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Veröffentlicht am 30.10.2026 14:38

Wann Me-Time guttut – und wann Rückzug beginnt

Allein etwas unternehmen: Solo-Zeit kann Raum für eigene Interessen und Gedanken schaffen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Allein etwas unternehmen: Solo-Zeit kann Raum für eigene Interessen und Gedanken schaffen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Allein etwas unternehmen: Solo-Zeit kann Raum für eigene Interessen und Gedanken schaffen. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Einfach mal allein ins Café gehen? Für manche ist das selbstverständlich, andere vermeiden es möglichst. Dabei kann die Sorge, von anderen für einsam oder unfreiwillig allein gehalten zu werden, eine Rolle spielen. „Bewerten mich die anderen negativ, wenn sie sehen, dass ich allein bin?“ Diese Frage beschreibt Silke Naab, Chefärztin am Fachzentrum Psychosomatik und Psychotherapie der Schön Klinik Roseneck.

Allein etwas zu unternehmen sei aber „per se sehr positiv“. Zeit allein ermögliche, eigene Gedanken zu sortieren und Dinge nach den eigenen Interessen zu tun. Aktivitäten selbst zu organisieren und sich selbst etwas Gutes zu tun, stärke das Gefühl, Dinge aus eigener Kraft bewältigen zu können, so Naab.

Kleine Unternehmungen für Selbstwirksamkeit

Wer Dinge allein unternehmen möchte, sollte sich fragen, was er ausprobieren will und womit er sich wohlfühlt. Ein Spaziergang, ein Cafébesuch oder der Wochenmarkt könnten erste Schritte sein. „Kleinere Unternehmungen reichen schon aus, um sich selbstwirksam zu erleben“, sagt Naab. 

Fühlt sich eine Aktivität - etwa ganz allein ins Restaurant zu gehen - nicht gut an, sei das kein Scheitern: „Dann ist das eine wichtige Botschaft“, so die Ärztin. Eine Art Signal also, zu prüfen, ob der Schritt zu groß war, und man beim nächsten Mal eine passendere Alternative finden kann.

Nur noch allein? Wann sozialer Rückzug beginnt 

Zugleich sind Menschen soziale Wesen, sagt Naab. Unternehmungen mit Freunden und das Gefühl, in einer Gemeinschaft aufgehoben zu sein, bleiben wichtig. „Es sollte kein Ungleichgewicht entstehen“, sagt die Ärztin. Entscheidend sei, ob die Solo-Zeit bewusst gewählt werde und neben sozialen Kontakten Platz habe.

In manchen Fällen kann Alleinsein auch problematisch werden. „Wenn Personen nur noch Dinge allein machen, muss man schauen: Ist das auch eine Form von sozialem Rückzug?“, sagt Naab. Hinweise, genauer hinzuschauen, sind zum Beispiel: 

  • gedrückte Stimmung 
  • das Gefühl, anderen zur Last zu fallen
  • Lustlosigkeit oder Antriebslosigkeit 

Sozialer Rückzug kann mitunter Symptom einer psychischen Erkrankung sein, etwa einer Depression. Auch soziale Ängste können dazu führen, dass Betroffene sich Unternehmungen allein kaum mehr zutrauen. 

Hier ist professionelle Unterstützung wichtig. In einer Therapie könne es dann darum gehen, solche Aktivitäten Schritt für Schritt wieder anzugehen, sagt Naab. Aber ohne Zwang. Sinnvoll seien kleine Unternehmungen, die sich für die Person gut anfühlen.

Zur Person: Silke Naab ist Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin sowie Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. An der Schön Klinik Roseneck leitet sie die Jugendabteilung. Zu ihrem Behandlungsspektrum gehören unter anderem Krankheitsbilder wie Depressionen sowie Angst- und Panikstörungen.

© dpa-infocom, dpa:261030-930-918981/1


Von dpa
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