Für den richtigen Umgang mit Sterbenden gibt es keine Patentrezepte. Jeder Fall liegt anders. Umso wichtiger ist daher für Ehrenamtliche, die sich in der Hospizarbeit engagieren, der Austausch mit anderen. Mehr als 150 davon aus ganz Mittelfranken trafen sich jetzt im Rothenburger Wildbad und erfuhren auch etwas über die Wirkung bestimmter Tiere.
Rothenburg sei zuletzt 2007 Austragungsort dieses überregionalen Forums gewesen, erklärte die Vorsitzende des örtlichen Hospizvereins, Petra Underbrink. In der 2002 gegründeten Rothenburger Gruppe engagieren sich derzeit gut 60 Helferinnen und Helfer. Fünf davon haben eine Zusatzqualifikation in der Trauerbegleitung.
Um die Koordination der Einsätze dieser Ehrenamtlichen kümmert sich Ursula Memhardt. Für die beiden und für weitere Mitglieder des Gastgebervereins hatte die Organisation des Hospiztag-Programms einige Arbeit bedeutet. Der Aufwand lohnte sich, denn es lief alles rund.
Gut 15 Hospizgruppen aus einem großen Einzugsgebiet, das bis Erlangen, Gunzenhausen und Dinkelsbühl reichte, waren mit Abordnungen vertreten. Die Ehrenamtlichen konnten sich in diversen Themen-Workshops Anregungen und neues Wissen für ihre alltägliche Arbeit mit Schwerkranken und Sterbenden holen. Einen Kurs gestaltete Märchenerzählerin Juliane Dehner. Bei Sy Elisabeth Geis ging es um die Möglichkeiten, Hospizbesuche mit Farbe und Kunst aufzuhellen.
Als Inspirationsquelle und fachliche Ansprechpartner vertreten waren auch das Wünschewagen-Team Robert Griebl und Andrea Bänker, eine Spezialistin für den Umgang mit Schwerhörigkeit und Taubheit, Tanztrainerin Steffi Mönikheim, Sterbeamme Karin Simon und Klangtherapeut Armin Nögel, der über das „Waldbaden“ als stimmungsaufhellende Aktivität informierte. In weiteren Workshops ging es um Anregungen für die Begleitung von Trauerprozessen und um das Thema Humor in der Arbeit mit Sterbenden.
Und dann war da noch ein auf der Wiese vor dem Wildbad platziertes Gehege voller munterer und zutraulicher Vierbeiner. Vom Wettringer Alpakahof waren die Tiere hertransportiert worden. Isabell Johanngieseker berichtete von der besonderen Wirkung dieser aus Südamerika stammenden Kamelart auf Menschen. Alpakas könnten deren emotionale Verfassung aufspüren und darauf reagieren, erfuhren die Hospizhelferinnen und -helfer. Auch die Arbeit mit Alten und Schwerkranken könne das befruchten.
Solche neuen Impulse seien enorm wichtig für die Arbeit der Ehrenamtlichen, erklärte Ursula Memhardt. Beim Hospiztag gehe es aber nicht nur um das Fachliche. Den Helferinnen und Helfern werde bewusst auch Ablenkung geboten, denn „sie müssen alle ein bisschen auf sich selber aufpassen“.
Viel werde über die Herausforderungen dieser Aufgabe gesprochen, etwa darüber, wie neue Leute zu gewinnen seien, die bereit seien, das zu machen. Ein schwieriges Thema sei auch, dass die Beihilfe zum assistierten Suizid in Deutschland nicht mehr strafbar sei, sagt Petra Underbrink. Die Hospizvereine, deren aktive Mitglieder in dieser Frage unterschiedliche Meinungen hätten, müssten da dennoch eine Haltung finden.
Ein großes Manko bleibe natürlich das Fehlen eines stationären Hospizes in Westmittelfranken. Landrat Dr. Jürgen Ludwig habe zwar seinen Willen bekräftigt, ein solches in die Region zu holen und in Feuchtwangen zu realisieren, so Ursula Memhardt. Ob das irgendwann klappe, sei aber leider völlig ungewiss.