des Hohenlohe-Stifts wird nicht nur für die eigenen Bewohner und Bewohnerinnen gekocht, sondern auch für Kindergärten und andere Einrichtungen.
Bevor es feste Nahrung gibt, sorgt der Dekan für einen kurzen geistigen Impuls. Abgeleitet von Jesus' Worten „Ihr seid das Salz der Erde” entwickelt er einen Gedanken: Salz ist sehr wichtig für den Geschmack einer Mahlzeit. Andererseits ist Salz pur, ohne etwas, das es salzt, eher ungenießbar. Übertragen auf die Rolle der Anwesenden heißt das: „Ihr seid unendlich wichtig für das Ganze. Aber es ist auch wichtig, sich selbst nicht unendlich wichtig zu nehmen, sondern mehr Wert auf das ,Wir' zu legen.”
Pfarrerin Heidi Wolfsgruber, welche die Gesamtkoordination des Wärmewinters übernommen hat, ist es wichtig, für die Gespräche am Mittagstisch auch ein Thema anzubieten. „Wofür wollt ihr Salz sein?”, steht auf Tisch-Kärtchen geschrieben. Im Übrigen legt sie Wert darauf, dass der Wärmewinter nicht hierarchisch organisiert ist: In Online-Listen trägt sich ein, wer bei den sechs Freitagsterminen helfen will, einen Kuchen backt oder den geistigen Impuls hält. Jeder – in der Mehrheit der Fälle jede – schaut selbst, ob es am gewünschten Termin noch Bedarf gibt.
Ansonsten sind Aktionen wie diese ganz nach dem Geschmack der begeisterungsfähigen Pfarrerin: „Ich finde, Gottesdienst ist in der Welt. Wir müssen raus aus unserer kirchlichen Blase.” Auf ihre Frage an den Nachbartisch mit den hilfsbereiten Siebtklässlern – „Findet ihr, dass das ein Gottesdienst ist?” – erntet sie eifriges Nicken.
An den kommenden Freitagen, 13. Februar, 20. Februar, 27. Februar, 6. März und 13. März, kann man jeweils von 11.30 bis 14 Uhr ohne Anmeldung ins Seniorenheim Gerlach-von-Hohenlohe-Stift am Spitalplatz 2 kommen und gemeinsam zu Mittag essen.